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Brennstoffzellen : Die Steckdose für jenseits von Afrika

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Der Name ist Programm: Independence 1000 von ReliOn Bild:

Brennstoffzellen sind alltagstauglich und auch für den Privatmann erschwinglich. Vor allem Segler und Caravaner sind begeistert von den portablen Stromerzeugern.

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          Der hölzerne Strommast am Highway 19 im Nordosten der Vereinigten Staaten trägt eine schwere Last. Mehrere hundert Kilogramm halten sich in Form eines dicken Eispanzers an ihm fest. Die metallenen Leitungen haben ebenfalls bedrohlich viele Eiskristalle gesammelt und ziehen nun die Drähte immer weiter nach unten. Im Radio wird gerade ein weiterer Blizzard für die folgende Nacht angekündigt. Wann der hölzerne Mast vor dem eisigen Gewicht kapitulieren und schließlich kippen wird, ist nur noch eine Frage der Zeit. Danach werden Tausende Menschen ohne Strom sein. Sie werden nicht nur der eisigen Kälte ausgeliefert, sondern gleichzeitig auch noch ohne jede Kommunikationsmöglichkeit sein, da selbst Mobiltelefone nicht mehr funktionieren werden.

          Alle? Nicht bei Dave. Der technikbegeisterte Individualist hat sich in seinem abseits gelegenen Haus für ein notstromspendendes Brennstoffzellenaggregat entschieden. Das arbeitet im Gegensatz zu den bekannten Benzingeneratoren leise und emissionsfrei. Mit dieser Entscheidung liegt Dave ganz auf der Linie der Hersteller. Denn für die Markteinführung ihrer Technik zählen sie auf Individualisten wie ihn. Aber auch Yacht- und Caravanbesitzer stehen auf ihren Listen. Schließlich berechnen die Hersteller rund das Vierfache dessen, was vergleichbare Generatoren mit Verbrennungsmotor kosten. In Sachen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Bedienung beweisen aber auch die Wasserverbrenner inzwischen größtenteils Alltagstauglichkeit.

          Derartige Nischenanwendungen könnten die Initialzündung für den Markteintritt der Brennstoffzellentechnik sein. Um die Technik möglichst greifbar zu gestalten, haben sich in einem Fall Brennstoffzellen-Hersteller und Caravan-Spezialisten zusammengetan. Das Unternehmen Smart Fuel Cell aus dem bayerischen Brunnthal und der Reisemobilhersteller Hymer haben zusammen einen portablen Generator (SFC 25A) entwickelt, der bereits an mehrere hundert Kunden verkauft wurde. Das Nachfolgegerät (SFC 50) wird zur Zeit auf Boots- und Caravanmessen für den stolzen Preis von 3980 Euro vorgestellt und ist quasi das erste für jedermann erhältliche System.

          So groß wie ein Kofferradio, leistet das sieben Kilogramm leichte Aggregat 50 Watt - genug, um auch fernab der Stromnetze für volle Akkus zu sorgen. Der knallgelbe Generator wird hybrid mit den bereits vorhandenen Akkus betrieben. Das heißt, die Brennstoffzelle lädt lediglich die Batterien und speist nicht direkt ins Bordnetz ein. Der Kunststoffkanister mit dem Treibstoff muß allerdings extra getragen und plaziert werden, da er nicht im Gerät integriert ist. Das macht das System zwar etwas unhandlich, so ließen sich aber auch volumenreichere Patronen anschließen.

          Im SFC 50 integriert ist dafür ein Laderegler, der die Stromversorgung automatisiert: Immer wenn die Batteriespannung unter ein bestimmtes Niveau sinkt, schaltet sich die Brennstoffzelle ein und lädt nach. Sämtliche Zustände werden von einem LED-Display angezeigt. Als Treibstoff für den Generator von Smart Fuel Cell dient nicht reiner Wasserstoff, sondern Methanol. Erst das macht das System auch alltagstauglich. Während wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen bei Temperaturen unter null Grad Celsius dazu tendieren, einzufrieren, arbeiten Direkt-Methanol-Systeme noch bei minus 20 Grad problemlos. Fünf Liter Treibstoff sollen für fünf bis zehn Tage elektrifizierte Freiheit ausreichen und rund dreizehn Euro kosten.

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