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Anlageobjekte : Der Reiz des Alten und die Lust am Sammeln

Die wahren Schätze sind richtig alt: Klappsonnenuhr aus dem 18. Jahrhundert Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Technik des Alltags als Geldanlage: Das ist nicht ohne Risiko. Kluge Käufer achten auf hochwertige Dinge, gutes Design und robuste Mechanik. Elektronik mindert eher den Wert.

          3 Min.

          „Schließlich ist es auch eine Geldanlage“, murmelt der junge Mann, den wir einige Tage vor Weihnachten mit einer teuren neuen Spiegelreflexkamera den Mediensupermarkt verlassen sehen. Ein gutes Objektiv kauft er gleich dazu, auf daß ihm die Investition viele Jahre Freude bereiten werde.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Warum eigentlich nicht? Wer bei technischen Objekten auf Hochwertigkeit achtet, macht nichts verkehrt. Indes taugt ein Großteil der technischen Dinge des Alltags nicht als Anlageobjekt. Wer beispielsweise bereits im Jahr 2000 auf die Digitalfotografie umstieg und sich die robuste Canon EOS 30D kaufte, zahlte damals mehr als 3.000 Euro für eine wegweisende Spiegelreflexkamera mit drei Millionen Pixel.

          Diesen äußerst soliden Trumm (840 Gramm ohne Objektiv) würde man heute zwar mit Respekt in die Hand nehmen. Ein Wertgegenstand ist die fünf Jahre alte Kamera jedoch nicht. Auch das Fotografieren mit ihr ist nicht unbedingt ein Vergnügen: Die Einschaltzeit und die Auslöseverzögerung sind lästig lang, das Speichern der Fotos dauert. Damals erworbene Objektive lassen sich indes noch heute sinnvoll einsetzen.

          Selbst Pioniergeräte bringen nur wenig

          Der technische Fortschritt läßt viele Dinge schneller veralten als einem lieb ist. Er nagt fortwährend am Bestehenden und weckt die Lust auf das Neue. Das gehört unabdingbar zu seinem Charakter. Deshalb darf man sich nicht grämen, wenn das heute erworbene Gerät schon morgen veraltet ist und die Produktzyklen immer kürzer werden. Man denke nur an das zwei Jahre alte Handy.

          Über das 500-Euro-Produkt von 2003 kann man heute nur noch schmunzeln. Das Display ist mickrig, und die eingebaute Kamera taugt nur für kleine Fotos in geringer Auflösung bei hellem Sonnenlicht. Ein aktuelles Kamera-Handy löst mit 2 oder 3 Megapixel auf und kann unter vielen Bedingungen den digitalen Fotoapparat ersetzen.

          Noch deutlicher zeigt sich die rasante Entwicklung der Technik, wenn man auf zehn Jahre alte Geräte zurückblickt. Die ersten GSM-Handys waren groß und schwer, die Bedienung war mit einem schlecht auflösenden Display eine Sache für den Profi, und was die Ausdauer des meist riesigen Akkus betrifft, durfte man sich schon mit Bereitschaftszeiten von 12 Stunden glücklich schätzen. Aber selbst das Pioniergerät schlechthin, der legendäre Motorola-“Knochen“ mit seiner langen Stabantenne und einem Neupreis von mehr als 1.500 Euro war keine gute Wertanlage. Heute bringt ein funktionstüchtiges Gerät für die Sammlervitrine keine 50 Euro bei Ebay.

          Spielzeug lohnt sich meistens

          Wer Technik als Geldanlage sucht, sollte auf einige Dinge achten: Alles Elektronische ist zu meiden, es sei denn, daß die Produkte entweder durch ihr Design bestechen oder die technische Entwicklung in diesem Bereich stagniert. Um gleich bei der Telefonie zu bleiben: Ein hölzernes Wandtelefon mit Trichter, Baujahr 1908, günstig auf dem Flohmarkt erworben, kann einige hundert Euro wert sein, und eine Schreibmaschine aus dem 19. Jahrhundert überschreitet bei Auktionen schnell die 1.000-Euro-Grenze.

          Im Bereich der Fotografie sollte man sich ganz auf die mechanischen Apparate konzentrieren: Eine gut erhaltene Leica M6 kann als Liebhaberstück schon mal 1000 Euro kosten, selbst mit leichten Gebrauchsspuren. Wo die Weiterentwicklung des Bestehenden stagniert, sind ältere Objekte ebenfalls wertvoll. Lautsprecher und HiFi-Anlagen in zeitlosem Design oder gar Röhrenverstärker eignen sich gut als Geldanlage.

          Alte Spielzeugeisenbahnen werden von mehr als hunderttausend Sammlern gesucht. Für Blechzüge aus der Vorkriegszeit müssen mehrere tausend Euro auf den Tisch gelegt werden, und für entsprechendes Spielzeug aus der Kaiserzeit vor 1914 sind fünfstellige Beträge fällig. Ein Spur-V-Zug von Märklin, Baujahr 1900, brachte beim britischen Auktionshaus Christie's fast 200.000 Euro. Wie bei allen Sammlerstücken gibt es ein gewisses Risiko, und hohe Preise erzielen Objekte in gutem Zustand und geringer Stückzahl. Die Knappheit bestimmt den Wert.

          Technische Kuriositäten können Gold wert sein

          Und schließlich die Uhren. Auch hier gilt: Alles Elektronische ist verpönt, nur reine Mechanik und alte Handwerkstechnik sind angesagt. Ein Werk, das durch Handaufzug oder die Armbewegung angetrieben wird, sollte es schon sein. Begehrt ist alles, was mehr kann, als nur die Zeit anzuzeigen: Chronographen mit Stoppuhr oder Modelle, die das Datum und die Mondphasen anzeigen, einen ewigen Kalender haben und die Schaltjahre mitberechnen. Natürlich kommt es auch auf die Marke an.

          Eine Patek Philippe oder das Modell Tourbillon „Pour le Merite“ von Lange & Söhne kann schnell im sechsstelligen Eurobereich liegen. Wer bewußt und klug kauft, erhält hier sehr attraktive Wertanlagen. Manche alte Armbanduhren erfuhren eine Wertsteigerung von 1.000 Prozent in den vergangenen 20 Jahren. Auch hier sind Marke, Zustand und Qualität entscheidend. Aber es gibt natürlich Unsicherheiten und Schwankungen. Moden und Trends sind nur schwer vorherzusehen.

          Das gilt auch für technische Kuriositäten, die sich auf manchem Dachboden finden. Vor einigen Jahren verkaufte ein Manchester-United-Fan seine Sammlung von 15.000 Fußballprogrammen für fast 100.000 Euro. Ein mehr als 100 Jahre altes Fahrrad ohne Herstellername wurde im Auktionshaus Phillips auf 1.000 Pfund geschätzt und erreichte schließlich 103.000 Pfund.

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