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Ausstellung zur Armbrust : Die Hightech-Waffe des Mittelalters

  • -Aktualisiert am

Eine Armbrust war im Mittelalter schwer zu fertigen und teuer. Bild: Museum

Mit der Ausstellung „Die Armbrust – Schrecken und Schönheit“ rückt das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin eine Waffe ins Rampenlicht, die seit fast 500 Jahren mehr Kunstobjekt denn Seelenräuber ist.

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          Nimm die Armbrust, du hast sie gleich zur Hand – und mach dich fertig, einen Apfel von des Knaben Kopf zu schießen.“ Friedrich Schiller machte den Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell 1804 in seinem letzten Drama zum berühmtesten Armbrustschützen der Welt. Etwas weiter heißt es bei Schiller: „Alle geben Zeichen des Schreckens.“ Der Schrecken ist eine der beiden Säulen, auf denen die Berliner Ausstellung baut, die zweite ist die Schönheit: „Armbruste waren schrecklich in ihrer Durchschlagskraft, aber auch besondere Repräsentationsobjekte mit schöner Dekoration“, stellen die Ausstellungsmacher gleich zu Beginn klar. Die DHM-Ausstellung ist weit mehr als eine Waffenschau, ist weder gewaltverherrlichend noch militaristisch. Sie nimmt ihre Besucher vielmehr mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit und macht anschaulich, wie technische Entwicklung und kultureller Wandel einhergehen. 240 Objekte des 15. bis 20. Jahrhunderts werden gezeigt.

          Die ab dem 14. Jahrhundert aufkommenden Feuerwaffen lösten die Armbrust als Kriegswaffe spätestens im 16. Jahrhundert ab. Aber die alte Fernwaffe wurde weiter verwendet: Denn der Adel wollte jagen, und dafür brauchte man lautlose, präzise und einfach zu bedienende Distanzwaffen. Deshalb stand die Armbrust bei den Adeligen, die das alleinige Jagdrecht innehatten, weiter hoch im Kurs – auch als Statussymbol. Fürsten beschäftigten eigene Armbrustmacher, deren hochwertige Produkte auch als Geschenke weitergegeben wurden. „Es haben sich aufwendig dekorierte Waffen erhalten. Manche werden zu Trägern komplexer religiöser oder humanistischer Bildprogramme der Renaissance und des Barock, was einen Ausstellungsschwerpunkt bildet“, sagt Sven Lüken, Leiter der Waffensammlung des Deutschen Historischen Museums und Kurator der Ausstellung. Erstmals nehme sich eine Armbrust-Ausstellung auch den Raum, die Symbolik der Exponate zu erläutern, sie als kunsthistorische Objekte zu betrachten. „Armbruste werden mit den Augen einer Kunsthistorikerin untersucht, die deren Bildprogramme entschlüsseln konnte“, erklärt Lüken.

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