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Tech-Talk : Stromwärts

  • -Aktualisiert am

Mit dem Elektroauto wird vieles, aber nicht alles anders. Doch das Reisen wird sich verändern. Einfach drauf los fahren geht nicht, jede längere Tour will gut geplant sein.

          1 Min.

          Die Elektromobilität ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, heißt es jetzt immer öfter. Das mag in weiten Teilen stimmen, klar muss aber auch sein, dass vor allem das Elektroauto noch sehr lange brauchen wird, bis es 1:1 das Verbrenner-Fahrzeug ersetzen kann. Wenn es überhaupt so weit kommt. Die Fragen, wo das viele Lithium herkommen soll und was wir mit den alten Akkus machen werden, stellen wir jetzt gar nicht. Denn sobald es um die Schnelligkeit des Reisens geht, ist es mit dem Elektroauto nämlich vorbei.

          600 Kilometer von München nach Zagreb fuhr unlängst ein Kollege im Porsche Taycan und berichtete an prominenter Stelle. Was einem Diesel-Fahrer ein müdes Lächeln bereitet – die Tour hätte er im Zweifel in einem Rutsch gemacht –, brachte den Taycan-Piloten halbwegs zur Verzweiflung. Trotz riesiger Akkus musste er dreimal zum Laden anhalten, und so schnell wie versprochen flossen die Ströme auch nicht in die Batterie. Ganz abgesehen vom Ärger mit den Ladesäulen, die sich nicht immer auf Anhieb aktivieren ließen.

          Ohne fremde Hilfe wäre die Tour sogar vielleicht gescheitert. Es geht eben nichts über Tanken in fünf Minuten, da wird das Elektroauto nie hinkommen. Wir werden uns ein anderes Reisen angewöhnen müssen. Mehr Zeit nehmen, Ladestopps planen, nicht einfach drauflosfahren. Je weiter und ferner das Ziel, desto spannender wird die Reise. Der Sohn will im Herbst zum Studieren nach Warschau. Seinen Bruder haben wir damals nach England gefahren. Die Fähre und der Linksverkehr waren das Abenteuer, jetzt wollen wir das mit einem Elektroauto versuchen. Mehr Abenteuer geht kaum.

          Boris Schmidt
          (fbs.), Technik & Motor, Wirtschaft

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