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3D-Kino : Der zweite Anlauf in die dritte Dimension

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Es gibt aber auch einen Nachteil, der für alle Lösungen auf der Basis von polarisiertem Licht gilt: Der Kinosaal braucht eine kostspielige, silbern beschichtete Leinwand. Mit einer weißen Standard-Wand dagegen kommt das Kino aus, wenn es mit dem System XPanD arbeitet. Hier sorgen Shutter-Brillen in LCD-Technik für die abwechselnde Verdunklung der Augen. Die nötige Synchronisierung mit dem Projektor besorgen Infrarot-Signale. Das macht die Brillen teuer, und obendrein brauchen die Sichtgläser auch noch eingebaute Batterien, die nicht ewig halten.

Ein Verfahren der Daimler-Tochter

Auf lange Lebensdauer sind dagegen die Brillen eines weiteren Systems ausgelegt, mit dem sich Surround-Spezialist Dolby nun auch als Lieferant von 3D-Lösungen profiliert. Das Dolby 3D Digital Cinema genannte System kommt ebenfalls mit einer ganz normalen, weißen Leinwand zurecht. Um die Bilder abwechselnd nur dem rechten und dem linken Auge zuzuspielen, verwendet Dolby ein Verfahren, dessen Grundlagen ursprünglich von der Daimler-Tochterfima Infitec in Ulm entwickelt wurden und das auf den Namen Interferenzfilter-Technik hört – der Firmenname reduziert das sperrige Wort zum Kürzel.

Die Sache funktioniert so: Ein spezielles Farbfilter-Rad im Projektor verschiebt das Spektrum des weißen Projektionslichts Bild für Bild abwechselnd um eine Winzigkeit. Dank einer sehr schmalbandigen spektralen Filterwirkung der Brillengläser lassen sich die Bilder für das rechte und das linke Auge auf diese Weise exakt voneinander trennen – der Zuschauer nimmt sie plastisch und mit korrekten Farben wahr.

Muss Hollywood nun künftig jede 3D-Veröffentlichung in mehreren Versionen für die unterschiedlichen digitalen Vorführsysteme ausliefern? Gegen solche Zumutungen würden die Studios Sturm laufen, aber das müssen sie gar nicht: Wie digitale Filmdaten aussehen, nach welchen Kodierverfahren die Bilder aufbereitet werden, wie der Kopierschutz funktioniert – all dies ist in den Spezifikationen der Digital Cinema Initiatives (DCI) festgeschriebenen, deren jüngste, 156-seitige Version 1.2 am 10. Juni dieses Jahres veröffentlicht wurde.

3D erfordert neue Dramaturgien

Alle digitalen 3D-Vorführsysteme können DCI-konforme Filme als Rohstoff verarbeiten. Sofern sie überhaupt die Digitalsignale modifizieren müssen, erledigen die Vorführ-Server diesen Job in Echtzeit. Das digitale 3D-Kino braucht auch keine besonderen Projektoren: Fast alle digitalen Lichtspielhäuser arbeiten derzeit mit Geräten, in denen reflektierende DLP-Chips die Bilder erzeugen – mit 2k-Auflösung, das bedeutet, eine Bildzeile besteht aus 2048 Bildpunkten. Der proprietäre Anteil der 3D-Vorführsysteme besteht also lediglich in speziellen Servern samt Software und in Bausätzen zur Modifikation der digitalen Standard-Projektoren. Das bedeutet unter anderem: Ein 3D-tüchtiges Digitalkino kann ohne Umbauten und Zeitverzug zwischen 3D- und 2D-Vorführungen wechseln.

Ob dem zweiten Start in die dritte Dimension ein nachhaltiger Erfolg beschieden sein wird, steht vorerst in den Sternen. Das wird nicht zuletzt von überzeugendem Repertoire abhängen. Vielleicht lassen Effekthascherei und Spektakel zunächst die Kinokassen klingeln, aber solche Erfolge tragen nicht auf Dauer. Und nicht jedes Sujet taugt wirklich zur plastischen Abbildung; Naturaufnahmen, etwa im Gebirge oder unter Wasser, können in 3D begeistern, Szenen in geschlossenen Räumen eher befremden. 3D erfordert auch neue Dramaturgien, zum Beispiel solche, die nur mit wenigen Schnitten auskommen. Denn nach jedem Cut bricht die 3D-Illusion zunächst zusammen; das Gehirn baut sie erst mit Verzögerung wieder auf. Dies alles legt den Schluss nahe: 3D kann das Kino bereichern, aber es wird die 2D-Perspektive nicht in der gleichen Weise ablösen wie der Farbfilm die Schwarzweiß-Ära.

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