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Spähaktionen : Krokodilstränen

  • -Aktualisiert am

Die Bundesregierung selbst hat Tür und Tor für Mitleser weit aufgesperrt - und sich alle kritischen Hinweise von Fachmedien und IT-Experten verbeten.

          Ein Gutes hat der Skandal um die Abhöraktionen des amerikanischen Geheimdienstes: Die Behauptung, dass der E-Postbrief oder De-Mail vertraulich oder gar abhörsicher seien, ist damit endgültig vom Tisch. Denn beide Angebote verzichten auf eine durchgehende „Ende zu Ende“-Verschlüsselung vom Absender bis zum Empfänger. Vielmehr können Anbieter die E-Mails auf ihrem Weg zwischen beiden Punkten entschlüsseln und damit lesen.

          Nun ist die Bundesregierung in die Pflicht genommen. Sie hat im Frühjahr unsichere Verschlüsselungsverfahren per Gesetz für sicher erklärt, ein Treppenwitz der Weltgeschichte. Will man an elektronischer Kommunikation für Behörden und Verwaltungen festhalten, müssen das De-Mail-Gesetz und weitere Vorschriften sofort geändert werden.

          Lässt man alles beim Alten, wie zu befürchten ist, sind „Verwunderung und Befremden“ über die amerikanischen Spähaktionen in Deutschland nicht ernst zu nehmen. Denn die Bundesregierung selbst hat Tür und Tor für Mitleser weit aufgesperrt - und sich alle kritischen Hinweise von Fachmedien und IT-Experten verbeten.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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