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Automatische Parksysteme : „Valet parking“: Wenn der Geist einparkt

  • -Aktualisiert am

Parken in übergroßen Kellerregalen Bild: Hersteller

Autoschlüssel abgeben und parken lassen, das ist purer Luxus in überfüllten Innenstädten. Im Münchner Stadtteil Neuhausen übernimmt für die Anwohner ein automatisches Parksystem die lästige Parkplatzsuche.

          So schön Autofahren auch sein mag - das Parken ist nicht seine schönste Seite, egal, ob Parklücke oder Parkhaus. Speziell im Parkhaus gibt es Stress: Enge Auffahrspindeln nerven ebenso wie das Fehlen von Hinweisen darauf, wo wirklich noch ein freier Platz ist; die Stellflächen sind meist knapp bemessen und werden durch nachlässig plazierte Nachbarfahrzeuge noch schmaler, Betonpfeiler bedrohen Lack und Blech, und generell stört das düstere Ambiente vieler solcher Lokalitäten, denen bisher nur eine Minderheit heller und ansprechender Parkhäuser gegenübersteht.

          Wie angenehm wäre dagegen das, was man in Amerika „valet parking“ nennt: Vor dem Restaurant übergibt man seinen Wagen einem dienstbaren Geist, der ihn zum Parkplatz schafft und nach Ende des Mahls wieder herbeizaubert. Wenn man sich den freundlichen Helfer nun durch elektronisch gesteuerte Fördertechnik ersetzt denkt, hat man das Parkhaus der Zukunft vor Augen, das schon ein Parkhaus der Gegenwart ist. Zum Beispiel in München.

          Stressfreies Parken

          Hier ging es um die Donnersbergerstraße im Stadtteil Neuhausen, die - immerhin 30 Meter breit - seitlich und auf dem Mittelstreifen permanent zugeparkt war, in erster Linie von den Anliegern dieses dichtbesiedelten Viertels. Der Stadt München standen hier aus Ablösebeträgen Mittel für eine Quartiersgarage zur Verfügung, doch für ein Parkhaus oder eine übliche Tiefgarage gab es keinen Raum. Die Lösung: ein platzsparendes Parksystem unter der Straßenoberfläche.

          Ab in den Keller: Nur die Abgabestationen sind oberirdisch

          Den Zuschlag für das städtische Pilotprojekt erhielt der in Deutschland nach der Breite seines Programms führende Hersteller, die WAP Wöhr Automatikparksysteme in Friolzheim unweit von Stuttgart. Seine Anlage - Baukosten 11,35 Millionen Euro - ist seit Mitte des Jahres in Betrieb. Die Mieter, ganz überwiegend Anwohner der Donnersbergerstraße, genießen seither für etwa 70 Euro je Monat stressfreien Parkkomfort.

          Laser und Lichtschranken

          Sie fahren ihre Autos in eine von vier verglasten und überdachten Übergabestationen, lassen sich dort mit einer Transponderkarte identifizieren, stellen das Fahrzeug auf einer Palette ab, bestätigen am Bedienpult den Parkvorgang und gehen ihrer Wege. Den Rest besorgt die Technik. Sie bedient die bauliche Infrastruktur unter Tage: Hier entstanden auf 121 Meter Länge, 12 Meter Breite und knapp 9 Meter Tiefe zwei Multiparker genannte autarke Einheiten, in denen die Paletten auf vier Ebenen in zwei Reihen abgestellt werden können und die 150 und 134, zusammen also 284 Stellplätze enthalten. Jede von ihnen ist in zwei Arbeitsbereiche aufgeteilt, zu denen je eine Übergabestation, ein Vertikalförderer und ein Regalbediengerät gehören.

          Sobald der Mieter sein Auto auf der Palette abgestellt hat - dabei unterstützen ihn Lichtanzeigen -, werden Position und Abmessungen des Wagens mit Laser und Lichtschranken überprüft. Ist alles in Ordnung, schließen sich die Tore der Übergabekabine. Der Vertikalförderer fährt ins erste Untergeschoß und übergibt dort die beladene Palette an das Regalbediengerät. Im Austausch bekommt er eine leere Palette, mit der er wieder zur Übergabestation fährt. Das Regalbediengerät befördert das Auto nebst Palette auf den vorgesehenen Stellplatz.

          Auch Vans und Geländewagen

          Zum Abholen des Fahrzeugs ordert es der Fahrer ebenfalls mit dem Transponderchip (am schnellsten geht es in derselben Übergabestation wie beim Abstellen) und wartet, bis die Fördertechnik es auf der Palette in die Kabine gebracht hat. Ihre beiden Tore öffnen sich, nach dem Einsteigen kann ebenerdig und vorwärts ausgefahren werden. Die Zugriffszeiten betragen im Mittel 137 Sekunden (maximal sind es 195, aber das kommt nur selten vor), in der Gesamtanlage sind etwa 100 Parkvorgänge je Stunde möglich.

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