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BMW-Bausatz von Franzis : Wir bauen uns einen Boxer

Das Vorbild aus den Siebzigern: R 90 S, erstes Serienmotorrad mit lenkerfest montierter Verkleidung, 200 Klamotten schnell. Bild: BMW

Es gibt Dinge, ohne die der Lebenslauf eines Mannes einfach nicht vollständig ist. Dazu gehört der Bau eines Motors mit eigenen Händen, wie zum Beispiel den der Legende BMW R 90 S.

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          Setzen Sie die Nockenstößel (3) in die Bohrungen der linken (1) und der rechten (2) Hälfte des Kurbelgehäuses ein.“ Mit dieser Anweisung beginnt die Anleitung, und somit wird auf Anhieb klar, dass es hier nicht um Lullifax geht, sondern um Maschinenbau. Dieses Projekt verlangt nach ernsthafter Herangehensweise. Schnell ist Schritt eins erledigt, und schon bald hantiert man mit Zylindermänteln, Zylinderköpfen, Ventilführungen und -federn herum. Wenn dann ein Klicken vom korrekten Einrasten der Ein- und Auslassventile an den Schaftenden kündet, kann man sich den Schubstangenköpfen und Zylinderkopfdichtungen widmen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Es gibt Dinge, ohne die der Lebenslauf eines Mannes einfach nicht vollständig ist. Dazu gehört beispielsweise der Bau eines Motors mit eigenen Händen. Da es nichts gibt, was eine Gattin lieber hätte, als einen röhrende Laute von sich gebenden Boxermotor im Wohnzimmer, machen wir uns ans Werk. Dafür muss Platz geschaffen werden: Alles runter vom Tisch, auch die Vase mit den frischen Blumen. Nur drei bis vier Stunden sind zu veranschlagen, wie der Franzis-Verlag verspricht.

          Dessen Bausatz kommt in einem Kasten der stattlichen Größe 47×36×16 Zentimeter zum regulären Preis von 199 Euro, wurde indes zuletzt für 159 Euro angeboten. Doch das Gelieferte übertrifft die Erwartungen. Rund 150 aufwendig geformte Teile aus Kunststoff kommen beim Anheben des Deckels zum Vorschein, dazu einige aus Metall, wie etwa die filigranen Federn für die Ventile oder den Schaltmechanismus. Eine schöne 120-Seiten-Begleitbroschüre liegt bei, die aus mehr besteht als nur einer Beschreibung, wie man das Ganze zusammenbaut.

          Der Einsatz von Kleber, wie von Modellbausätzen gewohnt, ist nicht erforderlich, es wird ausschließlich gesteckt und geschraubt. Zirka 100 Schräubchen liegen bei sowie ein magnetischer Schraubendreher, der das Anbringen der sehr kleinen Schrauben wesentlich erleichtert. Fehlen nur noch eine Zange zum Heraustrennen der Plastikteile aus ihren Spritzrahmen sowie ein scharfes Messer zum Entgraten.

          Der Bausatz von Franzis: Das fertige Funktionsmodell wird etwa 30 x 34 x 26 Zentimeter (L x B x H) messen und einschließlich Batterien anderthalb Kilo wiegen. Bilderstrecke

          Im Sortiment von Franzis findet sich eine ganze Reihe technischer Bausätze: Porsche-Sechszylinder oder V8 des Ford Mustang beispielsweise, derzeit auch Adventskalender aus Teilen, mit denen man einen VW Bulli, einen 911er oder Oldtimer-Traktoren zusammensetzt. Bei unserem Boxermotor, der laut Franzis als offizielles BMW-Lizenzprodukt im Maßstab 1:2 nachgebaut wird, handelt sich um das Triebwerk eines Meilensteins der Motorradgeschichte. Die R 90 S trat 1973 mit 898 Kubikzentimeter Hubraum, 67 PS, 76 Newtonmeter Drehmoment sowie einem bis heute unverwechselbaren Design an. Cockpitverkleidung, Heckbürzel und die Lackierung – zunächst in Silberrauch, bald auch im legendären Daytona-Orange – prägten ihre Erscheinung, abgesehen von den seitlich in den Fahrtwind ragenden Zylindern des luftgekühlten Zweiventilers. Im üppig bebilderten Begleitbuch wird nicht nur die R 90 S beschrieben, sondern darüber hinaus die Geschichte der BMW-Boxermotoren von 1923 bis heute. Fast bis heute, um genau zu sein. Die Darstellung endet mit den wassergekühlten 1200ern und erfasst leider nicht mehr die 1250er der jüngsten Generation.

          Der Zusammenbau des Funktionsmodells ist denkbar einfach dank der vorbildlichen Anleitung mit übersichtlicher Teileliste, exakter Bebilderung, sorgfältiger Numerierung und tadelloser Passgenauigkeit. Wer aber nach nur drei bis vier Stunden fertig sein will, muss Gas geben. Wir meinen: Die Aktion passt nicht zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken am ersten Weihnachtstag. Man wird auch noch den Vormittag des zweiten Weihnachtstags brauchen – vor allem, wenn man die Sache ein bisschen auskosten und dabei ohne Hektik etwas über Konstruktion und Funktionsweise eines Verbrennungmotors lernen will. Das ist ein hübscher Nebeneffekt der Arbeit.

          Am Ende lässt sich durch das transparente Gehäuse das Zusammenspiel vieler beweglicher Teile beobachten: Zylinder, Kolben, Kurbelwelle, Ventile und deren Kipphebel etwa. Ein Elektromotor, dessen Batterien im Sockel stecken, setzt das Gesamtwerk auf Knopfdruck für jeweils 40 Sekunden in Gang. Leuchtdioden in den „Zündkerzen“ simulieren dabei die Zündfunken. Das Fünfganggetriebe mit seinen Wellen, Zahnrädern und Schaltgabeln lässt sich schalten wie das große Vorbild. Dazu spielt das Soundmodul die Aufnahme eines Originalmotors ab.

          Dieser „Sound“ allerdings ist eine herbe Enttäuschung. Das dünne Knattern aus dem Lautsprecherchen im Sockel und das Jaulen des Elektromotors ergeben zusammen ein ziemlich scheußliches Geräusch. Ein Grund dafür, dass die Gattin das Wohnzimmer energisch zur motorenfreien Zone erklärt hat. Nun muss für das Schmuckstück ein anderer Platz gefunden werden.

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