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Moderne Armbanduhren : Blaue Stunde

  • -Aktualisiert am

Senator Chronometer von Glashütte Bild: Hersteller

Blau weckt zahlreiche Assoziationen. Auch bei vielen modernen Armbanduhren steht die Farbe für Luft, Wasser oder kühle Eleganz.

          3 Min.

          Die Sonne ist schon untergegangen, der Himmel zeigt sich noch tiefblau und bietet eine herrliche Kulisse für beleuchtete Architektur oder die Natur. Diese beeindruckende Lichtstimmung - Fotografen sprechen von der blauen Stunde - währt nur kurz und erfreut den Betrachter auch nur bei schönem Wetter. Eine schöne Uhr erfreut den Betrachter, wann immer er draufschaut. Erst recht, wenn sie ein blaues Zifferblatt trägt. Die Auslagen der Juweliere bieten hier reichlich Auswahl: Chronographen, Regulatoren oder schlichte Dreizeigeruhren, rechteckig oder rund, in Stahl oder in Edelmetall.

          Der gern zitierte Satz „Blau ist das neue Schwarz“ ist nicht nur platt, sondern auch falsch. In der Businessmode sowieso, da gehört ein gedecktes Blau neben Schwarz eigentlich schon immer zum guten Ton, und Uhren mit blauen Zifferblättern gibt es nicht erst seit gestern. Wir erinnern uns an die „Monaco“ von Heuer aus dem Jahr 1970. Die Uhr gehörte dem Schweizer Rennfahrer Jo Siffert und wurde am Handgelenk von Steve McQueen weltbekannt, weil dieser den Automatik-Chronographen in seinem Kinostreifen „Le Mans“ immer wieder dekorativ in die Kamera hielt. Seither ist die Uhr mit blauem Blatt mit kurzer Unterbrechung ständiges Mitglied der TAG-Heuer-Kollektion, aktuell zu einem Preis von 5000 Euro. Wer statt der eckigen Monaco lieber eine runde will, auch die gibt es mit blauem Zifferblatt.

          Laureato von Girard-Perregaux

          Auch Seiko spendiert seiner neuen Taucheruhr Prospex Kinetic Diver’s Special Edition ein blaues Blatt. Angetrieben wird der Zeitmesser (Bild Seite T1) vom Hybridwerk Kaliber 5M85, das elektronisch arbeitet, seinen Strom aber mechanisch über einen Rotor gewinnt - und auch noch eine zweite Zonenzeit anzeigt. Der Bolide mit knapp 48 Millimeter Durchmesser ist für 630 Euro zu haben. Rein mechanische Taucheruhren mit blauem Zifferblatt bieten aber auch die deutschen Hersteller Mühle (Modell Seebataillon, 2700 Euro), Sinn (T1 B, 2800 Euro) oder Tutima (M2 Seven Seas, 1890 Euro).

          Der blaue Himmel ist für Uhrendesigner Anlass, auch bei Fliegeruhren - die, streng genommen, ein schwarz-weißes Zifferblatt haben müssen - die Farbe ins Spiel zu bringen. Vorn dabei ist IWC. Die Deutschschweizer deklinieren ihre ganze Fliegeruhrenkollektion so durch und versehen diese Modelle mit dem Namenszusatz „Edition Le Petit Prince“. Gewidmet sind sie der Romanfigur des Antoine de Saint-Exupéry, der nicht nur Poet, sondern auch Pilot war. Der Einstieg in diese Edition beginnt bei rund 4500 Euro für das Modell Mark XVIII.

          Blickfang ist aber zweifellos die „Flying Regulator“

          Die Himmelsfarbe passt wie gesagt zum eleganten Businessoutfit, stellt Christina Kast von Chronoswiss fest: „Blau ist längst kein Trend mehr, sondern hat sich als klassische Zifferblattfarbe etabliert.“ Da spricht sie durchaus pro domo, schließlich bietet die in München gegründete Schweizer Uhrenmarke nicht nur ein blaues Modell an. Der Blickfang in dieser Kollektion ist aber zweifellos die „Flying Regulator“ (7000 Euro), eine gelungene Neuauflage eines Modells, mit dem bereits Chronoswiss-Gründer Gerd-Rüdiger Lang Furore machte.

          Die Tetra war bei Nomos eigentlich nie out. Doch jetzt kommt der eckige Dauerbrenner als Neomatik nicht nur mit dem neuen Manufakturkaliber DUW 3001, sondern mit einem Zifferblatt, dessen Tiefblau das Ende der blauen Stunde signalisiert (um 5000 Euro).

          Auf Hochglanz polierte Zeiger

          Etwas heller, aber nicht minder elegant präsentiert sich die Senator Chronometer (27 200 Euro) vom Nachbarn Glashütte Original. Nobel verpackt in einem Weißgoldgehäuse, bestimmt hier das aufwendig konstruierte und veredelte Manufakturkaliber 58-01, was dem Besitzer hier die (blaue) Stunde geschlagen hat. Das Zifferblatt stammt aus der hauseigenen Zifferblattmanufaktur in Pforzheim, wo eine gekörnte (im Fachjargon „grainierte“) Oberfläche mehrfach lackiert wurde, um diesen satten Farbton zu erreichen.

          Statt zu lackieren, galvanisieren die Pforzheimer auch mal ein Zifferblatt, um einen schönen Blauton zu erreichen. So etwa bei den einer vergangenen Epoche frönenden Seventies-Modellen von Glashütte Original (ab 9700 Euro): Auf Hochglanz polierte Zeiger und Indexe stellen den Kontrast her.

          Diese Lebendigkeit erzielt der Chronograph Extra-Fort Grande Taille (ab 3750 Euro) von Eberhard & Co auf ähnliche Art. Aufgesetzte römische Ziffern aus poliertem Stahl sowie zwei silbern galvanisierte Hilfszifferblätter für die kleine Sekunde und die Stoppminute bringen auf dem im Zentrum geprägten und am Rand glatten Blatt optisch zusätzlichen Schwung in die Bude. Das ist italienische Eleganz aus der Schweiz.

          Was man auch über die Laureato von Girard-Perregaux (14 500 Euro) sagen könnte, übrigens eine der ersten Uhren, bei denen das Stahlband ins Stahlgehäuse integriert wurde. Das blaue Zifferblatt verleiht dem ewig jungen Design weitere Frische, was dem Namen der Uhr (Reifeprüfung) ja alle Ehre macht. Bei der Namensgebung hatte gerüchteweise der italienische GP-Importeur die Finger im Spiel und dachte dabei wohl an den Film mit Dustin Hoffman und Anne Bancroft als Mrs. Robinson. In einer Nebenrolle: ein schöner Alfa Spider. Nicht blau.

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