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40 Jahre Lego Technic : Am Haken der Technikgeschichte

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2017: Offroad-Abschleppwagen (Set Nr. 42070) Bild: Hersteller

Der entschiedene Vorteil von Lego Technic war von Anfang an die Kompatibilität. Das jüngste Projekt ist ein dreiachsiger Allrad-Abschleppwagen.

          Was bitte schön war das denn für ein Baukasten? Graue Zahnräder, graue Steckverbinder, ein graues Kardangelenk, schwarze Wellen mit kreuzförmigem Querschnitt und zwei Handvoll gelber Bausteine mit Löchern drin: Klar, das war irgendwie Lego. Aber eben doch ganz anders als alles, was wir bisher kannten. So begann mit dem farblich reduzierten Baukasten Nummer 871 an Weihnachten 1977 unsere Beziehung zu Lego Technic. Im nächsten Paket wartete dann Set Nummer 851, der knallrot-lichtgraue „Farm Tractor“ – das zweite Technic-Modell in der Produktgeschichte des dänischen Klötzchenherstellers.

          Innovativ in der neuen Produktreihe, welche sich die Lego-Designer Jan Ryaa und Erik Bach seit Anfang der 1970er Jahre ausgedacht hatten, war die Adaption von Funktionen technischer Baukästen in das System der Bauklötze. Dazu gehörten punktförmige Verbindungen gleichmäßig gelochter Teile, ein Sortiment verschieden langer Wellen, außerdem Zahn- und Kronräder sowie andere Getriebekomponenten. Was seit Jahrzehnten von diversen Metallbaukästen wie Märklin, Meccano und Trix angeboten wurde, gab es nun eben auch von Lego.

          Als Verbinder der erfreulich präzisen und maßhaltigen Teile kamen aber keine Gewindeschrauben mit Muttern zum Einsatz, sondern Stecknippel mit mehr oder minder großer Klemmkraft. Das schränkt die Funktion von Lego bis heute ein, wenn die Verbindung zweier Elemente in der Achse des Nippels auf Zug belastet werden soll. Die Fischerwerke hatten sich gut zehn Jahre zuvor bei Fischertechnik für robustere, weil viel großflächigere Klemmverbindungen entschieden.

          Der entschiedene Vorteil von Lego Technic war von Anfang an die Kompatibilität: Die neuen Elemente blieben weitgehend kompatibel zum bestehenden System, dessen Bauteile allein durch die Klemmverbindung der unten offenen Steine auf den genoppten Oberflächen anderer Bauklötze miteinander verbunden werden. Vor allem für Architekturmodelle aller Art, aber auch kleinere Fahrzeugmodelle sind diese Bausteine bestens geeignet.

          2016: Porsche 911 GT3 RS (Set Nr. 42056) Bilderstrecke

          Richtig große Funktions- und Fahrzeugmodelle lassen sich mit den klassischen Klötzchen hingegen kaum verwirklichen. Das hatten auch Ryaa und Bach erkannt. So entschieden sie sich, die verfügbaren Steine zu modifizieren. Heute würden sie wahrscheinlich zu Computer und CAD-Software greifen, um bestehende Bausteine nach ihren Wünschen zu modifizieren. Damals kamen stattdessen Säge, Bohrer und anderes Werkzeug zum Einsatz. Das Ergebnis lag 1977 unter dem Weihnachtsbaum.

          Seither hat Lego die Technic-Reihe konsequent weiter ausgebaut. Das betrifft den Umfang des Teilesortiments, der mittlerweile in die Hunderte geht. Darunter sind auch auf den ersten Blick gleich aussehende Steckverbinder mit unterschiedlich stark definierter Klemmstärke. Auch neue technische Lösungen sind über die Jahre dazugekommen – beispielsweise die Pneumatik und motorbetriebene Linearaktuatoren, mit denen sich Hydrauliken nachahmen lassen. Verschiedene ferngesteuerte Motoren und Lichtbausteine sorgen für Bewegung und Effekte. Am größten sind diese Möglichkeiten wohl bei der Verbindung mit den Robotik-Modulen von Lego Mindstorms.

          In der Funktionsmodellbau-Szene gibt es zahlreiche Miniaturen komplizierter Vorbilder, die mit Lego Technic umgesetzt worden sind. Das reicht von Thomas Heatherwicks ikonischer „Rolling Bridge“ über ein historisches Hafenbecken nahe Paddington Station in London bis zum voll funktionsfähigen Nachbau des enigmatischen Mechanismus von Antikythera, einer astronomischen Uhr aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert.

          Im neuen Jahrtausend ist Technic besonders erfolgreich gewesen. Denn Lego spricht mit der Reihe zunehmend erwachsene Modellbauer als Zielgruppe an. Leitmedium dafür sind sehr umfangreiche und komplexe Bausätze. Uns haben in den vergangenen Jahren ganz besonders einige auf konkreten Vorbildern beruhende Großmodelle gefallen: Der Unimog U 400 (2011, Set Nummer 81101, 2048 Teile), der Arocs Baustellen-Lastwagen (2015, Set Nummer 42043, 2793 Teile), der Supersportwagen Porsche 911 GT3 RS (2016, Set Nummer 42056, 2704 Teile) und das Motorrad BMW R 1200 GS Adventure (2017, Set Nummer 42063, 603 Teile).

          Als Urknall dieser noch relativ jungen Tradition darf wohl der 2005 vorgestellte vierachsige Mobilkran mit der Nummer 8421 gelten. Seither gab es zahlreiche Baumaschinen und Spezialfahrzeuge. In diese Riege soll sich als neustes Großmodell nun der blaue Allrad-Abschleppwagen mit der Set-Nummer 42070 einreihen. Fertig montiert ist das Fahrzeug 63 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit und (mit ausgefahrenem Kranausleger) 51 Zentimeter hoch. Die ferngesteuerten Funktionen umfassen den Fahrmotor, das Ein- und Ausfahren der Stützfüße, den Kran und die Seilwinde. Der Bausatz aus 1862 Elementen kostet rund 200 Euro. An seinen Haken nimmt der blaue Bolide ganz nebenbei auch vier Jahrzehnte Technic-Geschichte.

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