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Architekturkunst : Eine vierbeinige Spinne für den Kuppelschluss

Das römische Pantheon: die erste große, stehende Kuppel Bild: Archiv

Lange war es rätselhaft, wie die Römer vor rund 2000 Jahren die berühmte Kuppel des Pantheon gebaut haben. Seit ihrer Errichtung wurden die wildesten Theorien aufgestellt. Gerd Heene macht diese nun zunichte: Denn er hat die Lösung gefunden.

          Gerd Heene ist Architekt. An der Universität Kaiserslautern hat er als ordentlicher Professor Studenten im Fachbereich Architektur unterrichtet und sich mit seinem Ludwigshafener Büro auf das Bauen von Industrie- und Laborbauten spezialisiert. Das ist einige Jahre her. Als Professor quittierte er 1991 den Dienst, er hatte die Altersgrenze erreicht. Aus seinem Büro zog er sich einige Jahre später zurück. Seitdem befindet er sich im sogenannten kreativen Unruhestand. Diese biographischen Angaben sind wichtig. Nur wenn man sie kennt, kann man die Genesis der Arbeit von Heene über die „Baustelle Pantheon“ richtig bewerten, die sich wesentlich mit der Frage beschäftigt, wie dieser nahezu 2000 Jahre alte Kuppelbau errichtet wurde. Eine Frage, die zwar immer mal wieder aufgeworfen wurde, die aber stets eine deutlich weniger wichtige Rolle spielte als das akribische Beschreiben des bauhistorischen Befunds durch Archäologen, Alt- und Kunsthistoriker. In Hundertschaften haben sie sich seit der Renaissance über dieses Gebäude hergemacht.

          Georg Küffner

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Heene ging mit seiner Frage nach dem „Wie?“ fremd. Er hat sich auf das den Bauingenieuren vorbehaltene Gebiet gewagt. „Bedächtige Zurückhaltung“ bis hin zu ernsthafter Skepsis sind ihm entgegengebracht worden, wenn er mit seinen Ingenieurskollegen auf der anderen Seite des Flurs technische Details erörtern wollte. Doch die Berührungsängste haben sich im Zuge des Fortschritts seiner Arbeit abgeschwächt und bis heute gar weitgehend aufgelöst. Die Erkenntnisse des Architekten Heene über die Technik der Errichtung des Pantheons haben mittlerweile den Segen der Fachwelt. So wird dem 2003 gestorbenen und lange an der TU München tätigen Bauforscher und „Pantheon-Papst“ Professor Gottfried Gruben der Ausspruch zugeschrieben, „So war es!“, als er die von Heene erstellten Zeichnungen, Berechnungen und Texte gesehen hat. Zustimmung kam auch von Giangiacomo Martines vom Sopraintendenza Archaeologica in Rom, einem ausgewiesenen Pantheon-Experten. Und auf der letzten großen Pantheon-Tagung Ende des vergangenen Jahres in Bern hat Heene seine Arbeit vorgetragen, ohne dass es Widerspruch gab.

          Die Geschichte von dem Erdhügel

          Alle bisher über den Bau der Pantheonkuppel angestellten Vermutungen schienen demnach falsch zu sein: Recht amüsant klingt die immer wieder gern erzählte Geschichte vom Erdhügel, auf dem man die Kuppel errichtet hat. Und zwar waren in den Erdhaufen gerade so viele Goldmünzen eingestreut, dass es sich für die Plebs lohnte, den Hügel herauszukratzen, aber doch noch so wenig, dass ein Gerüst teurer gewesen wäre. Häufig wurde auch vermutet, dass das umlaufende Gesims der Kuppel in 22 Meter Höhe als Auflager für ein freitragendes Lehrgerüst gedient haben könnte. Doch auch diese Idee kann nicht stimmen, standen doch damals noch keine stählernen Gerüststangen und - noch wichtiger - belastbare Verbindungselemente zur Verfügung, aus denen man eine solch weitspannende Brückenkonstruktion hätte bauen können.

          Übrig blieb demnach die Annahme einer vollen Einrüstung, ohne dass man die damit verbundenen Schwierigkeiten durchkalkuliert hätte. Für Heene schied diese Möglichkeit von vornherein aus. Er verweist auf den enormen Holzverbrauch und die hohen Kosten, die ein das ganze Bauwerk ausfüllender „Ständerwald“ verschlungen hätte. Auch wäre eine Holzkonstruktion mit den bei einem solch schweren Bau unweigerlich auftretenden Setzungen nicht fertig geworden, geht man doch davon aus, dass sich der Bau während des Emporwachsens rund 25 Zentimeter tief in den Boden gedrückt hat. Diese Setzungen hätten sich unweigerlich auch auf das Gerüst übertragen und auf die Präzision der Kuppelschale ausgewirkt. Und die ist so gleichmäßig geformt, dass man auch mit heutiger Schalungstechnik Probleme hätte, diese Genauigkeit zu erreichen.

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