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Sportwagen : Aus Liebe zur Sehnsucht, die man nicht kannte

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Geschlossene Gesellschaft: Wiesmann GT Bild: Wiesmann

Exakte Ledernähte, von Hand geknüpfte Kabelbäume: Für die Brüder Friedhelm und Martin Wiesman ist der Traum vom eigenen Sportwagen Wirklichkeit geworden. Nach ihrem Roadster kommt nun der geschlossene GT. Ein Besuch in der Wiesmann-Manufaktur in Dülmen.

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          Nach Dülmen kommt man meistens wegen der ziemlich einzigartigen Wildpferde. Seit zwölf Jahren kann man dort eine besondere Art von wilden Pferden besuchen: In einem sehr gewöhnlichen Industriegebiet gibt es eine sehr ungewöhnliche Manufaktur. Hier werden Autos gebaut, die von einer Schönheit sind, wie man sie bei modern gezeichneten Vehikeln in der Großserie nicht mehr findet. Der Wiesmann Roadster und der Wiesmann GT erfüllen Sehnsüchte und sind damit erfolgreich.

          In der knapp dimensionierten Fertigungshalle halten sich Roadster und GT in unterschiedlichen Daseinsformen auf. Einige sind im "Werk", weil es Kunden gibt, die ihr Auto hier zum Service abgegeben haben. Andere existieren noch ohne Karosserie, ein GT trägt nur seinen entzückenden Rücken, ein Roadster träumt vom nächsten Sommer und einem Abschied vom herbstlich-nebligen Dülmen. In der Halle wird konzentriert und ohne Hektik gearbeitet. In Nebenräumen werden exakte Ledernähte gesetzt. Ein Mann knüpft Kabelbäume. Eine Schraube wird sorgfältig angezogen. Eine Fließbandatmosphäre kommt hier so schnell nicht auf. In einer Ecke steht ein Espressoautomat. Doch es werden hier für das Jahr 2005 immerhin 76 Roadster und 16 GT-Exemplare gefertigt. Alle in Handarbeit.

          Der Betrachter wird sich seiner Gefühle bewußt

          Das haben die Brüder Friedhelm (kümmert sich um das Kaufmännische) und Martin Wiesmann (ist Techniker, Entwickler und Designer) von Anfang an so geplant. Eine "Manufaktur" sollte es werden, nach ihren eigenen Plänen und Ideen. Sie wollten einen Roadster bauen, der anders war als die anderen offenen Autos, und er sollte nicht historisierend, sondern einfach klassisch sein. Das beschließt sich so einfach. Immerhin gingen dann noch acht Jahre der Arbeit (man verdiente damals und auch jetzt noch gutes Geld mit speziell angefertigten Hardtops für Seriencabrios) und des Planens ins Land, ehe der erste offene Wiesmann 1995 auf die Räder kam. Das Ergebnis war überzeugend. Den meisten Menschen mit Freude am Auto bleibt noch heute, zehn Jahre später, der Mund offen nach dem ersten Blick. Jeder Wiesmann trägt ein Design, das die feinen Haare im Nacken aufstellen kann. Nicht nur bei Männern.

          Geschlossene Gesellschaft: Wiesmann GT Bilderstrecke
          Sportwagen : Aus Liebe zur Sehnsucht, die man nicht kannte

          Die Formensprache des Roadsters erinnert vage an jene Tage der Faszination, die weit zurückliegen. Sie weckt Sehnsüchte, von denen man bisher nichts wußte. Man trägt undeutliche Bilder aus der Vergangenheit der britischen Autos mit sich herum, die eine Mischung sind aus Triumph, MG, Austin Healey und frühen Jaguars. Aber der offene Wiesmann ist kein Abziehbild, er nimmt sich auch keineswegs die alten Autos als Vorbild, er ist ja nirgendwo nostalgisch. Er bildet vielmehr jene Gefühle ab, die sich bei seinem Anblick wie von selbst einstellen. So wie Franz Marc zwar Pferde und Rehe gezeichnet hat, die als solche zu erkennen sind, aber was man wirklich spürt beim Blick auf die Bilder sind die Gefühle der Tiere. Und der Betrachter wird sich seiner Gefühle bewußt. Ähnlich ist das mit den Wiesmann-Autos, auch wenn wir um die Gewagtheit dieses Vergleichs durchaus wissen.

          Auch konstruktiv ein ganz anderes Auto

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