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Blackbox AF 447 : Auf der Suche nach dem „Ping“

  • -Aktualisiert am

In der pechschwarzen Finsternis benötigt „Hercules” starke Scheinwerfer Bild:

Wenn nur noch die Flugschreiber helfen können: Noch nie musste eine „Black Box“ aus 3500 Meter Wassertiefe geborgen werden. Welche Technik ist nötig, um das Rätsel des im Atlantik abgestürzten Airbus zu lösen?

          6 Min.

          Noch immer rätselt die Fachwelt über den Absturz des Airbus A-330-200 von Air France, der auf dem Nachtflug von Rio de Janeiro nach Paris etwa 1200 Kilometer nordöstlich des brasilianischen Festlands in den Atlantik stürzte. An Bord waren 228 Passagiere. Wurde zunächst angenommen, die Maschine sei in einem Gewitter vom Blitz getroffen worden, vermuten Fachleute heute, dass fehlerhafte Geschwindigkeitsdetektoren zum Absturz führten. Demnach wussten die Piloten nicht, wie schnell sie flogen.

          Aufschluss über die Unfallursache können nur die Flugschreiber geben. Die berühmte „Black Box“ besteht aus zwei Geräten - einem Stimmenrekorder, dem Cockpit Voice Recorder, und dem eigentlichen Flugdatenschreiber, dem Flight Data Recorder. Während der Stimmenrekorder die Kommunikation der Piloten aufzeichnet, speichert der Flugdatenschreiber alle wesentlichen Angaben wie Geschwindigkeit, Kurs, Flughöhe, Neigungswinkel, Stellung der Ruder und der Klappen sowie Daten der Triebwerke. Beide Geräte, so groß wie Handkoffer und leuchtendorange, sind meist im Heck eines Flugzeugs eingebaut, das bei Abstürzen weniger zerstört wird. Von einem Sicherheitsbehälter geschützt, können ihnen heftige Stöße, Feuer und Wassertiefen bis zu 6000 Meter nur wenig anhaben.

          „Der Flugschreiber könnte in einem Tal oder in einem Abgrund liegen“

          Jeder Flugschreiber ist mit einer Vorrichtung zum Auffinden ausgestattet, einem Underwater Location Beacon (ULB). Beim Kontakt mit Wasser setzt es automatisch akustische Signale ab - ein „Ping“-Ton mit einer Frequenz von 37,5 Kilohertz. Die Stromversorgung reicht ungefähr 30 Tage. Ein auf einem Schiff installierter Empfänger kann die für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbaren Signale aus bis zu 6000 Meter Wassertiefe empfangen.

          "AUV Abyss wird für einen programmierten Testlauf vorbereitet
          "AUV Abyss wird für einen programmierten Testlauf vorbereitet :

          Nach allem, was man zur Zeit weiß, liegen die Flugschreiber des französischen Airbus in 3500 Meter Wassertiefe. Noch nie wurde eine „Black Box“ aus dieser extremen Tiefe geborgen. Es ließe sich kaum ein ungünstigerer Ort aussuchen. Der Druck von 350 bar in dieser Wassertiefe und die pechschwarze Finsternis sind nicht das Problem. Der entscheidende Punkt ist, dass das Absturzgebiet über dem Mittelatlantischen Rücken liegt, dem längsten Gebirgszug der Erde, der den Atlantischen Ozean von Nord nach Süd durchzieht. „Dieses unterseeische Gebirge hat Täler, Abhänge, steile Wände, Gipfel und Abgründe mit einem Höhenunterschied von 3000 bis 4000 Meter“, erklärt Friedrich Abegg, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-Geomar). „Der Flugschreiber könnte in einem Tal oder in einem Abgrund liegen, so dass die Schallwellen einen Kegel bilden, an dem ein Schiff leicht vorbeifährt.“

          Ein Geduldsspiel

          Frankreich hat mit dem Jagd-U-Boot „Emeraude“ das bestmögliche Gerät für die Ortung der Flugschreiber in das Absturzgebiet entsandt. Das mit 68 Mann besetzte Boot von knapp 74 Meter Länge verfügt neben seinen Sonaren über hochempfindliche Horchgeräte. Um die Signale der Flugschreiber aufzuspüren, muss die „Emeraude“ Suchlinien in einem engmaschigen Gitternetz abfahren. Ein Geduldsspiel.

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