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Aufblasbares SUP im Test : Mal eben hingebrettert

Bevor es auf das Wasser geht, muss einiges getan werden. Bild: Wille

Red Paddle präsentiert ein aufblasbares SUP, das sich kompakter zusammenlegen lässt als andere – und damit neue Möglichkeiten eröffnet.

          Es ist nur zehn Jahre her, dass John Hibbard versuchte, Paddelbretter in seinem Freundeskreis zu verkaufen, um überhaupt welche loszuwerden. „Unsere Verkaufszahlen im ersten Jahr waren furchtbar“, erinnert sich der Mitgründer des britischen Unternehmens Red Paddle, das 2008 begann, erste aufblasbare SUP-Boards zu fertigen. „Die Anfangsjahre waren hart. Wir haben zwei Jahre fast nichts anderes getan, als mit Händlern und ihren Kunden paddeln zu gehen, um den Sport bekanntzumachen.“

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das ist heute nicht mehr nötig. Auf Seen, Flüssen und an Küsten wimmelt es bei schönem Wetter vor Stehpaddlern. Die Zeiten, in denen sie belächelt wurden, sind vorbei. Offensichtlich ist der Boom weiterhin in vollem Gange. Red Paddle hat mit dem Modell Ride 10’6’’ einen echten Bestseller im Programm. Die Konstruktion des 3,20 Meter langen, stetig weiterentwickelten Allround-Bretts geht auf die Anfänge des Unternehmens zurück. Die Briten behaupten, es sei das „beliebteste aufblasbare SUP der Welt“.

          Die Beliebtheit der Aufblasbaren allgemein hat mit dem relativ einfachen Transport und der platzsparenden Lagerung zu tun. Im Vergleich zu sperrigen Hardboards sind sie um einiges handlicher. Allerdings füllt ein iSUP (für inflatable, aufblasbar) zusammengerollt mitsamt Pumpe und Paddel üblicherweise eine große, nicht gerade leichtgewichtige Packtasche. Hier setzt Red Paddle mit dem neuen Typ Compact 9’6’’ an. Dessen Name ist Programm und bezieht sich auf das fast sensationell geringe Packmaß.

          Es lässt sich mitsamt allem Drum und Dran in einem größeren, eigens entworfenen Rucksack verstauen. Bilderstrecke

          Das Compact 9’6’’ basiert auf dem erwähnten Ride 10’6’’, lässt sich jedoch mitsamt allem Drum und Dran in einem größeren, eigens entworfenen Rucksack mit anpassbaren, gut gepolsterten Griffen, Trageriemen und Lendenwirbelstütze verstauen. Der Rucksack ist mit einer Höhe von 56 Zentimetern nur etwa halb so hoch wie die Taschen anderer Boards dieser Kategorie, einschließlich des Ride 10’6’’. Breite und Tiefe betragen jeweils etwa 40 Zentimeter. Inklusive Zubehör bringt das Compact in seinem Rucksack 13 Kilogramm und somit knapp fünf Kilo weniger als das Ride auf die Waage. Wer mal eben schnell mit dem Stadtbus oder der S-Bahn ans Wasser fahren möchte, für den ist das ein Segen. Im Kofferraum beansprucht der Rucksack wenig Platz, und notfalls lässt er sich sogar ein Stück mit der Vespa oder dem Fahrrad transportieren. Rollen zum Hinterherziehen hat er nicht, im Unterschied zu vielen großen SUP-Taschen.

          Die platz- und gewichtssparende Bauweise des Compact 9’6’’ erfordert Red Paddle zufolge eine patentierte Materialkombination und Webtechnik mit einem dehnbaren Kern. Zum Verstauen wird es um die mitgelieferte Pumpe gewickelt, zuvor aber – das ist das Neue – einmal längs gefaltet. Voraussetzung dafür ist das geteilte Deckpad, also eine Fußmatte mit Aussparung in der Mitte. Außerdem sind der Tragegriff sowie das Ventil außermittig plaziert, damit sie nicht beim Falten stören.

          Nix für schwere Paddler über 95 Kilogramm

          Mit einer Länge von 2,90 Meter fällt das Compact 9’6’’ rund 30 bis 40 Zentimeter kürzer aus als andere Vertreter der Klasse der kompakten Allroundboards, Breite (81 cm) und Dicke (12 cm) liegen im Rahmen des Üblichen, das Volumen wird mit 222 Litern angegeben. Schweren Paddlern über 95 Kilo empfiehlt der Hersteller das Falt-SUP nicht, was wir genauso sehen. Ansonsten lassen sich im direkten Paddelvergleich keine gravierenden Nachteile erkennen. Hinsichtlich Stabilität und Verwindungssteifigkeit steht es dem Schwestermodell kaum nach, Agilität und Wendigkeit sind hoch, die Kursstabilität ist dank zweier Finnen – deren Montage mittels Inbus-Schlüssel fummelig ausfällt – sehr zufriedenstellend. Dass man auf einem solchen Board beim Paddeln alle paar Schläge die Seite wechseln muss, um Schlangenlinien zu vermeiden, ist normal.

          Das Vergnügen mit dem Compact 9’6’’ beschränkt sich keineswegs darauf, auf spiegelglatter Wasseroberfläche vorm Strandbad hin und her zu kreuzen. Als Badeinsel allein genutzt, wäre es unterfordert – und auch viel zu teuer. Mit einem Listenpreis von 1500 Euro ist es in der Oberklasse angesiedelt und kostet 500 Euro mehr als das vergleichbare Ride. Auf Erkundung gehen, kleineren Ausflug unternehmen, leichte Brandungswellen surfen, Feierabendsport treiben – dergleichen macht das Compact 9’6’’ mit, natürlich ohne dabei mit den Touren- oder Fitnessbrettern in ihren jeweiligen Spezialgebieten mithalten zu können. Das mit 7,4 Kilo geringe Gewicht des Boards tut gut, wenn man es ein längeres Stück tragen muss – während einer Flusstour um eine Schleuse herum beispielsweise. Das Ride, ebenfalls kein Schwergewicht, wiegt drei Kilo mehr.

          Eine Zugöse vorn auf der Nase fehlt dem Compact 9’6’’ ebenso wie ein zweiter Tragegriff am Heck; beides hätte mittig angebracht werden müssen, was wegen des Faltens konzeptbedingt unmöglich ist. Dafür ist ein großes Gepäcknetz auf dem Vordeck vorhanden, aus gutem Grund: Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Gewässer fährt, muss alles, was er dabeihat, aufs Board mitnehmen, einschließlich Straßenschuhen, Pumpe und Rucksack. Dessen geringe Abmessungen erfordern ein in Kleinteile zerlegbares Paddel. Damit es hineinpasst, besteht es aus fünf Einzelteilen, der Schaft aus Karbon, das Blatt aus Polyamid. Diese Konstruktion erschien uns ebenso clever wie unausgereift. Die Steckverbindungen wiesen Spiel auf, weshalb das Paddel wackelte. Für Menschen über einsfünfundachtzig lässt es sich nicht weit genug ausziehen. Und weil der Übergang von einem Segment im unglücklichen Fall genau da sein kann, wo die Hand den Schaft hält, besteht Blasengefahr.

          Wobei übrigens das Paddel auch bei Red Paddle nicht rot ist, sondern schwarz.

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