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Radio Times : Als das Autoradio noch analog war

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Spätestens in den Dreißigerjahren kam das Radio ins Auto: Hier ein Blaupunkt AS-5 in einem Mercedes-Benz 290 Bild: Archiv Dieter Günther

Wir Autofahrer von heute sind verwöhnt, für uns ist ein Radio im Armaturenbrett oder in der Mittelkonsole unserer Fahrzeuge eine Selbstverständlichkeit. Das war nicht immer so.

          Die Geburtsstunde des Automobils schlug 1885, der Grundstein zur Entwicklung von Autoradios wurde nur zwei Jahre danach gelegt: Der Wissenschaftler Heinrich Hertz wies 1887 elektromagnetische Wellen nach und erzeugte sie im Experiment. Auch Radio- oder Funkwellen genannt, wurden so die Voraussetzungen geschaffen, erstmals Signale, Töne, Sprache oder Musik statt über Leitungen drahtlos zu übertragen, beim Empfänger mittels Detektoren oder Radioröhren zu verstärken und über Kopfhörer beziehungsweise Lautsprecher hörbar zu machen.

          Damit war die Tür zur Verbreitung audiovisueller Massenmedien wie Hörfunk oder Fernsehen aufgestoßen. Zunächst allerdings standen die kommerzielle und militärische Nutzung im Vordergrund, Unterhaltungsprogramme rückten erst nach und nach in den Fokus. So strahlte der Sender Königs Wusterhausen bei Berlin am 22. Dezember 1920 ein Weihnachtskonzert aus – und leitete damit die Geschichte des öffentlichen Rundfunks in Deutschland ein.

          Die ersten Modelle waren teure Ladenhüter

          Aber hier und jetzt geht es um analoge Radioempfänger, die stationär in Kraftfahrzeugen verbaut sind. Kurz: Es geht um Autoradios (abgeleitet vom Lateinischen radius, Strahl). Bis Autos und Radios zusammenfanden, ehe Schwierigkeiten wie hoher Energieverbrauch, eine geringe Reichweite des Senders oder eine unzureichende Verstärkung der übermittelten Signale beim Empfänger behoben waren, dauerte es eine ganze Weile. Zwar sorgten vor allem in Amerika Entrepreneure, Erfinder und Tüftler immer wieder für Schlagzeilen, indem sie schwere, klobig-vielteilige Radioanlagen in Autos packten und mit waghalsigen Antennenkonstruktionen bestückten - wie Alfred H. Grebe oder George Frost, der sich an einem Ford T-Modell austobte.

          Schön war die Zeit: Werbung fürs Autoradio aus den Fünfzigern Bilderstrecke

          Aber alle diese Versuche blieben Stückwerk, ebenso wie sich das auf der Olympia Motor Show in London 1922 gezeigte, in einer Daimler Light Limousine verbaute Marconiphone-Radio wegen seines hohen Preises kaum verkaufte. Als Ladenhüter sollte sich auch das Transitone der 1927 gegründeten, amerikanischen Automobile Radio Corporation (ARC) erweisen, das heute als das früheste industriell produzierte Autoradio gilt.

          Erst nach der 1930 erfolgten Übernahme von ARC durch Philco – das in Philadelphia ansässige Unternehmen war damals der weltgrößte Radiohersteller – kletterten die Verkaufszahlen dieses Mittelwellenempfängers allmählich nach oben. Der Durchbruch aber gelang Delco, als es dem zum General-Motors-Imperium gehörenden Unternehmen 1936 gelang, ein Autoradio im Armaturenbrett unterzubringen. Es löste einen Boom aus: Durch die Massenfertigung sanken die Preise drastisch, und so gehörte es in den Vereinigten Staaten von Amerika schon bald buchstäblich zum guten Ton, auch im Auto Nachrichten zu empfangen oder sich von Musik berieseln zu lassen.

          Wir in der alten Welt hinkten dieser Entwicklung hinterher. Das erste in Serie gefertigte Autoradio Europas feierte mit dem Blaupunkt AS-5 auf der Berliner Funkausstellung von 1932 seinen Einstand – als hochverstärkter Mittel- und Langwellenempfänger der (kurz und bündig nur „Super“ genannten) Superheterodyne-Bauweise. Samt eigener Batterie satte 15 Kilo schwer und umständlich zu bedienen, kostete die Anlage ein kleines Vermögen: Als ein Arbeiter durchschnittlich 164 Reichsmark im Monat verdiente, verlangte Blaupunkt für ein AS-5 465 Reichsmark. Kein Wunder also, dass davon nur 400 Stück entstanden. Immerhin waren spätere Ausführungen des AS-5 handlicher, praxisfreundlicher und preiswerter.

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