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Amphitheater von Verona : Ein Dach macht sich dünn

Die Textilmembrane und die Halteseile verschwinden in einer „Garage“. Bild: dpa

Noch nie wurde ein so komplexes Faltdach gebaut, wie es für das Amphitheater von Verona geplant ist. Keine „Wäscheleine“ soll das uralte Gemäuer verhunzen. Halteseile und Textilmembrane verschwinden in einer ringförmigen Garage.

          Damit wird endlich Schluss sein: Urplötzlich vom Himmel stürzende Regenmassen sollen künftig den Besuchern der Sommerkonzerte und Opernaufführungen in der Arena von Verona nichts mehr anhaben können. Das größte Freilichttheater der Welt soll überdacht werden. Das scheint auch dringend notwendig, weil die Begeisterung für das Open-Air-Spektakel in dem unter Kaiser Tiberius 30 n. Chr. errichteten römischen Amphitheater immer weiter zurückging. Das lag nicht allein an der wachsenden Konkurrenz durch ähnliche Veranstaltungen, sondern auch an den Unbillen, mit denen Besucher Veronas stets rechnen müssen. Witterungsbedingte Absagen werden erst am Tag der Veranstaltung verkündet. Und nur dann, wenn es wirklich wie aus Kübeln schüttet. Sporadische Regenschauer sind jedenfalls kein Grund. Dagegen helfen ja Plastikcapes. Den Beginn der Veranstaltung um bis zu zweieinhalb Stunden nach hinten verschieben, in der Hoffnung auf besseres Wetter, ist für Verona ebenfalls nichts Außergewöhnliches. Und ist der erste Akt erst einmal überstanden, sind Ausfallzahlungen kein Thema mehr.

          Georg Küffner

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Ein Dach muss also her. Doch kein gewöhnliches. Vielmehr soll die geplante Überdachung der Arena nach den Vorstellungen der Verantwortlichen in Veronas Gemeindevertretung gleich drei Vorgaben erfüllen: Die für eine Dachkonstruktion erforderlichen Eingriffe in die rund 2000 Jahre alte Bausubstanz sollen möglichst gering ausfallen und alle Veränderungen an dem Altbau zudem rückbaubar sein. Weiter wird gefordert, dass bei schönem Wetter auch weiterhin ein unbeschränkter Blick in den (Sternen-)Himmel möglich sein muss und keine störenden „Wäscheleinen“ zu sehen sind, an denen sich Dachplanen festkrallen können. Und zu guter Letzt darf keinesfalls die hochgelobte Akustik beeinträchtigt werden.

          Keine einfache Aufgabe. Aber eine, bei der sich Tragwerksplaner, so der offizielle Name der angesprochenen Ingenieurdisziplin, austoben und ihre ganze Kreativität einbringen können. 80 Büros aus Italien und weiteren europäischen Ländern beteiligten sich an dem Wettbewerb. Die Crème de la Crème der Zeltdachbauer präsentierte Lösungen. Als Sieger hervorgegangen sind die seit rund 30 Jahren mit der Konstruktion von Leichtdächern – etwa den Stadiondächern in Stuttgart, Berlin und Frankfurt sowie den Regenkappen für die historischen Arenen von Saragossa, Nîmes und Madrid – bekanntgewordenen Ingenieure des Büros Schlaich Bergermann Partner aus Stuttgart. Auch bei diesem Projekt bekamen sie, wie bei anderen zuvor, architektonischen Beistand vom Büro gmp aus Hamburg.

          Knut Göppert, Partner der Stuttgarter Ingenieurgemeinschaft, beginnt zu schwärmen, wenn er mit Hilfe von Funktionsgrafiken die Dachkonstruktion der Arena von Verona erklärt. Etwas derart Komplexes sei bisher noch nicht gebaut worden Zwar sei es mittlerweile Usus geworden, stadienüberspannende Leichtbaudächer variabel zu konzipieren, so dass sie die meiste Zeit offenstehen und das Gras auf dem Spielfeld gut wachsen kann. Nur bei schlechtem Wetter werden sie geschlossen. Doch bisher musste man den Anblick der die Arenen überspannenden Halteseile ertragen. Das wird in Verona anders sein. Dort werden in einem ersten Schritt die Seile in Position gebracht und gespannt, an denen anschließend die Dachhaut über die Arena gezogen wird.

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