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Suchmaschine : Google demaskiert

  • -Aktualisiert am

Vom Geheimtipp zum nervenden Standard: Die Suchergebnisse auf Google werden zunehmend schlechter. Die brutale Kraftmeierei des Unternehmens ist nur ein Grund.

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          Wir haben es noch genau im Ohr: „Probier’ doch mal Google!“ Das raunzte man sich wie einen Geheimtipp zu, damals am Ende der neunziger Jahre. Google war der kleine Newcomer mit viel Charme, sehr guten Suchergebnissen und vor allem: einem dezenten Auftritt, der den Nutzer in den Vordergrund rückte und nicht sich selbst. Google war so, wie man sich ein ideales Unternehmen vorstellte, und sein Motto „sei nicht böse“ brachte die Leitidee des Andersseins auf den Punkt.

          Bis heute findet man auf den Unternehmensseiten von Google schöne Bekenntnisse der Art: „Ein gutes Produkt nötigt Nutzer nicht dazu, Funktionen zu verwenden.“ Das alles sind jedoch nur noch Floskeln ohne Wert. Google hat die Maske fallen lassen und zeigt jetzt genau jenes Gesicht, das seine Kritiker schon immer hinter der freundlichen Fassade vermutet hatten. Hehre Ideale wurden aufgegeben. Google agiert heute nicht anders als ein Mobilfunker oder eine Versicherung. Man muss ins Kleingedruckte gucken und stößt dort auf Irritierendes. Etwa beim Datenschutz.

          An jeder Ecke wird man jetzt auf Google+ hingewiesen

          Auf den Web-Sites von Google gibt es neuerdings nervende Aufdringlichkeiten. Etwa die obere Statusleiste, die im Unterschied zu einer Werkzeugleiste (Toolbar) nicht entfernbar ist. An jeder Ecke wird man jetzt auf Google+ hingewiesen, auf das hauseigene soziale Netzwerk. Selbst in der E-Mail oder im Google Reader lenkt eine fette rote Ziffer auf neue Nachrichten in Google+ hin. Man wird im Arbeitsfluss unterbrochen, und das ist gewollt.

          Zur Erinnerung: Google ist groß geworden, weil es in den neunziger Jahren auf jene nötigende Penetranz verzichtete, die es nun seinen Diensten überstülpt. Dass die Suchergebnisse von Google zunehmend schlechter werden, weil auch hier mit brutaler Kraftmeierei die Inhalte von Google+ in den Vordergrund gerückt werden, sei nur am Rande erwähnt. Ebenso der jüngste Browser-Skandal bei den Privatsphäre-Einstellungen. Und so schließt sich der Kreis. „Probier’ doch mal Duckduckgo“ lautet übrigens der neue Geheimtipp für Suchmaschinen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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