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Abgefahrene Segeltechnik : Vom Schwimmen zum Fliegen

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Nur die leewärtigen Tragflächen und die am Heck sind im Wasser. Bild: Ineos Team UK

Die anstehenden Regatten um den America’s Cup treiben die Segeltechnik rasant voran. Jetzt fegen einrümpfige Flugobjekte übers Wasser. Einblicke in eine abgefahrene Seglerwelt.

          5 Min.

          Ende 2017 präsentierten die Veranstalter des 36. America’s Cup die kühne Idee, die nächste Regattaserie mit einrümpfigen Tragflächenseglern auszutragen. Die Skizzen dazu erschienen irreal. Mittlerweile haben Segler in Amerika, England, Italien und Neuseeland diese Vision mit kühnen Flugversuchen rasant in die Gegenwart vorgespult. Sie lassen den bisherigen Segelsport alt aussehen.

          Der America’s Cup ist ein nach dem K.-o.-System ausgetragener Segelwettstreit. Der Verteidiger und der erste Herausforderer vereinbaren die Modalitäten des nächsten Wettkampfs miteinander. Meist sind die Regeln mit vergleichbaren Booten einigermaßen reell.

          Die Änderung der Modalitäten lohnt sich für den Herausforderer, wenn es mit einem ausgereiften Bootstyp kaum Aussicht auf Erfolg gibt. Sie lohnt für beide Seiten, wenn die Rennen ein größeres Publikum interessieren. In den Staaten, wo die Dinge klar beim Namen genannt werden, hieß es einmal, eine America’s-Cup-Regatta mit herkömmlichen Booten anschauen sei so interessant wie Farbe beim Trocknen zu beobachten. Es interessierte allenfalls Insider. Allein handlungsreiche und rasante Rennen sind für die Sponsoren der teuren Boote interessant. Aus dem sogenannten weißen Sport ist längst ein bunter geworden, eine telegene Action, die ein großes Publikum fesselt.

          Deshalb ließ Oracle-Chef Larry Ellison den 34. America’s Cup 2013 mit 22 × 14 Meter großen Katamaranen segeln. Sie bretterten auf Tragflächen mit 75 km/h über die San Francisco Bay. Das Spektakel war so rasant wie ein Formel-1-Rennen. Hinzu kam die Sensation, dass es den amerikanischen Pokalverteidigern gelang, die Regatten nach dem eigentlich unaufholbaren 1:8-Rückstand gegenüber den Neuseeländern doch noch für sich zu entscheiden. Vier Jahre später gewannen die Neuseeländer dann die nächste Auflage des America’s Cup souverän. Diesmal mit 15 Meter langen, bis zu 92 km/h schnellen Katamaranen. Der technische und seglerische Vorsprung mit fliegenden Zweirümpfern schien für Europäer unaufholbar. Auch vermissten Segler wie Prada-Boss Patrizio Bertelli die seglerische Finesse und Eleganz von Einrumpfbooten. Also wurden die Karten mit einem neuen Bootstyp nochmals neu gemischt.

          Plattform mit Beinen: der amerikanische Renner Bilderstrecke
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          Die neuseeländischen Verteidiger vereinbarten mit dem italienischen Herausforderer für den Cup-Wettbewerb im März ’21 vor Auckland ein- statt zweirümpfige Boote, die auf Tragflächen im Tiefflug übers Wasser jagen, und zwar ohne Kiel als Ausgleich zum Winddruck. Das war bisher allein mit handlichen Jollen möglich, wo die Besatzung das Boot mit ihrem Gewicht aufrecht im Wind hält. Die neue AC75-Klasse ist aber 23 Meter lang, 5 Meter breit, knapp 8 Tonnen schwer und mit 230 bis 340 Quadratmeter Segelfläche unterwegs. Da ist mit Crewgewicht wenig auszurichten.

          Anstelle eines Bleikiels, wie er bei Segelyachten als Gegengewicht üblich ist, wird das Boot von Tragflächen aufrecht gehalten. Das geschieht mit seitlich unter dem Rumpf beweglichen Armen, an deren Enden Tragflügel mit vier Meter Spannweite angebracht sind. Der Auftrieb der Tragflügel wird wie beim Flugzeug mit Trimmklappen justiert. Auf der windabgewandten Seite erzeugen die Tragflächen bei Fahrt durchs Wasser Auftrieb. Der große Abstand von etwa fünf Metern des überschlägigen Flächenschwerpunkts der Tragfläche zur Mittellinie des Boots bietet einen wirksamen Hebel. Dabei bestimmt die Neigung des Arms neben dem Boot die Flughöhe über dem Wasser. Auf Kursen, auf denen der Wind das Boot seitlich wegdrückt, verhindern schräg angesetzte Tragflächen die Abdrift. Das ersetzt den Kiel oder das Schwert herkömmlicher Segelboote.

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