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125 Jahre Spülmaschine : Als der Abwasch komfortabel wurde

  • -Aktualisiert am

Bild: Archive Mary Evans

Die Spülmaschine wird 125 Jahre. An dem Reinigungsprinzip hat sich nicht allzu viel geändert. Sparsamer und wirtschaftlicher ist sie hingegen schon.

          Im Jahr 1886 war es die Amerikanerin Josephine Cochran leid, ständig vor gewaltigen Geschirrbergen zu stehen und diese von Hand abwaschen zu müssen. Also erfand sie kurzerhand eine Maschine, die spült, meldete sie beim Patentamt an und geht somit nicht nur als Erfinderin der Spülmaschine in die Geschichtsbücher ein, sondern auch als erste Frau, die überhaupt ein Patent eingereicht hat.

          „Ihre Spülmaschine war ein Kupferkessel, in dem sich ein Rad durch einen Motor drehte. Das Geschirr wurde in passenden Drahtkörben hineingestellt und von heißem Seifenwasser gespült“, erläutert Frank Hüther, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Die Moderne Küche“ (AMK). Nach Cochrans Plänen wurden 1893 auch die ersten Prototypen auf der Weltausstellung in Chicago vorgestellt und mit dem Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung“ ausgezeichnet. Fünfundzwanzig Jahre nach ihrer Erfindung, die bis heute Generationen von Hausfrauen, Hausmännern und Gastronomiespülern das Leben erleichtert, starb Josephine Cochran 1913 im Alter von 74 Jahren.

          Doch zunächst stockte die großflächige Verbreitung der praktischen Spülmaschine im Mutterland Amerika; denn sie war zu teuer. „Die sensationelle Technik musste erst einmal ihre Hersteller finden. Außerdem verhinderten die niedrigen Lohnkosten der Tellerwäscher die Wachstumspläne der Produzenten“, sagt Hüther.

          Verkaufsschlager vieler west- und ostdeutscher Hersteller

          1929 war Deutschland dann das erste europäische Land, in dem die elektrische Spülmaschine auf den Markt kam. Krieg und Armut verhinderten aber auch hierzulande eine schnelle Verbreitung. „Noch in den fünfziger Jahren galten Spülmaschinen als absolutes Luxusgut“, sagt Hüther. „Und nicht nur das, sie galten generell als entbehrlich, weil das Selbstverständnis der Hausfrauen im Wirtschaftswunder noch überaus traditionell geprägt war. Es gehörte zur originären Aufgabe der Frau, sich mit Spülen und Polieren des Geschirrs höchstselbst zu plagen.“ Erst im Zuge der gesellschaftlichen Aufbrüche der sechziger Jahre habe dann auch die Spülmaschine in Deutschland ihren Siegeszug angetreten. In den 1970er Jahren wurden sie schließlich zum Verkaufsschlager vieler west- und ostdeutscher Hersteller.

          Wer macht den Abwasch? Frühe technische Antwort auf die ewig gleiche Frage

          Die Maschinen werden zwar technisch immer aufwendiger und sind inzwischen kleine Hightech-Wunder. „Vom Prinzip her wirken beim Spülen aber immer noch wie bei den frühen Modellen die drei Faktoren Wasserdruck, Temperatur und Reinigungsmittel auf das Geschirr“, weiß Hüther. „Die rotierenden Düsen in der Maschine pressen die alkalische Spüllauge gegen die Geschirrteile und das Besteck. Der hohe pH-Wert des Wasser-Spülmittel-Gemischs ist genauso wichtig zum Lösen des Fettes und Schmutzes wie der Wasserdruck und dessen Temperatur.“ Heiße Durchläufe helfen vor allem bei verfettetem und angetrocknetem Geschirr, leichten Schmutz lösen niedrigere Temperaturen von Tellern & Co.

          Zeolith-Trocknungstechnik

          Haushalts-Spülmaschinen benötigen heute im Normalprogramm etwa zwei Stunden. „Das ist zwar länger als früher, liegt aber daran, dass mit wesentlich weniger Wasser und Elektrizität gespült wird“, erläutert Hüther. In den vergangenen 15 Jahren sank der Energieverbrauch bei Geschirrspülern durchschnittlich um bis zu 47 Prozent. Hilfreich für Konsumenten sei das europäische Energieverbrauchslabel, welches durch die Einteilung in Klassen auf den ersten Blick Auskunft darüber gibt, wie viel Energie der Geschirrspüler tatsächlich verbraucht: „Auf dem Label ist immer der durchschnittliche Jahresenergieverbrauch für 280 Spülzyklen im Normalprogramm ausgewiesen. Außerdem findet man dort Hinweise zum jährlichen Wasserverbrauch und zur Trockenwirkung“. Viele Spülmaschinen der neuen Generation können inzwischen direkt an die Warmwasserleitung angeschlossen werden. Das spart Strom und ist immer dann sinnvoll, wenn die Warmwasseraufbereitung besonders energieeffizient etwa mit einer modernen Gas- oder Ölheizung oder mit einer Solaranlage erfolgt.

          Der aktuelle technische Clou bei Spülmaschinen ist unterdessen die Zeolith-Trocknungstechnik: Dabei nehmen kleine Mineralkügelchen die Feuchtigkeit auf und wandeln sie in Wärmeenergie um, die wiederum zum Trocknen verwendet wird. „Der Geschirrspüler benötigt für 13 Maßgedecke dann nur noch sieben Liter Wasser“, berichtet Hüther. Vor 15 Jahren waren noch mehr als doppelt so viel nötig: knapp 16 Liter.

          Rund zwei von drei Haushalten haben eine Spülmaschine

          Die Geschirrspüler werden im Übrigen nicht nur immer sparsamer, sondern auch immer leiser. Einige Hersteller markieren eine arbeitende Maschine bereits mit einem roten Lichtpunkt auf dem Boden, um zu verhindern, dass man sie versehentlich öffnet, weil sie so lautlos läuft. Eine weitere Entwicklung im Küchenbau ist es, die Spülmaschinen höher einzubauen, was das Ein- und Ausräumen bequemer macht. Auch 90 Zentimeter breite Geräte sind im Angebot, und selbstverständlich auch die schmalen 45-Zentimeter-Modelle für die kleine Küche oder den Single-Haushalt. Die können genauso viel wie die großen. Auch hier gibt es mittlerweile in den Top-Modellen drei Etagen. Was bei Miele vor Jahren mit der Besteckschublade begann, kann heute als leicht V-förmige Etage auch andere Kleinteile wie etwa Espressotässchen aufnehmen.

          Wenn auch der Siegeszug des Küchenhelfers etwas schleppend anfing, ist er doch inzwischen aus vielen privaten Küchen nicht mehr wegzudenken: Dem Statistischen Bundesamt zufolge haben rund zwei von drei Haushalten in Deutschland eine Spülmaschine. Dank der modernen Elektronik sind die Geräte sogar ökologisch „korrekter“, weil wirtschaftlicher als das klassische Spülen von Hand: „Das würde Frau Cochran bestimmt freuen“, vermutet Hüther. „Glücklicherweise hatte sie die Idee und später den Mut, trotz heftigen Widerstands ihres Küchenpersonals an der Entwicklung der Spülmaschine festzuhalten.“

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