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Schneiden statt Schaben : Butter bei die Tische

Bild: Butterleaf

Eine schneidige Idee für ein schmieriges Geschäft: Butterleaf soll das Messer ersetzen. Wir haben einige Brote belegt.

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          Es ist ungefähr dreißig Jahre her, als in der Fernsehwerbung eines bekannten deutschen Margarineherstellers das erste Mal ein Brotmesser auf der Oberfläche des streichzarten Butterersatzes entlangstrich, um eine schöne runde Flocke zu formen. Schon damals scheiterten viele begeisterte Familien daran, am nächsten Morgen während des Frühstücks diese Geste zu reproduzieren, und erkannten anschaulich den Unterschied zwischen Werbung und Wirklichkeit. Die Margarine oder Butter staut sich meist vor dem Klingenblatt und schiebt sich wie ein Berg in die Höhe.

          Am Frühstückstisch blieb es also bei der gleichen schmierigen Angelegenheit wie zuvor. Auch heutzutage wird etwas Butter abgeschabt, aufs Brot geschmiert, abgeschabt, aufs Brot geschmiert und so weiter. Schön sieht das nicht aus. Häufig wird in der Mitte der Butterdose ein Graben gezogen, dessen Ränder sich mit jedem Streich unappetitlich nach oben schieben.

          Mit Butterleaf sollen diese Zeiten vorbei sein. In dieser Dose mit größeren Ausmaßen als üblich lässt sich zunächst die Butter aufbewahren. Dazu steckt man ein Stück hochkant der Länge hin auf einen Sockel und verschließt sie mit dem zweiteiligen Deckel. An der Seite steckt das entscheidende Instrument, das aus dieser Butterdose etwas Besonderes macht. Es ist ein Schaber, der ein großes, gleichmäßiges Stück Butter abnimmt. Um diesen ansetzen zu können, muss Butterleaf erst umgebaut werden.

          Das ist einfach – wenn man verstanden hat, wie es funktioniert. Auch nach mehreren Butterwechseln mussten wir jedes Mal kurz innehalten, um zu überlegen, wie umgebaut wird. Das Ziel ist eine schiefe Ebene. Dazu wird aus dem zweiteiligen Deckel ein Standfuß, indem man den oberen Teil abnimmt, umdreht und in den unteren Teil des Deckels steckt. Darauf wird der Sockel mit der darauf steckenden Butter befestigt. Nun steht das Stück erhöht auf einer schiefen Ebene.

          Nimmt mehr Platz im Kühlschrank weg als eine gewöhnliche Butterdose.

          Jetzt kommt der Schaber ins Spiel. Man zieht ihn langsam von oben nach unten auf der Butter entlang. Weil mit einem Abstand von knapp drei Millimetern zur Schneide eine Rolle eingebaut ist, hat das Stück Butter immer die gleiche Dicke. Zudem bekommt der Streifen durch die Beschaffenheit der Rolle ein Blattmuster aufgedrückt. An der Schneide ist eine kleine Führungsschiene angebracht, so dass die Scheibe nicht abbricht oder gleich wieder mit der Butter verklebt. Im besten Fall hat man also ein komplettes Stück von der schmalen Seite der Butter abgenommen und kann es auf das Brot legen.

          Das funktioniert in der Praxis nur zuverlässig mit kalter Butter, wie der Hersteller selbst empfiehlt. Sie sollte also direkt aus dem Kühlschrank kommen und nicht allzu lange auf dem Tisch stehen. Je wärmer sie wird, desto schmieriger wird die Angelegenheit. Das gilt besonders, wenn Kinder am Tisch sind, die beim Abziehen des Stückes nicht viel Geduld mitbringen. Dann verklebt auch schnell der Schaber, die Butter bleibt zwischen Schneide und Rolle hängen. Aber mit Disziplin lässt sich die Butter ordentlich Scheibe für Scheibe aufessen.

          Allerdings nicht vollständig. Weil der Sockel eine eineinhalb Zentimeter hohe Umrandung hat, damit die Butter nicht umfällt, bleibt immer ein Rest übrig, der mit dem Messer herausgekratzt werden muss. Das ist etwas fummelig, weil der Rand innen vier Nähte hat, wo sich die Masse verfängt. Daher sollte man alle Teile nach jedem vertilgten Butterberg in der Spülmaschine reinigen. Vorsicht ist geboten, wenn man Butterleaf aus dem Kühlschrank nimmt. Dann fassen am besten zwei Hände unter die Dose, damit nicht aus Versehen nur der Deckel gegriffen wird, alles auseinander- und die Butter herunterfällt.

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