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Bauwerksdatenmodellierung : Grüne Brücke am grünen Tisch

  • -Aktualisiert am

Computermodell aus der Schalungstechnik Bild: Hersteller

Mit einer neuen Methode lassen sich die Daten aller Arbeitsschritte im Bauwesen zusammenfassen und die Bauwerke anschaulich visualisieren. Ohne dass ein Stein bewegt werden muss.

          Nahezu jeder Bauherr kennt es: Trotz intensiver Planung und langwierigen Abstimmungsgesprächen des Architekten mit Rohbauer, Zimmermann, Dachdecker und dem Heizungsinstallateur geht manches schief. Bestellte und bereits gefertigte Fenster stellen sich als zu klein, weil zu niedrig, heraus. Und die eingeplanten Fertigteiltreppen sind viel zu sperrig, als dass sie durch Tür- und Fensteröffnungen zum angepeilten Termin in das Gebäude bugsiert werden könnten.

          Der Ärger ist garantiert und riesengroß. Lange wird diskutiert, wie die Fehler passieren konnten und wer die anfallenden Zusatzkosten zu übernehmen habe. Von dem Ausbaldowern der technischen Lösungen, mit denen man letztlich die Fensteröffnungen dicht und die Treppen doch noch ins Haus bekommt, ganz zu schweigen.

          Das muss künftig so nicht mehr passieren. Denn mit der unter der Überschrift „Building Information Modelling“ (kurz BIM, Bauwerksdatenmodellierung) firmierenden Methode lassen sich die Daten aller Arbeitsschritte von der Planung bis zur Bauausführung in einem virtuellen Computermodell zusammenfassen – und die Bauwerke anschaulich visualisieren –, ohne dass ein Stein bewegt werden muss. Heute lässt man zwar fast alle großen Infrastrukturvorhaben wie Brücken, Schleusen, Abwasserkanäle und Bahnhöfe erst einmal im Rechner entstehen, lange bevor Bagger die Baugrube ausheben. Ab 2020 muss diese Methode einsetzen, wer an Infrastrukturausschreibungen der öffentlichen Hand teilnehmen will.

          Heute lässt man fast alle großen Infrastrukturvorhaben erst einmal im Rechner entstehen.

          Doch beim Bau von kleineren Objekten wie Ein- und Zweifamilienhäusern, ist der Einsatz (teurer) BIM-Verfahren noch die Ausnahme. Das soll sich ändern, indem offene Standards erarbeitet und eingeführt werden, die den modellbasierten Datenaustausch im Bauwesen ermöglichen. Keineswegs vollkommen neu ist der Einsatz rechnergestützter Planungssoftware für den Anbieter von Schalungs- und Gerüstlösungen Peri aus Weißenhorn bei Ulm, der an mehreren Standorten im In- und Ausland rund 8700 Mitarbeiter beschäftigt.

          Doch die virtuelle Planung der Schalung für eine sogenannte Grünbrücke war bisher noch nicht dabei. Die entsteht momentan in den Rechnern des Unternehmens für eine Brücke im Zuge des Baus der Umgehungsstraße B83n von Bad Karlshafen nach Beverungen – und wird den Wirtschaftsweg „Schiewe Halbe“ überspannen. Mit einer Länge von rund 23 Metern und einer Breite von etwa 28 Metern kommt das Bauwerk recht unförmig daher, sind Brücken doch in der Regel eher schlank und lang. Durch die eher ungewöhnlichen Dimensionen werden beidseitig der Fahrbahn zwei Meter hohe „Irritationsschutzwände“ abgetrennt und Pflanz- und Pflegestreifen angelegt. Sie sollen das Zerschneiden von Tierlebensräumen verringern. Ob überhaupt und wenn ja welche Tiere hier einmal queren, lässt sich schwer voraussagen. Konkrete Prognosen gibt es dazu nicht.

          Recht eindeutig und klar fallen dagegen die Aussagen von Jochen Köhler aus, der für Peri alle BIM-Aktivitäten koordiniert. Dank der mit der Rechnersimulation möglichen geometrisch visualisierten Darstellung der Brückenschalung lässt sich ein perfekter Überblick gewinnen. Teile- und Stücklisten zu erstellen sei so keine übermäßige Herausforderung. Jedes Schalungsteil kann einer „Kollisionsprüfung“ unterzogen werden, was so viel heißt, dass ein reibungsfreier Zusammenbau der unzähligen Streben und Platten möglich ist, aus denen sich das Gesamtsystem zusammensetzt.

          Tritt trotz aller Vorsorge dennoch eine Frage auf, markiert der den Aufbau kontrollierende Mitarbeiter das betroffene Bauteil in der virtuellen Schalungskonstruktion, die er im Notebook stets dabeihat.

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