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Big Green Egg : Grillen mit dem grünen Monster

Das Big Green Egg hat eine große Klappe, die sich dank Federunterstützung leicht öffnen lässt. Zu oft sollte man das während des Betriebs nicht machen, weil dabei beträchtlich Wärme entweicht. Bild: Weber

Es wird noch einmal ein paar Tage sonnig, also ran an den Grill. Dieses Keramik-Ei liefert dem Freund ausgefallener Kochgeräte neue Erkenntnisse. Auch wenn es kein billiges Vergnügen ist.

          3 Min.

          Es gibt Tage, da wünscht man sich, lieber Kleingeräte zu testen. Bestellt war ein handliches Ei, auf dem man grillen kann. Und dann kommt da auf einer sichtlich beeindruckten hölzernen Palette ein grünes Monster. 128 Kilogramm, sagt der Spediteur, als er mit dem Hubstapler abzieht, und wünscht noch viel Spaß damit.

          Lukas Weber
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der beginnt nach dem Aufbau. Da allerlei Innereien und Zubehör mitgeliefert sind, bleiben für das abgespeckte Ei noch 70 Kilo übrig - das lässt sich zwar freudlos, aber doch mit zwei Mann heben. Ist das Big Green Egg erst einmal auf dem Gestell, kann man es auf vier Rollen (zwei feststellbar) um die Ecken zwirbeln wie einen Einkaufswagen - vorausgesetzt, der Boden ist eben. Das Gewicht ist eine Folge der beeindruckenden Materialstärke: Mehrere Zentimeter dichte Keramikmasse umgeben Glut und Grillgut.

          Das Heben kann sich erleichtern, wer ein kleineres Modell wählt; sechs Größen liefert der amerikanische Hersteller, von Mini (15 Kilo) bis zum Modell XXL (222 Kilo), das in Europa aber kaum angeboten wird. Die kleinen Exemplare sind freilich eher etwas für Alleinstehende, der Grillrost des Mini hat gerade einmal 25 Zentimeter Durchmesser. Unser Testgerät der Größe Large bietet in dieser Hinsicht immerhin 46 Zentimeter, also etwa so viel wie die üblichen Kugelgrills.

          Ein Blick in den Grill zeigt, ob das Fleisch fertig ist
          Ein Blick in den Grill zeigt, ob das Fleisch fertig ist : Bild: Weber

          Hat das Ei erst einmal seinen Platz gefunden, kann es nicht groß genug sein, um die Nachbarn zu beeindrucken. Denen erzählt der Besitzer dann etwas von einem 3000 Jahre alten Prinzip des Garens im geschlossenen Feuertopf aus Fernost namens Kamado, das die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg importiert und verfeinert haben. Big Green Egg gibt es seit 1974, das Unternehmen bezeichnet sich als das Original, alle anderen seien Nachahmer. Anfangs waren die Geräte aus Schamotte und zerbrechlich, aber mit dem Space Shuttle und den dafür entwickelten Materialien wurde das durch Keramik ersetzt. Die halte bis 1000 Grad Celsius aus, sei fast selbstreinigend und unempfindlich gegen Temperaturschwankungen, erklärt der Hersteller, der eine unbegrenzte Garantie darauf gibt, Bruchschäden ausgenommen.

          Vor allem isoliert die Keramik ausgezeichnet. Mit wenig Kohle wird deshalb ein Ergebnis erzielt wie mit dem Römertopf im Backofen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Grills mit Deckel spielt dabei ein kräftiger Regenguss keine Rolle. Weil kaum Kohle verbrennt, ist der Luftdurchsatz in der Kugel gering; auch nach stundenlangem Garen bei geringer Hitze trockne das Fleisch nicht aus, verspricht der Hersteller.

          Je nach Grillgut wird mehr oder weniger Hitze gebraucht
          Je nach Grillgut wird mehr oder weniger Hitze gebraucht : Bild: Weber

          Aber wir wollten ja grillen. Nach einer kurzen Beschäftigung mit dem Gerät können wir die meisten Versprechen bestätigen. Tief unten im Ei werden zwei Handvoll Kohle entzündet, Briketts soll man nicht verwenden. Oben auf den Deckel kommt ein Aufsatz, mit dem die Abluft gedrosselt wird, unten gibt es einen Schieberegler mit Gitter. Dann legt das Ding wie der Teufel los, ohne dass man das von außen mitbekäme. Nur an der Anzeige im Deckel lässt sich ablesen, wie die Temperatur beängstigend steigt. 400 Grad sind schnell erreicht und viel zu viel. Wir haben dann die Luftzufuhr verringert und noch ein wenig gewartet, bis die Kohlen durchgezogen sind. Außen auf der schmutz- und witterungsunempfindlichen, stets in Grün glasierten Oberfläche wird das Ei mit der Zeit heiß, so dass man es nicht mehr anfassen möchte, aber nicht so sehr, dass die Finger verbrennen.

          Schon beim ersten Versuch dämmert die Erkenntnis: Deutlich weniger Kohle hätte gereicht. Durch Aufsetzen der Keramikabdeckung lässt sich der Grill stoppen und der Rest wiederverwenden. Mit etwa drei Kilo haben wir zwei Grillabende bestritten. Zweitens kann der Koch mit etwas Übung die Temperatur überraschend feinfühlig justieren. Stundenlanges Garen bei 80 Grad ist so kein Problem - geradeso wie im Backofen, nur halt mit Holzkohlefeuer. Offen soll man das Big Green Egg nicht betreiben, wir haben es deshalb erst gar nicht versucht. Irgendwie ist das schade.

          Zum lebenslangen Gebrauch kommt jahrelanges Lernen, der Experimentierfreude ist keine Grenze gesetzt. Das Big Green Egg kann nicht nur grillen und garen, sondern auch räuchern, kochen oder Brot und Pizza backen. Dazu braucht es aber Zubehör, etwa die Koch- oder Pizzaplatte aus der endlosen Aufpreisliste. Die hat es in sich, denn die schönen Sachen sind arg teuer. Zum Beispiel der Grillrost aus Gusseisen statt des serienmäßigen aus Edelstahl für 100 Euro, der Muster ins Steak brennt - es gibt auch einen, der nur die Hälfte der Fläche abdeckt, aber trotzdem 90 Euro kostet. Oder ein schlichter Tisch aus Zedernholz, in den das Ei gebettet wird (800 Euro). Überhaupt, die Preise: Unser Modell in der Familiengröße kostet betriebsbereit rund 1400 Euro, das größte ist nicht unter 5000 Euro zu bekommen.

          Wer so viel Geld für einen Grill hingelegt hat, der eigentlich mehr ein kohlebefeuerter Backofen ist, gibt ihn nicht gern wieder her. Jedenfalls ist es uns nicht gelungen, einen gebrauchten zu finden. In Amerika ist die Fangemeinde groß, sie trifft sich demnächst wieder in Atlanta zum alljährlichen „Eggtoberfest“. Wir finden, dass man zum schrecklichen Preis ein exklusives Gerät bekommt - und erfreuen uns jetzt wieder am Anblick der Glut im eigenen, offenen und bezahlbaren Gartengrillkamin.

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