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Auszeit für Zeitmesser : Auch eine Uhr braucht Urlaub

  • -Aktualisiert am

Wie neu: Ein bisschen Pflege hin und wieder tut auch Uhren gut. Bild: Häußermann

Sommerferien für Uhren? Bei all dem täglichen Stress sollte man ihnen von Zeit zu Zeit auch einmal etwas Fürsorge gönnen.

          In der Küche sucht wohl kein Einbrecher nach Wertsachen. So dachte der Besitzer einer hochwertigen Armbanduhr und versteckte diese vor der Abreise in den Urlaub im Backofen. Dumm nur, dass die Gattin unmittelbar nach der Heimkehr Brötchen aufbackte und den Chronometer Temperaturen aussetzte, für die er nicht gebaut ist. „Die Uhr sah schlimm aus“, erinnert sich Andreas Blumenthal, Leiter der zentralen Uhrenwerkstatt von Juwelier Wempe in Hamburg.

          Aber immerhin: Die hanseatischen Uhrmacher konnten sie mit erheblichem Aufwand retten. Die größte Unfallgefahr für Uhren lauert – wie im richtigen Leben – in den eigenen vier Wänden. „Der Klassiker ist die Waschmaschine“, sagt Markus Breitsamer. Der Uhrmachermeister leitet den Nordeuropa-Service der Uhrenmarke TAG Heuer in Pforzheim und hat schon so manche Uhr nach dem Schleudergang in die Finger bekommen. „Die meisten Menschen bringen ihre Uhr erst dann zur Revision, wenn sie nicht mehr läuft oder eben Wasser eingedrungen ist“, weiß Breitsamer aus mehr als zwanzigjähriger Erfahrung. Dabei hätte der Zeitmesser etwas mehr Fürsorge verdient. Schließlich leistet er Enormes.

          Einmal zum Mond und zurück oder 20 Mal rund um den Globus. Das ist die Strecke, die der Unruhreif einer modernen mechanischen Uhr im Jahr zurücklegt. Er schwingt – bei den meisten Uhren – 28.800 Mal je Stunde hin und zurück. Rechnet man die zurückgelegte Winkelstrecke des Reifs auf das 16-Zoll-Rad eines Autos um, bewegt sich die Unruh mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, wenn sie ständig getragen wird. Da stünden dann nach 8760 Betriebsstunden 788.400 Kilometer auf dem Tacho. Moderne Autos müssen nach 30.000 Kilometern, mindestens aber alle zwei Jahre, in die Werkstatt.

          Der Zeitmesser des Fahrers ist genügsamer. „Eine mechanische Uhr, die regelmäßig getragen wird, sollte mindestens alle drei Jahre zur Revision“, sagt Breitsamer. Das diene dem Werterhalt der Uhr ebenso wie der Zuverlässigkeit, ergänzt der Uhrmachermeister. Dem kann sein Hamburger Kollege Blumenthal nur zustimmen: „Eine Uhr ist ein sehr präzises Messinstrument, da muss man einfach regelmäßig danach schauen.“

          Klassische Uhren gewinnen an Bedeutung

          Wer Uhren verkaufe, müsse auch adäquaten Service anbieten, zitiert Blumenthal das Credo der Familie Wempe. Deshalb betreibt das Hamburger Traditionsunternehmen schon seit mehr als 130 Jahren eine Uhrenwerkstatt. Inzwischen sind es sogar zwei: Eine sitzt in Glashütte, wo auch die Eigenmarken Wempe Zeitmeister und Wempe Chronometerwerke zusammengebaut werden, die andere in der Hamburger Steinstraße, dem Wempe-Stammhaus und Arbeitsplatz von Andreas Blumenthal. Insgesamt beschäftigt Wempe im Service 65 Mitarbeiter, davon 40 Uhrmacher. Damit betreiben die Hanseaten die wohl größte nicht markengebundene Uhrenwerkstatt in Europa.

          Abgehoben: Zur Revision wird die Uhr komplett zerlegt.

          Markus Breitsamer koordiniert in Pforzheim 37 Mitarbeiter. Doch ein direkter Vergleich verbietet sich, schließlich betreibt TAG Heuer weitere Servicewerkstätten in Europa, nicht zuletzt am Hauptsitz des Unternehmens im schweizerischen La Chaux-de-Fonds. Dort kümmert man sich auch um die klassischen Uhren des Hauses, die bei Sammlern derzeit an Bedeutung gewinnen. Die beschränkte Verfügbarkeit von Ersatzteilen für die Oldies mache eine Service-Zentralisierung notwendig, erläutert Breitsamer. Er leitet seit 1998 den Servicebetrieb, den sein Vater Horst 1980 gründete und der seit 1987 offizielle TAG Heuer Werkstatt ist. Die Expertise von Breitsamer und seiner Mannschaft war TAG Heuer so wichtig, dass der Uhrenhersteller den Servicebetrieb 2012 übernahm und 2016 in eine größere, modernere Werkstatt investierte.

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