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Ausstellung im Technoseum : Voller Energie

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Der Protos-Wasserspeicher von Siemens im Reklamebild der 1920er Jahre Bild: Thomas

Das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim zeigt die Alltagsgeschichte der Energie. Es geht auch um das Smartphone.

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          Haben Sie sich schon mal geärgert, dass das Smartphone so viel Energie verbraucht und der Akku entsprechend schnell leer ist? Ein Besuch des Technoseums in Mannheim setzt diese Emotion ins richtige Verhältnis. Denn im neuen Bereich „Energie erleben“ der Dauerausstellung, der am 17. Juni eröffnet worden ist, geht es auch um das Smartphone. Und dessen Energieverbrauch während seiner Nutzungszeit ist ganz minimal gegenüber der Energiemenge, die für seine Produktion aufgewendet wird, erklärt Kurator Daniel Römer: Werde die Energiebilanz über den gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet, dann mache das Laden an der Steckdose gerade einmal zwei Hundertstel aus.

          Wie viel Leistung nötig ist, um den Akku eines Handys zu laden, können die Museumsgäste an einer Mitmachstation selbst ausprobieren: Um 5 Watt zu erzeugen, genügt es, kräftig an einer Handkurbel zu drehen, die mit einem Dynamo gekoppelt ist. Keine Chance dagegen hat man auf eine Tasse heißen Tee zum Telefonat. Denn in einer zweiten Station soll dafür Wasser durch das Treten eines Fahrradergometers zum Kochen gebracht werden. Wer die Leistungsaufnahme seines heimischen Wasserkochers kennt (bei uns sind es 1850 bis 2200 Watt) ahnt, dass der mit dem Pedalieren erzeugte Strom dafür nicht ausreicht. Die Erkenntnis des kurbelnden und strampelnden Museumsbesuchers: Wer die Einsparziele der Energiewende möglichst effizient erreichen will, der sollte vor allem bei der Wärmeerzeugung ansetzen.

          Neben solchen Momenten des Staunens überzeugt die Erweiterung der Dauerausstellung auf Ebene F des Technoseums durch die Einordnung der Exponate in die Technik- und Industriegeschichte moderner Energietechnik seit der industriellen Revolution. Das reicht bis zur Wasserstoffwirtschaft, welche in diesen Tagen enormen politischen Rückenwind bekommt. „Das ist eigentlich nicht neu“, sagt Kurator Römer. Im Museum sind die entsprechenden Ideen – inklusive der Umwandlung von Sonnenstrom in Wasserstoff im großtechnischen Maßstab – von vor 40 Jahren dokumentiert. Das Museum selbst ist ein Jahrzehnt jünger, es wurde 1990 als Landesmuseum für Arbeit und Technik von Bundesland und Stadt Mannheim eröffnet.

          Energiegewinnung, -distribution und -verbrauch beeinflussen den modernen Alltag an vielen Stellen. Das macht die Ausstellung nicht nur mit den großen Produkttableaus deutlich, sondern auch an exemplarischen Einzelstücken. Wer zum Beispiel beim Präfix „Hybrid“ automatisch an ein modernes Automobil denkt, sollte einen Blick auf die frühesten Elektroherde werfen. Diese gab es nämlich auch in einer Ausführung, bei der sowohl mit Strom als auch mit Kohle geheizt werden konnte. Gedacht war die Kombination beider Energieträger aber vor allem aus Gründen der Redundanz angesichts der Anfälligkeit früher Stromnetze abseits von Städten.

          Der neue Bereich der Dauerausstellung befindet sich auf der Ebene F des Technoseums. Deren Neugestaltung ist damit abgeschlossen. Ausstellungsarchitektur und museumspädagogischer Ansatz nehmen Bezug auf benachbarte Bereiche zum Automobilbau und zur Mediengeschichte. Der Blick auf den Umgang mit Energie in Geschichte und Gegenwart soll alle Generationen ansprechen – gerade auch Kinder, die Forscher und Erfinder der Zukunft. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist die Dampfmaschine des Museums, 1908 in Esslingen gebaut und bis 1963 als lokaler Stromerzeuger eingesetzt.

          Den 80 Tonnen schweren Giganten wird das Museum künftig wieder regelmäßig in Betrieb vorführen – mit echtem Dampf, aber mit einem gegenüber dem früheren Volllastbetrieb auf 40 Umdrehungen in der Minute gedrosselten Schwungrad.

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