https://www.faz.net/-gy9-7l951

Auswirkungen von Frost : Auf Eis gelegt

Schockgefrohren: Was ein Wasserrohrbruch alles anrichten kann Bild: actionpress

Verglichen mit anderen Lebewesen, ist der Mensch arg empfindlich. Wird die Wohlfühltemperatur von 20 bis 25 Grad Celsius nur wenig verfehlt, kommt er ohne technische Hilfsmittel nicht mehr aus.

          Verglichen mit anderen Lebewesen, ist der Mensch arg empfindlich. Wird die Wohlfühltemperatur von 20 bis 25 Grad Celsius nur wenig verfehlt, kommt er ohne technische Hilfsmittel nicht mehr aus. Wenn dann die Temperaturen tief unter den Nullpunkt sinken und der Sturm zusätzlich auskühlt, wie es in der vergangenen Woche in Amerika der Fall war und in ordentlichen Wintern auch hierzulande vorkommen kann, leidet die Technik mit ihm.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Probleme im Alltag bereitet dabei vor allem die Luftfeuchtigkeit, weil das Wasser gefriert. Das ist der Grund, warum das Schloss nicht mehr geht. Salz setzt den Gefrierpunkt herab, ist aber in Schlössern wegen der rostfördernden Wirkung nicht zu empfehlen. Leichtes Ölen vor dem Kälteeinbruch trennt das Metall von der Feuchtigkeit. Wer keinen Enteiser in der Tasche hat, kann als letztes Mittel versuchen, den Schlüssel mit einem Feuerzeug aufzuheizen; mit den bloßen Fingern lässt er sich dann freilich nicht mehr anfassen. Für Auftausalz in Form von Natriumchlorid ist auf der Straße bei etwa minus 10 Grad Schluss. Dann versagt auch der Sommerdiesel, der eine wachsartige Konsistenz annimmt und den Filter zusetzt - das Auto springt nicht mehr an, weil es keinen Treibstoff bekommt.

          Abhilfe schafft Wärme, die durch beheizbare Filter oder einen Radiator zugeführt wird, sonst bleibt nur Abschleppen oder das Warten auf den Frühling. Der Winterdiesel hält immerhin dank einiger Zusätze mindestens bis minus 20 Grad durch, allerdings nicht immer, wie der ADAC festgestellt hat. Solche Zusätze kann man auch im Handel kaufen und zuschütten. Benzin beizugeben, wie in Zeiten vor der Direkteinspritzung üblich, ist eine zuverlässige Methode, moderne Motoren zu schlachten. Das Benzin bleibt immerhin bis etwa minus 45 Grad flüssig. Dann sind auch die Ölfüllungen zäh wie Honig. In Nordeuropa verbreitet sind elektrische Heizelemente, die in den Kühlkreislauf eingebaut werden. Das schont den Motor, und die Heizung bläst schneller warm. Auf den Parkplätzen gibt es dort oft Steckdosen, die Autos dürfen daran angeschlossen werden.

          Motoren werden erst gar nicht ausgemacht

          In den Weiten Alaskas hilft man sich mangels Stromanschluss mit einer rustikaleren Methode: Dort werden bei extremen Temperaturen die Motoren erst gar nicht ausgemacht. Das hat zugleich den Vorteil, dass die Stromversorgung der Fahrzeuge nicht zusammenbricht. Denn Batterien und Akkus verlieren mit zunehmender Kälte drastisch an Leistungsfähigkeit. Je geringer die Säuredichte, desto größer die Gefahr des Zellensterbens. Schwach geladene Starterbatterien können schon bei mäßigen Minusgraden einfrieren; dann sind sie reif für den Schrott. Den modernen Stromspeichern der Elektroautos bekommt die Kälte nicht besser. Weil sie zugleich für warme Füße sorgen sollen, muss der Besitzer, wie aktuelle Tests zeigen, im Winter mit einer etwa halbierten Reichweite rechnen. Auch für elektronisches Gerät hat das Konsequenzen: Wer sein Handy im Frost liegen lässt, statt es am Leibe zu tragen, riskiert die Verbindung.

          Ein Feind der Kälte ist der Alkohol. Freilich weniger für die innere Anwendung, wo er ein Wärmegefühl nur vorgaukelt. In der Technik hilft er, das Einfrieren von Flüssigkeiten zu verhindern, zum Beispiel im Scheibenwaschwasser. Reines Ethanol bleibt bei normalen Druckverhältnissen bis minus 114 Grad Celsius dünnflüssig. Die Getränkekiste im Kofferraum oder in der Gartenlaube ist trotzdem nicht sicher: Bier hält nur etwa bis minus 3 Grad durch, Wein bis minus 5. Schnaps mit 40 Volumenprozent schafft gerade mal die Temperatur von knapp 20 Minusgraden in der Tiefkühltruhe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.