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Anleitung mit Tipps : So bauen Sie ein Baumhaus

Über den Dingen stehend: in diesem Baumhotel in Schweden kann man seinen Urlaub verbringen Bild: action press

Wer hat als Kind nicht vom eigenen Baumhaus geträumt? Der Wunsch lässt sich auch im gesetzteren Alter noch erfüllen. Dazu braucht man Werkzeug, einen Plan – und einen geeigneten Baum.

          Bart Simpson weiß, wohin er sich notfalls verdrücken kann. Nach vollbrachter Missetat flüchtet er in sein Baumhaus. Dort, mehrere Meter über dem Erdboden, hat er Ruhe vor dem mehr oder weniger gerechten Zorn seines Vaters. Das haben wir in unserer Jugend auch so gehalten – das Baumhaus, nicht die Missetaten.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wohl dem, der einen Wald vor der Türe hat. Die Eltern haben den Spaß mitgemacht, was dabei herauskam, war halt nicht viel mehr als eine Plattform mit Reling. Jahrzehnte später haben wir das wiederholt, für die eigenen Kinder und die des Nachbarn, und im Stillen geträumt, ein solches Refugium, etwas größer vielleicht, sei doch auch für den Büromenschen nicht schlecht.

          Heute ist nur noch ein Stumpf, wo einst die starke Buche stand. Dem Förster hat das Bauwerk ohnehin nicht gefallen – dass Leute, deren Grundstück direkt am Wald endet, seine Bäume für allerlei Zwecke verwenden, ist er freilich gewohnt. Deshalb zuförderst und bevor man sich weitere Gedanken macht: Wer ein Baumhaus bauen will, braucht einen geeigneten Baum. Der ist im Idealfall gänzlich im Eigentum, gesund, tief wurzelnd und so gut wie ausgewachsen.

          Baumhaus oder Hochsitz?

          Einen Baumpfleger oder Forstwirt um Rat zu fragen ist keine schlechte Idee, schließlich soll das gute Stück ein beträchtliches Gewicht tragen und dennoch dem Wind trotzen. Wir meinen, dass ein Umfang des Stamms von mindestens einem Meter notwendig ist – auch wenn es manche mit dünneren Bäumen versuchen. Und er sollte nicht unter Naturschutz stehen. Geeignet sind vor allem freistehende (Vorsicht bei Gewitter) Laubbäume wie Eiche, Buche oder Kastanie. Die Robinie, obwohl zäh und robust, ist weniger zu empfehlen; nicht nur wegen der Dornen, sondern auch wegen der giftigen Rinde, das Gleiche gilt für die Eibe.

          Ohnehin sind Nadelbäume schwieriger zu besiedeln, es fehlen tragfähige Äste, so dass sich das Gebäude fast ganz am Stamm abstützen muss. Allerdings gibt es die Möglichkeit, das Baumhaus zwischen mehrere nahestehende Bäume zu hängen oder mit Stelzen abzustützen. Je mehr man nimmt, desto mehr ähnelt die Konstruktion einem Hochsitz.

          Aber wir wollen ja ein Baumhaus bauen. Gesetzt den Fall, im Garten stünde ein geeignetes Objekt, wäre der nächste Gang zum Bauamt der Gemeinde. Kleine Hütten für Kinder bedürfen meist nicht der Genehmigung, wer aber ein Büro oder eine Gästewohnung in den Nussbaum pflanzen will, kommt an der Einwilligung der Behörden nicht vorbei. Wie die das sehen, ist je nach Region unterschiedlich, aber allemal ist es besser, einmal zu viel zu fragen. Das gilt auch für die Nachbarn, denn nicht jeder hat es gern, wenn ihm aus luftiger Höhe ins Schlafzimmer geschaut wird.

          Zwei Meter über dem Boden beginnt das Kinderrefugium

          An zweiter Stelle steht die Planung. Welches Werkzeug wird gebraucht, und wie lässt sich sicher im Wipfel arbeiten, ohne herunterzufallen? Material, das man braucht, wird am besten beschafft, bevor der Bau beginnt; sonst kann es sein, dass das Projekt ruht, weil ein paar wichtige Teile nicht lieferbar sind. Wir kennen einen, der ein Modell gebastelt hat – aus Streichhölzern, im Maßstab eins zu zwanzig.

          Generell gilt, dass Hütte und Möbel so leicht wie möglich sein sollten. Ein einfaches Baumhäuschen für die Kinder hängt nicht mehr als zwei Meter über dem Boden und hat ein Geländer, das sie gegen Herunterfallen sichert. Es wird erklommen über eine Strickleiter aus unverrottbarer Kunstfaser, die zum Schutz gegen wilde Hunde und Erwachsene hochgezogen werden kann (die Eltern haben für den Notfall eine stabile Leiter).

          Aus schlechter Erfahrung wissen wir, dass die Strickleiter am besten nicht direkt an der Einstiegsluke endet, sondern höher – sich von dem schwankenden Strick auf die Plattform zu ziehen fällt sogar der beweglichen Jugend schwer. Den Bereich darunter polstert man ab, dafür eignen sich Rindenmulch oder Sand.

          Das perfekte Material kommt aus Amerika

          Die Befestigung am Baum ist für alle Größen im Prinzip gleich. Man kann sein Häuschen schrauben, klemmen, aufhängen, abstützen oder diese Methoden kombinieren. Auch wenn ein großer Baum einiges aushält: Er sollte dabei so wenig wie möglich verletzt werden. Das Holz im Stamm ist dabei weniger das Problem, aber die Rinde ist empfindlich. Über jede Wunde können Pilze eindringen, die den Baum schädigen. Andererseits gibt es genug hohle Parkbäume von kulturellem Wert, deren Stamm von langen Schrauben zusammengehalten wird. Dennoch gilt das Prinzip, lieber wenige schwere Halterungen anzubringen als viele leichte. Nägel sind tabu, auf die Dauer halten sie nicht gut. Verzinkte Schrauben sind auch nicht richtig, nach kurzer Zeit wittert die Schutzschicht ab, und der Rost blüht.

          Das einzig empfehlenswerte, aber teure Material ist Edelstahl. Daraus gibt es als spezielle Halterungen für Baumhäuser Garnierschrauben (Garnier Limb oder treehouse attachment bolt), die man in den Vereinigten Staaten bestellen kann. Das sind lange Bolzen mit etwa 3 Zentimeter Durchmesser, deren etwa 15 Zentimeter langer Gewindeteil bis zu einer dicken Scheibe inmitten der Schraube in den Stamm getrieben wird. Diese Scheibe liegt dann zunächst am Stamm an; da der Baum in jedem Jahr nach außen um einen Ring zulegt, wird sie mit der Zeit überwachsen und vom Holz eingeschlossen.

          Der zweite Teil des Bolzens von etwa 15 bis 30 Zentimeter Länge bildet einen künstlichen Ast, der mit mehreren Tonnen Gewicht belastet werden kann. Daran lässt sich einiges hängen – mit etwas Abstand zum Baum, damit der ungestört weiterwachsen kann, und axial beweglich befestigt, damit die Konstruktion nicht vom Sturm auseinandergerissen wird, wenn der Baum sich bewegt. Das gilt erst recht, wenn das Haus zwischen mehreren Bäumen aufgehängt wird.

          Schwankend wie ein Baum im Haus

          Den Baum anzubohren ist nicht jedermanns Sache. Schonender ist es wahrscheinlich, die Halterungen festzuklemmen. Dazu wird eine Manschette um den Stamm gelegt, an der die Balkenschuhe für die tragenden Elemente verschraubt werden. Weil der Baum wächst, muss allerdings in regelmäßigen Abständen die Manschette weiter gestellt werden, sonst wird er eingeschnürt – das kann, wenn die Manschette rund um den Stamm anliegt, schlimmstenfalls zum Exitus des Baumes führen.

          Elegant, aber für schwere Konstruktionen weniger geeignet, ist es, das Baumhaus an Stahlseilen aufzuhängen. Der Baum muss dafür aber kräftige Äste oberhalb des Hauses haben, damit die Textilschlaufen angebracht werden, an denen die Stahlseile baumeln. Durch die Polsterung wird auf der Oberseite weniger Druck auf die Rinde der Äste ausgeübt. Eine solche Konstruktion schwankt heftig im Wind. Das Gegenteil dessen ist eine Befestigung an Stützen, die fest im Boden verankert werden. Kombiniert man die Methoden, ist zu berücksichtigen, dass sich das Haus mit dem Baum bewegt, die Stütze aber nicht.

          Es geht natürlich auch ausschließlich auf Stützen. Das „Baumhaus“ sieht dann aus wie die Pfahlbauten am Bodensee und erfüllt sicher seinen Zweck. Das ist wie in den modischen Hotels, die gern eine „Übernachtung im Baumhaus“ anpreisen (ein Verzeichnis findet sich unter www.tiny-houses.de). Uns ist in Deutschland keines bekannt, das ausschließlich von einem Baum getragen würde. In Schweden zum Beispiel gibt es so etwas (www.treehotel.se).

          Bitumen, Folie oder Holzschindeln

          Das Traumhaus soll in die Landschaft passen, also ist Holz der Werkstoff der Wahl. Wenn man lange Freude daran haben will, sind die billigen Bretter aus Fichte, die man überall bekommen kann, nicht zu empfehlen. Es sei denn, sie sind kesseldruckimprägniert. Natürlicher und schöner, aber auch teurer sind Lärche und Douglasie, die von Natur aus lange resistent gegen Fäulnis sind.

          Dennoch sollten die Wände durch einen Dachüberhang geschützt sein. Die Bretter werden überlappend angebracht, damit kein Regenwasser eindringt. Das Dach selbst ist im einfachsten Fall mit Dachpappe wasserdicht gemacht, die nicht allzu lange hält. Gut, aber schwer sind verschweißte Bitumenbahnen. Manche Konstrukteure haben angeblich auch mit Folien aus dem Teichbau gute Erfahrungen gemacht. Wer die Arbeit nicht scheut: Holzschindeln passen gut zum Baumhaus.

          Das Ganze ruht auf einer Plattform. In schlichten Konstruktionen, die nicht wetterfest sind, wird sie so gestaltet, dass Feuchtigkeit durch die Ritzen ablaufen kann. Entscheidend ist die Tragfähigkeit; wir haben damals wasserfest verleimtes Sperrholz verwendet, auch Siebdruckplatten sind geeignet und verrottungsfest, doch schwer. Für die Verankerung der Plattform ist es nützlich, das Baumhaus an einer kräftigen Astgabel zu befestigen. Wir haben als tragende Elemente zwei parallel verlaufende Bohlen angebracht, die mit vier Bolzen hochkant im Stamm befestigt wurden. Die Überhänge der Plattform können mit schrägen Verstrebungen zum Stamm hin stabilisiert werden.

          Ein Traumhaus im Baum

          Interessant ist die Überlegung, was mit Ästen gemacht wird, die dem Baumhaus im Wege sind. Abschneiden ist die eine Möglichkeit, ins Gebäude integrieren die anspruchsvollere. Und wie kommt man hinauf? Eine Leiter ist mehr etwas für gelegentliche Nutzung. Größere Baumhäuser werden über Treppen zugänglich gemacht, besonders elegant sind solche, die sich um den Stamm wendeln. Es soll sogar Konstruktionen mit Liften geben.

          Baumhäuser sind Einzelanfertigungen, die dem lebenden Befestigungsobjekt Rechnung tragen. Sie anzufertigen erfordert einiges an handwerklichem Geschick. Leichter geht es mit Bauplänen, wie sie etwa von Baumleben (baumleben.org.) für etwa 900 bis 1600 Euro angeboten werden. Noch einfacher und für alle anzuraten, die es sich nicht selbst zutrauen, ist es, ein auf den Bau von Baumhäusern spezialisiertes Unternehmen zu beauftragen (neben dem genannten unter anderen baumraum.de, baumbaron.de, baumraum.org und aus Frankreich la-cabane-perchee.com).

          Manche davon bevorzugen Seilkonstruktionen, andere die Klemmtechnik. Vom Kinderspielplatz bis zum (mit Naturmaterialien) vollisolierten Wohnhaus mit Strom, Sanitäranlagen und verglasten Fenstern bis etwa 35 Quadratmeter Grundfläche ist je nach Tragfähigkeit des Stammes alles möglich, die Preise beginnen bei etwa 5000Euro für einfache Konstruktionen und knapp 20000 Euro für isolierten Wohnraum. Nach oben hin sind sie, wie im Hausbau üblich, fast unbegrenzt.

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