https://www.faz.net/-gy9-9rxwc

Tech-Talk : Sündenböcke

  • -Aktualisiert am

Wenn es einen Sündenbock auf vier Rädern gibt, dann ist es das SUV. Doch was soll an einem solchen Auto schlimm sein?

          1 Min.

          Wenn es einen Sündenbock auf vier Rädern gibt, dann ist es das SUV. Der Name Sports Utility Vehicle sollte einst ein Lebensgefühl mit Freizeit und Freiheit symbolisieren, doch wegen der Neider ist dieses Emblem nun ein Bumerang. Mit den Etiketten „gefährlich“ und „schädlich“ wird das SUV von seinen Feinden verteufelt, ohne dass ganz klar wäre, was genau ein SUV eigentlich ist.

          Es stimmt schon, dass manche schwer sind. Und die kinetische Energie bei einem Unfall berechnet sich aus dem Gewicht multipliziert mit der Geschwindigkeit zum Quadrat. Doch schon immer haben sich wohlhabende Autokunden ein teureres und schwereres Auto gekauft, ob SUV oder Limousine, fällt da nicht ins Gewicht.

          Und sollen die Kritiker doch mal beantworten, wie denn mit den noch schwereren und oft von hektischen, telefonierenden Fahrern gesteuerten Lieferwagen umzugehen ist? Dann wären da noch die Elektroautos. Allein das Batteriepaket der neuesten deutschen Modelle wiegt um die 600 Kilogramm. Das ganze Fahrzeug bringt dann mehr Kilo auf die Waage als viele SUV.

          Bei einem Unfall mit einem Elektroauto – die sind oft auch etwas höher wegen der unten eingebauten Batterien – oder mit einem der seltenen richtig großen SUV ist also der Effekt der gleiche. Warum also gibt es in den Augen vieler Kommentatoren nur einen Bösewicht?

          Dabei erlaubt auch die Konstruktion des SUV, eine weichere Schnauze einzubauen als bei einem Lieferwagen und eine nachgiebige Motorhaube. Zwar sollte moderne Technik auch im SUV Zusammenstöße mit Fußgängern verhindern oder lindern. Wenn es aber so weit kommen sollte, dann bietet es wegen seiner größeren Bodenfreiheit einem auf dem Boden liegenden Menschen oder Kind vielleicht noch Raum und damit eine höhere Überlebenschance.

          Ein SUV ist praktisch, es hat viel Platz und Transportmöglichkeiten auf kurzer Verkehrsfläche. Darum ist es für viele Autofahrer längst nicht mehr Prestigeobjekt, sondern Arbeitspferd im Alltag. Was soll daran schlimm sein?

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Johnson verspricht Austritt im Januar Video-Seite öffnen

          Brexit : Johnson verspricht Austritt im Januar

          Wenn er bei der Parlamentswahl am 12. Dezember im Amt bestätigt wird, dann werde er umgehend damit beginnen, seine mit der EU erzielte Brexit-Vereinbarung durchs britische Unterhaus zu bringen, sagt Johnson.

          Topmeldungen

          Wahl in Nordirland : Selbst die Grenze hat eine Stimme

          In Nordirland hilft nur noch Galgenhumor: Die britische Provinz fühlt sich von allen Seiten verkauft. Die bitterste Ironie ist die Zwickmühle, in die Boris Johnson die nordirischen Konservativen gebracht hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.