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Besuch beim Imker : Kein Honig der Welt wird kalt geschleudert

  • -Aktualisiert am

Fleißige Bienen: Jeder Deutsche verspeist im Jahr 1,1 Kilo Honig Bild: Peter Thomas

Deutsche Imker füllen jährlich rund 25.000 Tonnen Honig ab. Ob Wabenrähmchen, Stockmeißel und Schleuder - zur Honigproduktion gehört deutlich mehr als Bienchen und Blümchen. Ein Sommerbesuch beim Imker zeigt, wie es heute geht und wie man's früher machte.

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          Es summt und brummt und schwirrt und schwärmt, wenn die Mitarbeiterinnen von Georg Passet unterwegs sind. Jetzt im Sommer zählen die 52 Bienenvölker des Imkers einige Millionen Insekten der Art Apis Mellifera (Westliche Honigbiene). Sie machen aus Nektar, Honigtau und Pollen jene Delikatesse, die der Imker erntet und von der Wabe ins Glas bringt. Zuerst müssen dazu die Waben aus dem Stock entnommen werden. Das geschieht am Standort der Bienenvölker. Geschleudert, gesiebt und abgefüllt wird die Ernte dann zu Hause in der Werkstatt des Imkers, dem Honigraum.

          Ein heißer Sommernachmittag, Passet hat einen Bienenstand im Hessischen Ried angefahren. Seine Völker stellt der Groß-Gerauer vor allem im Rhein-Main-Gebiet auf. Manchmal reist er mit den Bienen aber bis in den Bayerischen Wald, in die Heide bei Magdeburg oder nach Rheinhessen. Der Imker hält seine Bienen in sogenannten Magazinbeuten. Das sind Kästen, die eine Reihe von einzelnen Holzrahmen aufnehmen, in denen jeweils eine Wabe Platz findet. Mit dem sogenannten Stockmeißel löst Passet die von Wachs verklebten Holzrahmen aus ihrer Halterung und nimmt sie aus dem Kasten. Wenn die Zellen bebrütet sind oder der Honig unreif ist, kommen die Waben zurück in den Stock.

          Innovationen aus dem 19. Jahrhundert

          Ob der Honig reif ist, verraten die Bienen selbst, denn die Schwarminsekten entziehen ihren süßen Vorräten so lange Feuchtigkeit, bis der Wassergehalt weniger als 20 Prozent beträgt. Dann verschließen die Arbeiterinnen die Zellen mit einer wasserdichten Wachsschicht. Ist eine Wabe zum Großteil verdeckelt, kann der Imker ernten. An die Stelle der entnommenen Waben kommen dann frische Rähmchen, die mit einer Wachsplatte bestückt sind. Auf dieser Mittelwand, die bereits das sechseckige Wabenmuster trägt, bauen die Bienen neue Waben auf.

          Weg mit dem Wachs: Entdecklungsgabel im Einsatz

          Standardisierte Magazinbeuten mit ihren Rahmen und die vorfabrizierten Mittelwände aus Wachs sind - ebenso wie die Honigschleuder - Kennzeichen der modernen Imkerei. Die meisten dieser Innovationen stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und haben sich bis 1900 durchgesetzt, erläutert Klaus Kreyelkamp, Ehrenvorsitzender des Imkervereins Gescher-Stadtlohn-Velen und Umgebung. Kreyelkamp hat die Ausstellung im Westfälisch-Niederländischen Imkereimuseum Gescher mit aufgebaut, deren Thema auch die Technikgeschichte der Honiggewinnung ist.

          Schleudern statt Pressen

          „Wabenrähmchen und Mittelwandplatten waren die Voraussetzung für den Einsatz von Honigschleudern“, sagt Kreyelkamp und macht die Abfolge der technischen Entwicklung im 19. Jahrhundert deutlich. Die Einführung dieser Werkzeuge bedeutete eine Revolution für die Imkerei. Denn davor wurden die im Naturbau entstandenen Waben komplett aus den hölzernen Klotzbeuten oder Bienenkörben entnommen und der Honig ausgepresst. Solche Honigpressen betrieben die Imker entweder mit Hebelkraft über einen hölzernen Balken (vergleichbar der Baumkelter der Winzer), oder sie setzten eine Presse mit hölzerner Spindel ein.

          Die 1865 von dem italienischen Offizier Franz von Hruschka erfundene Honigschleuder arbeitet dagegen mit Zentrifugalkraft: Die Rahmen werden darin durch Rotation einer Fliehkraft ausgesetzt, die den Honig aus den Zellen fließen lässt. Heute sind Schleudern mit Motorantrieb üblich, im Museum von Gescher stehen aber noch verschiedene alte Exemplare mit Handantrieb. Die mit einer Kurbel erzeugte Kraft wurde über Zahnradgetriebe oder Reibräder auf die Mechanik der Schleuder übertragen.

          Der Honig muss warm sein

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