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Vorteile beim Schuhkauf : 3D-Scanner für Kinderfüße

  • -Aktualisiert am

Neben der Messung lassen sich mit 3D-Fußscannern auch Prognosen erstellen. Bild: Schramm

Fast 80 Prozent der Kinder tragen die falsche Schuhgröße. Ein neuer 3D-Fußscanner könnte damit Schluss machen und den Schuhkauf vereinfachen – auch für Erwachsene.

          Dass fast 80 Prozent der Kinder die falsche Schuhgröße tragen sollen, ruft oft ungläubiges Staunen hervor. Aber in regelmäßigen Abständen hört man von Studien, die das nachweisen. Nicht wenige Eltern übersehen, dass Kinderfüße je nach Alter um bis zu drei Größen im Jahr wachsen können. Die Messbretter in den Schuhgeschäften helfen da nicht weiter. Wenigstens sind sie nicht so schädlich wie die Röntgengeräte, die in den fünfziger Jahren in Schuhgeschäften standen.

          Die Kinder waren fasziniert davon, ihre Fußknochen durch das Sichtfenster zu sehen. Glücklicherweise wurden diese Apparate schnell aus dem Verkehr gezogen, zum Bedauern der Kinder. Der Spaß könnte jetzt wiederbelebt werden - mit einem neuen 3D-Fußscanner, den das auf Bildverarbeitung spezialisierte Unternehmen Vitronic entwickelt hat. Er soll als Bestandteil des Empfehlungssystems Safe Size für die richtige Schuhgröße sorgen. Das System beruht auf einer großen Menge Daten, die nach orthopädischen und medizinischen Richtlinien erfasst wurden, darunter vor allem Wachstumsprognosen von Kinderfüßen.

          Der erste Schritt ist das Scannen der Füße, was über einen Tablet-PC unkompliziert möglich ist. Das Kind stellt sich ins Gerät, mit der Tablet-Kamera werden die Aufnahmen gemäß der hinterlegten Software geschossen, fertig. Das ist wichtig für den Handel, der damit schnell und einfach zu präzisen Ergebnissen kommt. Der Scanner arbeitet mit Optikkomponenten und braucht keinen Stromanschluss.

          Zweiter Schritt ist der Vergleich des Fußscans mit den Daten des Safe-Size-Systems. Diese Datenbank - gespeichert in der Wolke - enthält die Innenmaße der angebotenen Schuhe. Ist der Fuß vermessen, holt sich der Tablet über Wifi die 3D-Daten des Schuhs aus der Cloud und kann so die richtige Größe ermitteln. Darüber hinaus erhält der Verkäufer eine Wachstumsprognose für den Kinderfuß anhand der Daten aus der 3D-Vermessung.

          Bereits in Geschäften eingesetzt

          Beim Abgleich mit dem Fußscan erkennt man in Sekunden, dass etwa ein Schuh in einer bestimmten Größe heute optimal passt und auch nach drei Monaten noch, aber nach fünf Monaten wird er vorn schon drücken und nach sieben Monaten endgültig zu klein sein. Die Darstellung wechselt dabei von Grün für passend bis Rot für zu klein, ein zu großer Schuh würde blau angezeigt. Der 3D-Fußscanner wird bereits in mehreren Schuhgeschäften eingesetzt.

          Der 3D-Fußscan könnte auch für Erwachsene interessant werden, denn immer mehr große Händler lassen neue Schuhmodelle innen vermessen. Dabei wird das Material berücksichtigt, aus dem sie bestehen, weil das für die individuelle Größenempfindung des Kunden wichtig ist. Das Obermaterial bestimmt zum Beispiel, ob sich ein Schuh sofort oder erst mit der Zeit etwas weitet. Basis dafür sind Werte einer Druckmessung eines Fußes im jeweiligen Schuhmodell.

          Es wäre viel gewonnen

          Aus all diesen Daten speist sich das Empfehlungssystem Safe Size. Die Innenvermessung von Schuhen, die heute überwiegend in Fernost produziert werden, wurde seinerzeit eingeführt als Qualitäts- und Größenkontrolle. Früher wussten gute Verkäufer meist, dass ein Schuh dieser oder jener Marke größer oder kleiner ausfällt als üblich, heute müssen das die Kunden durch Anprobieren verschiedener Größen selbst herausfinden.

          Wenn daher heute ein Erwachsener seine Füße scannen lässt und das Ergebnis im Laden hinterlegt, kann ihm für sein gewünschtes Modell immer die passende Größe gebracht werden. Man mag dagegenhalten, dass damit eine hohe Kundenbindung einhergehen muss. Andererseits verkaufen die großen Schuhhäuser auch online, und wenn das System nur dazu führt, dass Kunden nicht mehr drei Paar zur Probe bestellen und dann zwei zurückschicken, dann wäre wohl auch schon viel gewonnen.

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