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Flachs im Yachtbau : Flower Power

Hängt von der Perspektive ab: Wie ökologisch ist eine solche Yacht? Bild: Werft

Noch ist Öko im Yachtbau ein zartes Pflänzchen. Die renommierte Baltic-Werft aus Finnland verwendet jetzt Flachs und setzt auf Wasserkraft zur Stromerzeugung.

          1 Min.

          Die Begriffe Superyacht und Nachhaltigkeit sind nur schwer in Einklang zu bringen. Bau und Betrieb privater Luxusschiffe gelten nicht gerade als Segen für die Umwelt. Vielen Eignern, speziell denen von großen Motoryachten, scheint das ziemlich egal zu sein. Doch es tut sich etwas, und es geht nicht mehr nur um das Hinzufügen einiger grün angehauchter Spielereien, sondern um grundsätzliche Überlegungen. Immer vernehmbarer wird in der Branche darüber diskutiert, dass es nicht weitergehen könne wie bisher.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Konstrukteure, Werften, Zulieferer, Broker eruieren zunehmend, welche Möglichkeiten der Energieeinsparung und -erzeugung, der Wahl alternativer Baumaterialien sich bieten, damit Yachten ihre Auswirkungen auf die Umwelt verringern. Manchmal geschieht das auf Druck potenter Auftraggeber, die sich eine Mission gegeben haben: Ein einziges ambitioniertes, Hunderte Millionen teures Projekt kann die ganze Branche einen Schritt voranbringen.

          Die finnische Baltic-Werft hat soeben eine gut 20 Meter lange Segelyacht aus ihrer Produktionshalle in Pietarsaari manövriert und mit dem Kran in den Bottnischen Meerbusen gehievt, die mit dem Anspruch gesteigerter Nachhaltigkeit hergestellt wurde. Die Finnen sind als Meister des Kohlefaser-Leichtbaus weltbekannt, ihre Baltic 68 mit dem auffallenden Merkmal eines negativen (einwärts geneigten) Vorstevens ist als sparsam möblierter Weekender konzipiert: unter Deck nur ein Salon und zwei Kabinen, beide Enden weitgehend leer, dafür eine zwar PS-starke, aber unkompliziert zu handhabende Segelgarderobe, wie es sich für einen Wochenendrenner geziemt. Die vollständige Modellbezeichnung Baltic 68 Café Racer erinnert an die aufgemotzten Motorräder rebellischer junger Männer in den Sechzigerjahren – Vor-Öko-Zeit, aber Flower Power.

          Von Öko-Ambitionen des segelnden Café Racers kündet vor allem die Bauweise von Rumpf und Deck. Für deren Verbundwerkstoff wurde außer den üblichen Fasermaterialien auch das Naturmaterial Flachs verwendet. Der Anteil der Flachsfasern am Laminat soll etwa 50 Prozent betragen.

          Statt mit Teakholz wird das Deck mit Kork belegt, und zwar mit solchem aus „nachhaltigem Anbau“, wie die Werft hervorhebt. Sonnenkollektoren auf dem Kajütdach sollen Energie für den Betrieb der Bordsysteme liefern. Die beiden als Hilfsantrieb installierten 15-kW-Elektromotoren können während des Segelns als Generatoren zum Laden der Lithium-Batteriebänke genutzt werden, angetrieben durch die unter Wasser mitlaufenden Propeller. Als Reichweitenverlängerer ist kein Dieselmotor vorgesehen, sondern ein Aggregat, das mit Biokraftstoffen oder Wasserstoff betrieben wird.

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