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Das Eisen mal anders schmieden : Golfschläger für den weichen Abschlag

  • -Aktualisiert am

Abschlag: Ein Eisen für Spieler mit einem guten Schwung Bild: Cobra Golf

Cobra will mit einer neuen Technik den Schlägerkopf ihrer Golfeisen weicher machen. Das Geheimnis liegt im Pulverspritzverfahren – ein Novum auf dem Markt.

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          Seit Jahrhunderten werden Eisenköpfe für Golfschläger nach einem uralten Verfahren hergestellt: Sie werden geschmiedet. Stahl wird erhitzt und dann durch Hämmern und Pressen in die gewünschte Form gebracht. Geschmiedete Eisen (auf Englisch Forged Irons) werden vor allem von Profis und besseren Spielern bevorzugt, weil sie ein weicheres Gefühl im Treffmoment und eine bessere Rückmeldung geben sollen. Ende der 1950er Jahr ließ Karsten Solheim, der Gründer von Ping, zuerst Putter und dann Eisen nach dem Gussverfahren fertigen: Geschmolzenes Metall wird in eine Form gefüllt, und nach dem Erkalten erhält man den gewünschten Schlägerkopf. Dadurch war es erstmals möglich, bei Eisenköpfen Gewicht an die Ränder zu verlagern, was ein Verkanten bei nicht mittig getroffenen Bällen verhindert.

          So konnte Solheim auch Eisen auf den Markt bringen, die mit einem Hohlraum hinter der Schlagfläche versehen waren, sogenannte Cavitiy Backs. Mittlerweile dominieren diese gegossenen Eisen (auf Englisch Cast Irons) den Markt, obwohl heute auch geschmiedete Eisen mit diesen fehlerverzeihenden Eigenschaften, im Englischen Game Improvement Irons genannt, erhältlich sind. Aber da Schmieden deutlich aufwendiger ist als Gießen und am Ende noch sorgfältiges Abschleifen und Polieren erfordert, sind „Forged Irons“ teurer.

          Der Weg führt durch den Hochtemperaturofen

          Anfang November brachte die amerikanische Firma Cobra Golf, die seit 2010 zum Puma-Konzern gehört, einen Eisensatz auf den Markt, der nach einem für die Golfindustrie neuartigen Verfahren gefertigt wurde. Auf den King-Tour-Eisen steht auf der Rückseite jedes Kopfes dezent MIM Technology. MIM steht für Metal Injection Molding, zu Deutsch Pulverspritzgießen oder Metallspritzgießen, ein von der Kunststoffindustrie übernommenes Verfahren.

          Dank des Wolfram-Einsatzes ist der Schläger nicht nur was für Tourprofis. Das zusätzliche Gewicht an der Spitze verzeiht Fehler.
          Dank des Wolfram-Einsatzes ist der Schläger nicht nur was für Tourprofis. Das zusätzliche Gewicht an der Spitze verzeiht Fehler. : Bild: Cobra Golf

          Es wird seit etwa 1980 vor allem bei der Produktion von komplexen, kleinen metallischen Bauteilen unter anderem in der Auto- und Luftfahrtindustrie, in der Medizin, bei der Herstellung von Handfeuerwaffen, Schlössern oder Brillenscharnieren genutzt. Diese Technologie, so behauptet zumindest Cobra Golf, sorge bei der Herstellung von Golfschlägern für ein präziseres Endprodukt mit weniger Arbeitsschritten und minimalem Nachpolieren.

          Bei der Produktion der King-Tour-Eisen wird zunächst 304-Edelstahlpulver mit einem Polymer-Bindungsmittel gemischt. Dieser Rohstoff wird erwärmt und dann in eine grobe Eisenform gespritzt. Diese wird abermals erhitzt, um das Polymer auszuschwitzen. Danach ist der Kopf immer noch etwa 20 Prozent größer als das Endprodukt. Die Köpfe gehen dann in einen Hochtemperaturofen, um den restlichen Binder zu entfernen und um die Metallteile zusammenzuschweißen, ein Prozess, den man als Sintern bezeichnet. Dabei werden Temperaturen von 1340 Grad Celsius erreicht, deutlich höher als die beim herkömmlichen Schmieden (1200 Grad). Das lässt den Kopf auf seine endgültige Größe schrumpfen und sorgt für eine Materialdichte von 98 Prozent.

          Das Cobra-King-Tour-Eisen wird mit viel Hitze im Pulverspritzverfahren hergestellt.
          Das Cobra-King-Tour-Eisen wird mit viel Hitze im Pulverspritzverfahren hergestellt. : Bild: Cobra Golf

          Diese Dichte, also das Fehlen von winzigen Poren, ist laut Hersteller für das extrem weiche Gefühl im Treffmoment verantwortlich: „Diese Eisen sind weicher als geschmiedete Eisen“, behauptet Tom Olsavsky, der Vizepräsident für Forschung und Entwicklung bei Cobra. Schon Anfang vergangenen Jahres hatte Cobra MIM-Wedges auf den Markt gebracht. „Wir haben MIM eingesetzt, um weichere und präziser geformte Designs bei unseren Wedges zu erhalten. Die Beliebtheit der MIM-Wedges unter besseren Spielern und Tour Pros führte dazu, die Vorteile der MIM-Technologie auch auf einen kompletten Eisensatz zu übertragen“, erläutert Olsavsky.

          Vibration werden gedämpft, Fehler verziehen

          Nun ist die Weichheit von Golfeisen ein sehr individuelles Gefühl, das vor allem durch das Geräusch im Treffmoment erzeugt wird. Ob die Eisen sich wirklich samtiger anfühlen als geschmiedete Konkurrenzprodukte, darüber waren unsere Tester (Golflehrer und Amateure mit niedrigem einstelligen Handicap) uneinig, obwohl Cobra die King-Tour-Eisen noch wie etliche Konkurrenten mit einem mit thermoplastischem Urethan (TPU) gefüllten Hohlraum versehen hat, um Vibrationen zu dämpfen – auch ein Mittel, um die 0,5 Millisekunden, die der Golfball auf der Schlagfläche verweilt, weicher erscheinen zu lassen. Obwohl Cobra die Zielgruppe für diese Eisen bei einstelligen Golfern sieht, die höhere Schlägerkopfgeschwindigkeiten generieren, sind die Eisen durch ein Wolfram-Gewicht an der Spitze fehlerverzeihender als erwartet. Aber auch hier gilt: Jeder Golfer sollte vor dem Kauf die Eisen bei einem Clubfitter testen und seinem eigenen Schwung anpassen lassen.

          Die Cobra-King-Tour-Eisen gibt es nur für Rechtshänder. Ein Satz (Eisen 4 bis Wedge) kostet mit „KBS $ Taper 120“-Stahlschaft, Flex Regular oder Stiff und mit dem „Cobra Lamkin Crossline Arccos Connect“-Griff 1299 Euro. Gap-Wedge und ein Eisen 3 sind ebenso wie weitere Schäfte auf Anfrage erhältlich.

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