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Schlusslicht : Stern unter Strom

Stuttgarter Dreigestern: Die elektrische Flotte nimmt 2021 Fahrt auf. Bild: Hersteller

Mercedes-Benz folgt fortan der Strategie „Electric First“. Dass die allein technischer Überzeugung geschuldet ist, darf bezweifelt werden. Und es gibt smarte Opfer.

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          Wer noch Zweifel hat, dass die automobile Zukunft elektrisch sein wird oder wegen politischer Vorgaben sein muss, werfe einen Blick auf die Ankündigung von Mercedes-Benz in dieser Woche. Die Luxusmarke im Zeichen des Sterns folgt fortan der Strategie „Electric First“. Unmittelbar sind damit neben den halbernst gemachten Derivaten von A-, B-, V- und T-Klasse vier neue Elektrofahrzeuge gemeint, die auf einer eigenen Electric Vehicle Architecture aufbauen. Die elektrische S-Klasse unter der Bezeichnung EQS macht 2021 den Anfang, Mercedes verspricht 700 Kilometer Reichweite nach Norm. Folgen sollen EQE, EQS-SUV und EQE-SUV. Die Submarken AMG, Maybach und G werden gleichsam elektrifiziert. Auf Basis einer zweiten elektrischen Plattform, der Mercedes Modular Architecture für Fahrzeuge der Kompakt- und Mittelklasse, kommen von 2025 an weitere Modelle.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Daimler wird nach Angaben seines Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius noch mehr Ressourcen in Elektroantriebe umschichten und in Technik zur Erhöhung der Reichweite und Effizienz investieren. Die nächste Generation von Elektromotoren wird in Eigenregie entwickelt. Natürlich weiß Daimler, was Tesla-Chef Elon Musk die Woche zuvor auf seinem Batterie-Tag berichtet hat: Tesla arbeitet an einer neuen Batterietechnik, die günstiger und leistungsfähiger sein soll. Denn bislang sind Autos mit Akkus teuer, nur etwas für die Oberschicht, die Ladezeiten sind zu lang und die Reichweiten für den Einsatz als Erstauto zu gering. Der Erfinder des Automobils ist sich dessen selbstredend bewusst, und so muss man an die Ankündigungen von Daimler wie an die von Tesla einen Zeitstempel von einigen Jahren hängen. Aber das Ziel ist ausgegeben, man wird Källenius daran messen: In einem Technologieprogramm mit dem verheißungsvollen Namen Vision EQXX sollen funktionsübergreifende Teams in Stuttgart neue Materialien und Produktionsprozesse möglichst rasch zur Serienreife entwickeln, unterstützt von Spezialisten aus der Formel 1, in der Mercedes bekanntlich die Konkurrenz in Grund und Boden fährt.

          Dass diese Strategie allein technischen Überzeugungen geschuldet ist, darf bezweifelt werden, selbst unter der Annahme, dass der Schwede Källenius noch grüner denkt als andere Industriechefs. Zur Einordnung hilft es, in den Wirtschaftsteil dieser Zeitung zu blicken. Dort stand Anfang der Woche eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zu lesen, die unter den als gesamtwirtschaftlich schädlich eingestuften Subventionen von sage und schreibe 21,7 Milliarden Euro auch die 850 Millionen Euro zur Förderung der Elektromobilität zählt. „Es geht uns nicht um Kritik an der Elektromobilität per se, sondern um Kritik am Zustandekommen der Förderung, bei der sich der Staat durch das Küren einer Zukunftstechnologie per Beschluss ein Wissen anmaßt, das er nicht haben kann“, moniert der Studienautor. Und der in der F.A.Z. für Wirtschaft zuständige Herausgeber ordnet in einem Kommentar den Rahmen: „Es gäbe gute Gründe, die Subventionen zu reduzieren. In Deutschland wie in Europa geht es aber leider in die falsche Richtung.“

          In der Technik womöglich auch, es gibt Kollateralschäden. Ausgerechnet von der Kleinwagenmarke Smart, prädestiniert für (elektrischen) Stadtverkehr, ist in der Daimler-Strategie gar keine Rede mehr.

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