https://www.faz.net/-gy9-78rgg

Aufnehmen mit Vinyl : Musik pur - ganz ohne Schummelei

Schneidingenieur Maarten de Boer, ganz in seiner analogen Art
Schneidingenieur Maarten de Boer, ganz in seiner analogen Art : Bild: Lüdecke, Matthias

Die zweite Aufnahme von Maarten de Boer läuft wie geplant. Konzentriert beobachtet der kleine Holländer die Schneidanlage - eines der letzten Modelle, das die Berliner Georg Neumann GmbH 1991 gefertigt hat. Mit 33 Umdrehungen in der Minute bewegt sich der Teller, auf dem die Lackfolie befestigt ist. Im Schneidkopf ist ein heißer Stichel aus Saphir befestigt, der sich in zwei Richtungen bewegt: laute Töne erzeugen große Bewegungen, hohe Töne schnelle. Die akustischen Signale werden durch die Mikrofone im Studio in mechanische und elektrische Schwingungen verarbeitet. Die Spannungen steuern den Stichel in der Plattenrille.

“Man muss schon in der Probe darauf achten, was der lauteste Ton ist“, sagt de Boer. Denn darauf hat er die Geschwindigkeit des Vorschubs abgestimmt, mit dem sich der Schneidkopf auf die Mitte der Platte hinbewegt. Verschätzt er sich, überschreibt er die Rille, und die Aufnahme ist missglückt. Die Dynamik eines Direktschnitts sei größer, sagt der Ingenieur. Denn bei der Umwandlung von analogen in digitale Signale ändere sich ihr Charakter. „Das kann man nicht messen, aber hören. Es fühlt sich kühler und steriler an“, sagt er. Und um ganz authentisch zu sein, erzeugt das Team um Rainer Maillard auch den Hall auf traditionelle Weise. Im Keller und im Treppenhaus haben sie Mikrofone aufgestellt und mischen sie der Aufnahme zu. „Der Hall ist wie die Sahne beim Kochen, die alle Elemente verbindet“, sagt Maillard.

Nach ihrem Opener und zwei schnellen Nummern ist Ela Steinmetz inzwischen bei ihrer Ballade „Thank you“ angelangt. Noch immer spielt die kurzhaarige blonde Pianistin konzentriert und präzise. Ihre leichte Anspannung schwindet erst, als sie die gesamte erste Seite noch einmal einspielt. „Für uns ist die Aufnahme ein Beweis, dass wir auch ohne Nachproduktion fett klingen können“, sagt sie, nachdem die Einspielung im Kasten ist.

Die Schneidanlage aus dem Jahr 1991
Die Schneidanlage aus dem Jahr 1991 : Bild: Lüdecke, Matthias

Ob das Publikum die Technik goutiert, muss sich noch zeigen. Die „Meister Schallplatten“ erscheinen zunächst in dreistelliger Auflage und sind mit 35 Euro teurer als übliche Pressungen. In den siebziger Jahren gab es schon einmal eine Welle von Direktmitschnitten. Damals war die digitale Technik noch nicht ausgereift, Musiker versprachen sich mehr Dynamik. Außer dem Album „Echoes from Africa“ von Abdullah Ibrahim ist aber kaum Bleibendes entstanden. „In heutiger Zeit herrscht eine solche Müdigkeit im Musikmarkt, dass vielleicht eine Chance für den Direktschnitt besteht“, meint Frank Wonneberg, Autor des „Vinyl-Lexikons“. Zudem haben sich die Preise vieler LP denen für direkt geschnittene Aufnahmen schon deutlich angenähert.

Nachdem der letzte Akkord verklungen ist, hält Maarten de Boer den Plattenteller an. Nach der Aufnahme muss er noch sein persönliches Kürzel in den Lack ritzen. Danach kann die Matrize ins Presswerk geschickt werden. Dort wird mit einem galvanischen Prozess ein Negativ hergestellt. In Zeiten digitaler Musik-Files werde das Analoge wieder mehr geschätzt, hofft Geschäftsführer Rainer Maillard. „Heute wird so viel geschnitten. Keiner glaubt mehr, was er auf CD hört.“

Weitere Themen

Mit der Kraft aus drei Herzen

Peugeot 3008 und 5008 : Mit der Kraft aus drei Herzen

Peugeot überarbeitet seine SUV 3008 und 5008. Während letzterer auf eine Elektrifizierung verzichten muss, bekommt der kompakte 3008 im 225 E gleich zwei Elektromotoren als Helfer für den Verbrenner.

Lufthansa Cargo testet Kompost-Treibstoff Video-Seite öffnen

Nachhaltiges Fliegen? : Lufthansa Cargo testet Kompost-Treibstoff

Der Kraftstoff SAF sei nachhaltig produziert worden, hauptsächlich aus Lebensmittelresten. Lufthansa Cargo arbeitet zusammen mit DB Schenker. Der Sprit für den Jungfernflug wurde angekauft. Der nächste Schritt sei nun, den Treibstoff in Proberaffinerien herzustellen.

Topmeldungen

Unser Autor: Oliver Georgi

F.A.Z.-Newsletter : Die Spielchen des Markus Söder

Viele Karten sind im Spiel, wenn es um den künftigen Vorsitz der Union geht. Eine trägt sicherlich den Namen von CSU-Chef Markus Söder. Der gab sich bei der Jungen Union vielsagend zu dieser Frage. Der Newsletter für Deutschland.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.