https://www.faz.net/-gy9-7zuvl

Abgase bei Zweitaktmotoren : Lasst uns mal den Auslass spülen

Bild: F.A.Z.

Der Zweitaktmotor ist wegen schlechter Abgaswerte in Verruf gekommen. Wie die Hersteller von Motorsägen zeigen, lässt sich gegen den Qualm etwas machen.

          Waldarbeiter müssen bedauernswerte Leute sein. Stundenlang hantieren sie mit gefährlichen Sägen herum, die stinken, vibrieren und knattern. Manchen kommunalen Angestellten geht es nicht viel besser, sie plagen sich mit Laubsaugern und Motorsensen. Die famosen Akkugeräte, von denen wir so begeistert sind, taugen halt noch nicht für grobe Anwendung. So bleibt den Profis nichts anderes übrig, als zum Zweitaktmotor zu greifen. Der ist zwar ausgereift, gilt aber vielen als kaum noch entwicklungsfähig. Sein schlechter Ruf ist eine Folge der schrecklichen Abgaswerte. Deshalb wurde der Zweitakter, von Mopeds und einigen Exoten abgesehen, für die zweirädrige Fortbewegung und auch als Antrieb für Boote weitgehend ausgemustert und durch kleine Viertakter ersetzt.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das war womöglich etwas voreilig. Denn der Gesetzgeber hat für Handgeräte mit Zweitaktmotor stufenweise den Schadstoffausstoß herabgesetzt und damit die technische Entwicklung befördert. Mit allerlei konstruktiven Tricks ist es den Ingenieuren gelungen, den Zweitakter heute annähernd so sauber wie den Viertakter zu bekommen. Nur hat das außerhalb der Branche kaum jemand bemerkt.

          Die Grenzwerte finden sich in amerikanischen Normen und in der europäischen Abgasrichtlinie EU2, die für Motoren von 50 Kubikzentimeter an aufwärts spätestens seit dem Jahr 2011 den Ausstoß auf 603 Gramm je Kilowattstunde Kohlenmonoxid (CO) sowie 72 Gramm Kohlenwasserstoff und Stickoxide (HC und NOx) begrenzt (für kleinere gelten etwas strengere Werte). Eine neue Norm ist in Vorbereitung, sie soll im Jahr 2019 in Kraft treten und in Anlehnung an die Autoregelung EU5 heißen. Die Werte sind indessen wegen unterschiedlicher Betriebsumstände nicht vergleichbar – Motorgeräte laufen überwiegend unter Volllast oder im Leerlauf, Autos müssen den Fahrzyklus absolvieren.

          Vorteil ist zugleich die größte Schwäche

          Den Zweitakter weiterzuentwickeln war für die Gerätebauer notwendig. Der Viertakter klingt zwar angenehmer, er ist aber schwerer und deshalb für ihren Zweck nicht gut zu gebrauchen. Der Zweitaktmotor kommt mit drei beweglichen Teilen aus und liefert schon mit jedem zweiten Takt Arbeit ab, er ist also im Leistungsgewicht nicht zu schlagen. Seine zweite Eigenschaft ist für Handgeräte ebenfalls willkommen: Es gibt keine Ölwanne, aus der Schmierstoff gezogen werden soll. Solange er sein Benzin mit (meist zwei Prozent) Ölzusatz bekommt, läuft der Zweitakter deshalb in jeder Lage.

          Der Vorzug der einfachen und leichten Konstruktion ohne aufwendigen Ventiltrieb ist zugleich die größte Schwäche. Das Verbrennungsgemisch wird über Schlitze zugeführt und wieder ausgestoßen, die vom hoch- und niedergehenden Kolben geöffnet und geschlossen werden. Daraus ergeben sich Überschneidungen, die zu Spülverlusten führen: Rund ein Fünftel bis ein Viertel des Kraftstoff-Luft-Gemischs ist schon auf dem Weg zum Auspuff, ohne verbrannt worden zu sein. Die Folge sind schlechte Abgaswerte und hoher Verbrauch.

          Was durch den Auslassschlitz will, ohne etwas geleistet zu haben, kann zum Teil durch Druckwellen im Auspuffsystem wieder in den Brennraum zurückgeschickt werden. Das funktioniert freilich nur in einem engen Drehzahlbereich – ein Grund für die relativ spitze Leistungskurve der Zweitakter. Allerlei Versuche, ihnen insgesamt eine bessere Verbrennung anzuerziehen, haben in der Vergangenheit nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. Etwa Einlasssteuerung über Drehschieber oder Membranen und nasenförmige Auswüchse auf den Kolben. Einen Durchbruch gab es erst Ende der achtziger Jahre mit dem (ungeregelten) Katalysator, den der deutsche Hersteller Stihl und sein schwedischer Konkurrent Husqvarna nahezu gleichzeitig auf den Markt gebracht haben. Er reduziert die schädlichen Abgase auf etwa ein Drittel und wird noch immer von den meisten Geräteherstellern verwendet, um die Zulassungsvoraussetzungen der EU2 einzuhalten.

          Weitere Themen

          Riesenboxer von BMW

          Prototyp R 18 : Riesenboxer von BMW

          BMW hat einen Zweizylinder-Boxer vorgestellt, der vermutlich als Antrieb für eine neue Modellfamilie mit 1800 Kubikzentimeter dienen wird. Das wird die Amerikaner freuen.

          Topmeldungen

          Überall riecht es nach Desinfektionsmittel: Ein Putzroboter auf dem Flur des Krankenhauses.

          FAZ Plus Artikel: Krankenhaus-Reportage : Die letzten Heiligen

          Sie arbeiten tagsüber, und sie arbeiten nachts. Man muss Pfleger, Schwestern und Ärzte bewundern. Wenn Krankenhäuser nicht funktionieren, wird es gefährlich. Bericht von einer 24-Stunden-Schicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.