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Bauen mit Bambus : Außen hart, innen hohl und dabei höchst flexibel

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Ein Tragwerk dieser Art wird, mit Kunststoffmembran bezogen, zu einer Kuppel Bild:

Bambus verbindet extreme Härte sowie große Druck- und Zugfestigkeit mit hoher Elastizität und geringem Gewicht.

          3 Min.

          Bambus als Baustoff ist in Deutschland kaum bekannt. In Thailand, Kolumbien oder Indonesien wurden dagegen über Jahrhunderte hinweg Häuser, Paläste, ja ganze Städte aus Bambus errichtet. Bambuspflanzen - botanisch gesehen eigentlich riesige Grashalme - wachsen vor allem in den tropischen Gefilden um den Äquator. Längst haben sich jedoch auch in diesen Gegenden moderne Standardmaterialien wie Stahl und Beton durchgesetzt. Dadurch wurde der Bambus in seinen Herkunftsländern nach und nach zu einem "Baustoff der Armen" degradiert.

          Dabei ist Bambus geradezu ein Musterbeispiel für Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit: Durch sein extrem schnelles Wachstum bindet er riesige Mengen an Kohlendioxyd und produziert mehr Sauerstoff als die meisten anderen Pflanzen. Das weitverzweigte Wurzelwerk des Bambus verhindert zudem das Fortschreiten der Bodenerosion, ein großes Problem vieler Tropenländer. Dazu kommen verblüffende Materialeigenschaften: Bambus verbindet extreme Härte sowie große Druck- und Zugfestigkeit mit hoher Elastizität und geringem Gewicht. Diese Eigenschaften resultieren direkt aus dem Wuchs der Pflanze: Die härtesten Schichten der Bambusstäbe liegen ganz außen, also da, wo sie für die Stabilität des Rohres am wichtigsten sind. Normales Stammholz dagegen ist innen hart und außen weich. Durch seine charakteristischen Knoten wird der Bambus in einzelne Abschnitte unterteilt - die Rohre erhalten dadurch eine zusätzliche Aussteifung. Der hohe Silikatgehalt der äußeren Schichten des Bambus sorgt dafür, daß die Rohre nur schwer entflammbar sind.

          Diese Vorzüge machen den tropischen Baustoff auch für deutsche Architekten und Ingenieure interessant. Als eines der ersten größeren Bauprojekte aus Bambus wurde auf der Expo 2000 in Hannover ein Pavillon mit einem Durchmesser von 40 Metern errichtet. Dabei zeigte sich, daß das Bauen mit dem exotischen Material in Deutschland nicht ohne Tücken ist: Weil die Stabilität der traditionellen, in den Herkunftsländern üblichen Steck-, Schraub- oder Bindeverbindungen durch die Rechenmodelle hiesiger Statiker nicht nachgewiesen werden können, waren für die baurechtliche Genehmigung des Expo-Pavillons Belastungstests an einem Prototyp erforderlich.

          Verbindungselement: Der von Evelin Rottke und Christoph Tönges entwickelte konische Stabanschluß sieht gut aus und ist stabil
          Verbindungselement: Der von Evelin Rottke und Christoph Tönges entwickelte konische Stabanschluß sieht gut aus und ist stabil :

          Dem Ziel, die Eigenschaften des Bambus besser nutzen zu können, hat sich auch ein Forschungsteam an der technischen Hochschule Aachen verschrieben. Seit dem Jahr 2000 wird dort am Lehrstuhl für Tragkonstruktionen mit Bambus geforscht und experimentiert. Vor allem das Problem, wie man die einzelnen Stäbe verbinden kann, beschäftigte dabei Wissenschaftler und Studenten. Evelin Rottke und Christoph Tönges entwickelten schließlich innerhalb von drei Jahren den sogenannten "konischen Stabanschluß", eine gleichermaßen technisch wie ästhetisch überzeugende Lösung. Die Stabilität dieser Verbindungstechnik hat Tönges durch umfangreiche Berechnungen und Tests nachgewiesen. Bambusrohre können damit erstmals auf sichere und - vor allem - statisch kalkulierbare Weise miteinander und mit anderen Konstruktionsteilen verbunden werden. Aus dem Low-Tech-Material wird so ein innovativer und vielseitiger Baustoff, ideal geeignet für den natürlichen Leichtbau.

          Inzwischen vertreibt Christoph Tönges seine Produkte unter dem Firmennamen Conbam. Chancen für den kommerziellen Einsatz seiner Verbindungstechnik sieht er vor allem in der Kombination von Stabtragwerken aus Bambus mit Membranoberflächen. "Bambus ist ein phantastisches Baumaterial", schwärmt Tönges, "das hervorragende Materialeigenschaften mit einem hohen optischen Reiz verbindet." Als Beispiel für diese These präsentierte er auf der Bundesgartenschau in München eine elegante, schattenspendende Konstruktion aus Bambusstützen und Sonnensegeln. Auch beim Bau eines kleinen Bürogebäudes in der Darmstädter Innenstadt kommt Tönges' Entwicklung zum Einsatz: Die 33 Bambusstäbe, auf denen die Dachkonstruktion ruht, werden durch die neue Technik mit den anderen Bauteilen verbunden. Auch größere Bauten sind so machbar: Die Kombination der Conbam-Technologie mit räumlichen Verbindungsknoten - wie sie aus dem Stahlbau von den sogenannten Mero-Systemen bekannt sind - ermöglicht Kuppelkonstruktionen, die wiederum mit Membranen zu geschlossenen Hallenräumen überspannt werden können.

          Bambus also als ein neues Allround-Material auf dem deutschen Baumarkt? Noch nicht, meint Christoph Tönges. Die hohen Transportkosten relativieren den Vorteil des niedrigen Einkaufspreises; die besonderen Qualitäten des Materials kommen nur bei bestimmten Aufgaben voll zum Tragen. Das große Interesse an den Conbam-Produkten zeige jedoch, daß sich Bambus als Baustoff in einer Marktnische durchaus behaupten könne. Ein weiteres wichtiges Ziel ist für Tönges, den Bambus auch in seinen Herkunftsländern als nachwachsenden und so die Ressourcen schonenden Baustoff zu rehabilitieren. Eine Ausstellung im Goethe-Institut in Bangkok und die Teilnahme am Euro Builders Project in Bangladesch sind erste Schritte auf dem Weg, dem traditionellen Baustoff durch eine moderne Verarbeitungstechnik neue Geltung zu verschaffen.

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