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Äxte mit Kunststoffstiel : Das Ergebnis ist gespalten

Treffer: Die mittlere Spaltaxt mit 1600 Gramm Gewicht kann ein durchschnittlich sportlicher Mann stundenlang führen – ausnahmsweise sogar mal mit einer Hand Bild: Julius Weber

Äxte mit Kunststoffstiel verzeihen die kleinen Anfängerfehler. Dass der Kopf nicht davonfliegen kann, ist ein großer Vorteil gegenüber konventionellen Beilen. Die Modelle von Fiskars und Gardena im Test.

          5 Min.

          Sich das Holz aus dem Wald zu holen, ist zum Massensport geworden. Ausgerüstet mit Säge und einem Befähigungsnachweis, der bestätigt, dass man damit umgehen kann, zieht es den Selbstwerber in die Natur, um auf den Spuren der Profis das einzupacken, was für die Kunden der Forstwirtschaft nicht zu verwerten war. Allen Berechnungen zum Trotz, dass das doch etwas viel Aufwand für das bisschen Feuer sei, lohnt das Verbrennen von Holz durchaus auch wirtschaftlich. Denn wer das macht, dem wird gleich dreimal warm: beim Sägen, beim Spalten und beim Heizen.

          Lukas Weber
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das Holz zu hacken, damit es schneller trocknet und besser brennt, war früher die Aufgabe des Großvaters. Der konnte sich die schweißtreibende, aber gesunde Arbeit nach Kräften einteilen. Der richtige Schwung erfordert außerdem einiges an Erfahrung. Ein beliebter Anfängerfehler am Hackklotz ist es, die Axt in die Mitte des Scheites zu hauen statt auf dessen Rand. Entweder steckt dann die Klinge fest oder sie spaltet; beides ist schlecht. Im ersten Fall ist es mühsam, sie wieder herauszubekommen, im zweiten ist zwar das Holz entzwei, direkt unterhalb des Kopfes knallt aber meist der Stiel auf den Scheit, bevor dieser zur Seite springt. Ob der Hacker den Bogen heraus hat, zeigt deshalb ein Blick auf jene Stelle: sieht die Axt dort gestaucht aus, muss er noch lernen. Sonst hat der Stiel bald eine Sollbruchstelle.

          Beschichtet wie eine Pfanne

          Als vor etwa einem Viertel Jahrhundert die ersten Beile mit angeblich fast unzerstörbarem Kunststoffgriff auf den Markt gekommen sind, haben Puristen die Nase gerümpft. Dabei hat das Konzept unbestreitbare Vorteile, denn die Zeit der wackelnden oder gar davonfliegenden Köpfe ist damit vorbei. Die Zurückhaltung hatte freilich ihren Grund, denn Esche oder Hickory als Werkzeugstiel ist in einer Hinsicht bisher unerreicht: Es dämpft die Schwingungen und vermittelt zugleich ein direktes Gefühl für das, worauf gehauen wird. Hufschmiede, die mit dem Hammer spüren müssen, wann der Nagel aus dem weichen Horn in die harte Hufwand dringt, greifen deshalb lieber auf Werkzeug mit Holzgriff zurück.

          Neuer Konkurrent mit pfiffigen Ideen ...
          Neuer Konkurrent mit pfiffigen Ideen ... : Bild: Julius Weber

          Nun muss man nicht unbedingt fühlen, was das Feuerholz macht, Hauptsache, es ist entzwei. Neben allerlei Billigheimern, die zuweilen über Discounter vertreiben werden und über die man nicht reden muss, weil sie den Gang zum Hackklotz zur Strafe machen, gibt es einige wenige Anbieter von Qualitätsprodukten. Der bekannteste dürfte der finnische Hersteller Fiskars sein, der eine Reihe von Äxten und Beilen im Programm hat, die sich einen guten Ruf erworben haben. Drei davon haben wir seit etwa fünf Jahren im Einsatz. Der Stiel ist hohl und aus glasfaserverstärktem Polyamid; wenn man darauf herumturnt, verbiegt er sich kaum. Um den Kopf ist er schlaufenförmig herumgegossen. Dessen Form verjüngst sich an dieser Stelle, so dass der Stiel unverrückbar sitzt. Das Gefühl beim Arbeiten unterscheidet sich etwas von konventionellen Spaltäxten, offenbar federt der Kunststoff anders. Es ist aber nicht unangenehm. Gelockert hat sich bisher keiner, und obwohl wir die Äxte an Leute verliehen haben, die noch üben müssen, zeigt die gefährdete Stelle kaum Beschädigungen.

          Spaltäxte haben eine ausgeprägte Keilform, damit der Holzklotz auseinandergesprengt wird, wenn die Klinge eindringt. Das unterscheidet sie von Mehrzweckbeilen, die mit ihrer sich sanft verbreiternden Klinge aber besser geeignet sind, Pfähle anzuspitzen und Bäumchen zu fällen. Die Klinge der Fiskars ist aus Messerstahl und auf 55 Rockwell (HRC) gehärtet. Das ist nicht so viel, wie für gute Jagdmesser möglich ist, macht sie aber weniger spröde. Die Gefahr, dass an der Schneide ein Stück abplatzt, ist dadurch geringer. Angenehmer Nebeneffekt ist, dass sich Beile und Äxte mit einer Stahlfeile schärfen lassen, man muss halt etwas öfter nacharbeiten. Der Winkel der Schneide sollte dabei etwas stumpfer als für Messer gewählt werden. Die Klingen der Fiskars sind mit PTFE beschichtet, wie es auch für Pfannen verwendet wird. Sie gleiten dadurch etwas besser durch das Holz, Wunder sollte man aber nicht erwarten. Die Beschichtung hält länger als erwartet, nach einigen Jahren sind freilich nur noch Reste vorhanden.

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