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Akkubetriebene Geräte : In den Gärten und Alleen wird es leiser

Wasserdicht: Hinten wartet der mobile Stromspeicher auf seinen Einsatz Bild: Hersteller

Akkubetriebene Geräte für Handwerker sind inzwischen so leistungsfähig wie solche mit Benzinmotor. Nun sollen diese auch im Garten Einzug erhalten. Zur Freude der Nachbarn.

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          Wenn es einen Preis für die besten Miesepeter des Jahres gäbe, dann bekämen ihn jene, die beständig über die mangelnde Reichweite von Elektroautos nörgeln und daraus schließen, das ganze Konzept tauge nichts. Wir empfehlen ihnen, einmal ein Auge auf die professionellen Handwerksgeräte zu werfen; da zeigt sich, wohin die Reise geht. Denn die Zeiten, als der Installateur nach der nächsten Steckdose für seine Bohrmaschine rief, sind vorbei, heute regieren im Werkzeugkoffer der Akkuschrauber und der kabellose Bohrhammer. Die rasche Entwicklung der Lithium-Batterien macht es möglich, alle paar Jahre verdoppelt sich die Kapazität der Energiespeicher - mit der Folge, dass auch Stromfresser wie der Winkelschleifer bedient werden können.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der nächste Sprung ist derzeit im Gange, nach dem Handwerkszeug folgt das Gartengerät. Das ist schon wegen der Geräuschentwicklung erfreulich - nicht nur, weil bald das Laub fällt und die nervigen Bläser herausgeholt werden. Zwar gab es im Garten auch früher schon elektrischen Antrieb. Wir erinnern uns an die Jugendjahre - der Nachbar damals war ein charmanter Österreicher, der seinen englischen Rasen mit Rücksicht auf unsere Nerven mittels Elektromäher schnitt. Die relative Ruhe war jäh vorüber, wenn das Messer statt der Halme das Kabel kürzte. Das kam, bewiesen durch Flickstellen, nicht selten vor.

          Moderne Akku-Gartengeräte halten mit

          Deshalb werten wir es heute als einen Riesen-Fortschritt, dass die modernen Akku-Rasenmäher so stark sind wie die alten mit Kabel. Und sogar mit solchen, die von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, können sie mithalten. Das gilt für alle professionellen Akku-Gartengeräte und klingt zunächst einmal erstaunlich, wenn man die reinen Daten betrachtet. Tatsächlich reicht aber dem Elektromotor eine deutlich geringere Spitzenleistung im Vergleich zum Verbrennungsmotor, dank des hohen und gleichmäßigen Drehmoments von niedrigsten Drehzahlen an.

          Tragfähig: Saft für viele Stunden Blasen Bilderstrecke

          Was im Akku steckt, erkennen immer mehr Kunden. Im vergangenen Jahr habe sein Unternehmen schon ein Drittel des Umsatzes mit kabellosen Geräten erzielt, sagt Henning von Boxberg, der Vorstandsvorsitzende im Geschäftsbereich Power Tools von Bosch. Deshalb werde das Akku-Sortiment beständig ausgebaut. Darüber kann sich der Gärtner freuen, denn die Auswahl für den Profi ist noch übersichtlich. Rasenmäher, Heckenscheren, Laubbläser und Motorsensen finden sich im Angebot, allesamt konnten wir sie kürzlich eine Weile ausprobieren - Akku einschieben und Gas geben, fertig. Manche Geräte, wie sie die Konkurrenz im ebenfalls nicht vollständigen Programm hat, fehlen freilich noch. Stihl zum Beispiel bietet in der Linie Pro für den Profi Sägen, Motorsensen, Blasgeräte, eine Kehrmaschine, einen Trennschleifer und eine elektrische Astschere an, Husqvarna hat ein ähnliches Sortiment.

          Dass kein Hersteller alles hat, was der Profi vielleicht brauchen kann, ist bedauerlich, denn wenn die Entscheidung für einen Anbieter gefallen ist, wird das eine Bindung für den Lebensabschnitt. Die Systeme sind zwar hinsichtlich der Spannung von 36 Volt gleich, die Akkus sind aber zwischen den Marken nicht kompatibel. Die Werkzeuge sind allerdings mit Blick auf Leistungsfähigkeit und Preis vergleichbar; so entscheidet man sich am besten für das System, das die meisten der gewünschten Geräte hat. Zum Vergleich die leistungsfähigsten Akku-Laubbläser von Bosch und Stihl: rund zweieinhalb Kilo Gewicht ohne Akku, Luftdurchsatz 860 und 840 Kubikmeter je Stunde, Luftgeschwindigkeit 68 beziehungsweise 63 Meter in der Sekunde. Die Blaskraft wird jeweils mit 17 Newton angegeben.

          Standard sind Akkus von rund zwei Kilo Gewicht und der Größe eines Backsteins. Derzeit haben sie 6 Ah (Bosch gibt 216, Stihl 227 Wh an), damit läuft eine Säge (MSA 200 C-BQ von Stihl) knapp eine Stunde und ein Laubbläser 20 Minuten. Aber schon sind von Bosch 9 Ah angekündigt - die Hälfte mehr Leistungsfähigkeit in der neuen Generation, bei gleicher äußerer Form.

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