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Stop Online Piracy Act : Wikipedia schaltet aus Protest englischsprachige Seite ab

Englischsprachige Wikipedia wird aus Protest abgeschaltet Bild: dpa

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia verschwindet für 24 Stunden aus dem Internet - zumindest die englische Ausgabe. Grund für die Abschaltung sind zwei geplante Gesetze, mit deren Hilfe gegen Anbieter von Raubkopien vorgegangen werden soll.

          Das populäre Online-Lexikon Wikipedia will mit einer spektakulären Aktion ein Zeichen gegen zwei amerikanische Gesetzentwürfe setzen, mit denen Internetpiraterie eingedämmt werden soll: Die englischsprachige Version von Wikipedia soll am Mittwoch für 24 Stunden abgeschaltet werden. Die Betreiberin der Wikipedia-Seiten, die gemeinnützige Wikimedia-Stiftung, erklärte, mit dieser „noch nie dagewesenen Entscheidung“ solle gegen zwei Gesetze protestiert werden, die „dem freien und offenen Internet Schaden zufügen.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wikipedia wird mit dem Protest nicht alleine sein: Eine Reihe kleinerer amerikanischer Internetseiten wie Reddit oder Boingboing haben ebenfalls eine Abschaltung ihrer Dienste für Mittwoch angekündigt. Unklar blieb zunächst, ob sich auch einige andere der ganz großen Internetadressen wie Google, Facebook oder Twitter dem Protest anschließen. Diese Unternehmen äußerten sich bis zum Dienstag nicht zu der Protestaktion. Sie haben sich allerdings in den vergangenen Wochen ebenfalls gegen diese Gesetzesentwürfe ausgesprochen.

          In der Auseinandersetzung geht es um den sogenannten Stop Online Piracy Act und den Protect IP Act. Diese beiden Gesetzesentwürfe werden gerade vom amerikanischen Kongress debattiert. Unterstützt werden diese Gesetze vor allem von der amerikanischen Medienindustrie, die sich davon ein Instrument gegen die illegale kostenlose Verbreitung ihrer Inhalte im Internet erhofft. Auf der Gegenseite stehen Internetkonzerne wie Google, die einen Eingriff in die Freiheit des Internet fürchten.

          Rupert Murdoch, der Vorstandsvorsitzende des ansonsten sehr technologiefreundlichen Medienkonzerns News Corp., hatte den Ton der Diskussion am Wochenende mit einem Eintrag auf seiner Twitter-Seite verschärft, in dem er Google als „Anführer der Piraterie“ bezeichnete.

          „Ich hoffe, Wikipedia wird die Telefonsysteme in Washington am Mittwoch zum Schmelzen bringen“:  Wikipedia-Gründer Jimmy Wales

          Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hofft, mit seiner Aktion Druck auf die Politiker im Kongress auszuüben und die Nutzer der Seite dazu zu bringen, sich in die Debatte einzumischen. „Ich hoffe, Wikipedia wird die Telefonsysteme in Washington am Mittwoch zum Schmelzen bringen“, schrieb Wales in einem Twitter-Eintrag. Nach seinen Worten würden die Gesetze dafür sorgen, dass Wikipedia oder andere Seiten wie Suchmaschinen nicht mehr so frei wie bisher auf andere Seiten weiterverweisen könnten, was einer Zensur gleichkäme. In einem Interview mit der „New York Times“ sagte Wales, dass Wikipedia bei Inkrafttreten der Gesetze zum Beispiel zwar weiter über die Geschichte der Internetseite „Pirate Bay“ schreiben könne, der Piraterie vorgeworfen wurde. Wikipedia könne aber nicht mehr mit einem Link auf die Seite verweisen. Die Abschaltung am Mittwoch betrifft nur die englischsprachige Verison, die deutsche und andere nicht-englischsprachige Wikipedia-Seiten sind von dem Protest unberührt.

          Die Gesetzesentwürfe haben in den vergangenen Tagen allerdings an Unterstützung aus der Politik verloren. So haben sich am Wochenende mehrere Technikexperten des Weißen Hauses gegen die Gesetze ausgesprochen, wenn sie Zensur begünstigen oder die Sicherheit im Internet gefährden. Auch aus dem amerikanischen Kongress gab es zuletzt vermehrt kritische Stimmen zu den Gesetzen.

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