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Navigation für die Fahrradtour : Das Smartphone radelt mit

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Fahrrad-Navigation an sich ist nämlich keineswegs trivial. Das Fortbewegungstempo ist relativ hoch, doch die Kanalisierung des Fahrradverkehrs auf bestimmte Verbindungen zwischen zwei Punkten ist fast so gering wie bei einem Fußgänger. Zudem kann der Radfahrer sich ohne jede Verzögerung jederzeit in einen Wanderer verwandeln, um - womöglich nicht einmal als solche existierende - Wege schiebend als kürzeste Verbindung zu benutzen. Andererseits sind für den Radfahrer viele Parameter wie Wegbeschaffenheit, Steigungen, motorisierte Verkehrsdichte oder das Wetter wesentlich wichtiger als für den Autofahrer. Dabei erhält der Radfahrer jedoch viel weniger Informationen auf seiner Strecke durch Wegweiser oder verkehrslenkende Maßnahmen.

Über Nacht kann eine Fahrradroute schnell unpassierbar werden

So kommt es, dass man sich gewaltig vertun kann: Auf dem Kartenbild sieht eine Verbindung schnell und direkt aus. Noch dazu wurde sie von einer regionalen Behörde als Radroute mit einem netten Namen und postkartengroßen Markierungen an jedem zweiten Laternenpfahl empfohlen. Deshalb wird sie auch in gedruckten Fahrradkarten oder von dezidierten Fahrrad-Navis hervorgehoben. Und doch kann sich ein unbefestigter kurzer Abschnitt über Nacht bis zur Unpassierbakeit verändern, wenn am Vorabend ein Wolkenbruch niedergegangen ist.

Wer sich in einem Gebiet als Radfahrer gut auskennt und das Kartenmaterial für Fahrradfahrer zu diesem Gebiet prüft, wird feststellen, dass er es an allen Ecken und Enden besser weiß. Und dennoch sind gedruckte Karten im Maßstab 1:50 000 oder 1:75 000, egal, ob sie von BVA in Bielefeld oder „reißfest und wasserfest“ von österreichischen Verlagen wie Kompass oder Esterbauer kommen, nach wie vor ein wichtiges Hilfsmittel. Sie bieten den Überblick, der sich mit einem Fahrrad-Navi genauso wie auf dem Display des Smartphones nur mit nervigem Hin-und-her-Zoomen gewinnen lässt.

949 Höhenmeter und 50 Kilometer durch den Taunus. Gut war’s.

Praktiker, die viel in fremden Gegenden unterwegs sind, berichten, dass sie alle drei Möglichkeiten nutzen: Die gedruckte Karte für den Überblick, das Fahrrad-Navi, um einen GPS-genau gespeicherten Trail mit eindeutigen Richtungsangaben zu absolvieren, und die App mit dem Fahrradkartenmaterial auf dem Smartphone, um sich leiten zu lassen - nicht nur zu Zielen und auf Strecken, sondern auch zu Events, Gleichgesinnten und Mitfahrern. Das leistet etwa die App Strava Local, die einem in Ballungsräumen wie Berlin, London, Paris, Barcelona, Mailand oder Amsterdam und zahlreichen großen Städten in den Vereinigten Staaten weiterhilft - aber eben nicht auf dem Weg von Gifhorn zum Spargelmarkt nach Klötze.

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