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3D-Kino : Der zweite Anlauf in die dritte Dimension

  • -Aktualisiert am

Der Unterhaltungsfilm in 3D erlebt seine digitale Renaissance: Hollywood setzt immer mehr 3D-Projekte auf den Produktionsplan, die Kinos installieren passende Vorführsysteme. Steht das Kino der dritten Dimension jetzt vor seinem endgültigen Durchbruch?

          Seit die bewegten Bilder in den ersten Lichtspielhäusern das Laufen lernten, hat das Kino immer wieder seinen Rang als größte Illusionsmaschine der Welt verteidigt. Aus zackigem Stummfilm-Klamauk wurden große Geschichten mit gesprochenem Ton und schwelgender Musik – wenn auch zunächst noch in schnarrigem Timbre. Die prunkvollen Kino-Paläste der zwanziger Jahre versetzten selbst arme Schlucker für ein paar Stunden in die Sphären der Reichen und Schönen. Die dreißiger Jahre tauchten die Dramen des virtuellen Lebens erstmals in Farbe. Kurzum: Die Karriere des Mediums schritt von Höhepunkt zu Höhepunkt.

          Aber dann kam in den fünfziger Jahren das Fernsehen, in den Sechzigern wurde die Mattscheibe sogar noch bunt: Das Pantoffelkino sorgte für spürbare Konkurrenz. Also musste das richtige Kino nachlegen. Ben Hur und Konsorten fochten sich fortan in spektakulären Breitwand-Formaten kreuz und quer durch die Antike. Mehrkanal-Systeme begannen, dem Ton lebensnahe Tiefe zu verleihen. Und um den Zuschauer noch intensiver in die Handlung einzubeziehen, versuchte sich Hollywood erstmals auch in stereoskopischer Bild-Darstellung.

          Das Kino hat seine Herausforderer nie ganz abgehängt

          Das 3D-Kino sollte die Illusion perfektionieren und die elektronischen Herausforderer ein für allemal in die Schranken weisen. In den Vereinigten Staaten löste die Idee schon Anfang der fünfziger Jahre zunächst einen veritablen Sturm auf die Kinokassen aus, der aber ebenso schnell wieder abebbte. Denn die Zeit war noch nicht reif, die Technik noch nicht überzeugend, das Repertoire wohl auch inhaltlich zu flach.

          Und heute? Das Kino hat seine Herausforderer nie ganz abgehängt. Zwar konnte es sich mit dem Umbau von Filmpalästen zu Schachtelkinos zunächst gesundschrumpfen und mit dem Neubau von modernen, technisch hochgerüsteten Multiplexen sogar wieder zu neuer Größe aufschwingen. Aber mit der DVD eroberte Dolbys Mehrkanal-Ton auch die Wohnzimmer. Und mit der Blu ray Disc kommen Filme sogar in kinoähnlicher Detailtreue auf die Bildfläche. Das bringt Hollywood offenbar erneut in Zugzwang. Die 3D-Idee steht, so scheint es, vor einer Renaissance, diesmal mit digitalen Vorzeichen. Auf Fachmessen wie der Amsterdamer Cinema Expo oder der ShowEast in Orlando ist 3D derzeit das heißeste Thema.

          Dutzende neue 3D-Projekte in den nächsten drei Jahren

          Schon 2005 sorgte Disney mit der 3D-Version seines Animationsfilms Chicken Little (deutscher Titel: Himmel und Huhn) für Furore. Auf Animationen spezialisierte Studios wie die Digitalschmieden Dreamworks und Pixar wollen ihre Produktionen sogar ganz auf 3D umstellen. Die 3D-Neufassung des Pixar-Klassikers Toy Story, geplanter Erscheinungstermin Herbst 2009, ist vielleicht das prominenteste Beispiel. Kein Wunder eigentlich: Die Umsetzung auf 3D erledigt in der Animationswelt ein Rechenknecht, der außer passender Software, ordentlich Strom und ein paar mächtigen Festplatten nichts weiter verlangt.

          Aber auch immer mehr reale Filmproduktionen stehen im Zeichen der Plastizität: Die großen Studios weisen in ihren Veröffentlichungsplänen für die nächsten drei Jahre Dutzende neuer 3D-Projekte aus, immer öfter filmt am Set eine Kamera mit doppelten Linsensystem, oder eine zweite, separate Kamera läuft mit. In den Vereinigten Staaten sind bereits über 1000 Kinos für die 3D-Technik gerüstet. Hierzulande geht der 3D-Ausbau langsamer voran, aber immerhin haben sich zwischen Bremen und München derzeit 23 Kinos fit für den digitalen 3D-Spaß gemacht.

          Das Gehirn bringt die Bilder zur Deckung

          Steht das 3D-Kino jetzt also vor seinem endgültigen Durchbruch? Die technischen Voraussetzungen hierfür sind jedenfalls viel günstiger als in den fünfziger Jahren. Damals brauchte man zur Vorführung zwei Filmkopien – je eine, die das Bildmaterial für das rechte und das linke Auge lieferte. Denn der plastische Eindruck entsteht im Kino genau wie in der Natur: Unsere Augen fangen die Abbilder der Welt aus leicht unterschiedlicher Perspektive ein. Das Gehirn bringt die Bilder zur Deckung und entnimmt den Differenzen Informationen über die räumliche Tiefe.

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