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Außergewöhnliche Spielgeräte : Ins Netz gegangen

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Im Urwald: Die Kletterlianen gehören zum Wiesbadener Loop, den Konrad (rechts) und Moritz erkunden Bild: Peter Thomas

Zirkuszelt oder Steilkurve: Raumnetzstrukturen aus Seilen werden seit 40 Jahren für Spielgeräte genutzt. Ein Blick auf außergewöhnliche Einzelprojekte.

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          Mit beiden Händen packt Konrad die Seile über seinem Kopf, holt Schwung, pendelt und schwingt sich nach oben. Schon taucht der Fünfjährige mit den Beinen zuerst in die Öffnung des wannenförmigen Raumnetzes ein, das sich in den Himmel über Wiesbaden reckt. Einige kurze Drehungen mit dem Oberkörper, dann ist er in der aus Seilen geknüpften Struktur verschwunden und klettert zur Rutsche aus dicker Gummiplane weiter. „Interaktiver Loop“ heißt die insgesamt mehr als 100 Meter lange Installation aus Seilnetzen, die von zwei großkalibrigen Stahlröhren getragen wird.

          Der Loop, der sich mal als Steilkurve um den Spielplatz windet, mal als Klettergarten über den Köpfen verläuft, ist das Herzstück des im Sommer 2011 eröffneten Weltkulturen-Spielplatzes auf dem Schulberg im Bergkirchenviertel der hessischen Landeshauptstadt. Geplant hat die Anlage das Büro Annabau aus Berlin, der Loop selbst stammt von Corocord. Das Unternehmen ist eigentlich für seine Netzstrukturen aus roten Tauen bekannt. In Wiesbaden ist die ganze Anlage dagegen grün gefärbt. Das ändert aber nichts am Spaßfaktor beim Klettern und Spielen, finden Konrad (5) und sein zwei Jahre älterer Bruder Moritz: „Das ist so richtig gut zum Austoben“, sagt Moritz.

          „Hängehäuser“ mit Wänden und Decken

          Die Faszination der Raumnetze als Kletter- und Spielgeräte haben Kinder immer wieder entdeckt, seit der Architekt Conrad Roland 1971 sein erstes Klettergerüst vorstellte, das aus einer Struktur miteinander zu Vielecken verspannten Tauen bestand - die Lastabtragung erfolgte durch einen in der Mitte aufgestellten Mast. Eigentlich hatte der 1934 geborene Architekt mit seinen Konstruktionen den Leichtbau vorantreiben wollen. Ein wichtiges Vorbild war ihm dabei Frei Otto, über den Conrad Roland im Jahr 1965 das Buch „Frei Otto - Spannweiten. Ideen und Versuche zum Leichtbau. Ein Werkstattbericht“ veröffentlichte.

          Wenn das Netz im Rausch der Geschwindigkeit verschwimmt: „Interaktiver Loop“ in Wiesbaden

          Konstruktionen wie Frei Ottos Dach des Münchener Olympiastadions oder die Voliere im Tierpark Hellabrunn dachte Roland konsequent weiter - so schwebten dem Architekten „Hängehäuser“ mit Wänden und Decken aus Raumnetzstrukturen vor: Alles sollte extrem leicht und doch widerstandfähig gebaut sein, die statische Grundlage wären miteinander sowie mit Ankern im Boden und mit der Spitze eines oder mehrerer Masten verspannte Seile. Aus den Häusern wurde zwar nichts, doch diese Konstruktionsprinzipien zeichnen Raumnetz-Spielgeräte verschiedener Hersteller bis heute aus.

          Die größte Anlage ist der „Super-Viermast-Seilzirkus“

          „Räumliche Netze sind zugbeanspruchte Konstruktionen, die sich von weit gespannten Flächentragwerken wie dem Münchener Olympiadach durch ihre dreidimensionalen Tragsysteme unterscheiden“, erklärt der Bauingenieur Torsten Frank, Geschäftsführer von Corocord. Der Klassiker unter den Raumnetz-Spielgeräten von Corocord ist der Seilzirkus, dessen Grundlagen Conrad Roland 1971 entwickelte: Das Raumnetz bildet eine zeltartige Struktur mit tangenialer Seilführung an der Spitze und am Boden, die sich um einen zentralen Mast spannt. Der heute bekannte Seilzirkus kam 1975 auf den Markt, damals noch von „Conrad Roland Spielbau“ hergestellt. Aus dem Unternehmen entstand 1985 die heutige Corocord Raumnetz GmbH, das Kürzel setzt sich aus den Initialen des Gründers und dem englischen Begriff für Seil, „Cord“, zusammen.

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