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Technik des Foilens : Über Flieger und Überflieger

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Der Schweizer Michael Aeppli gehört seit jeher zur Fraktion der Einrumpfverfechter. Aufs schnelle Segeln verzichtet der Züricher dennoch nicht. Angespornt durch die meist leichte Brise der Binnenseen, revolutionierte er das Foilen mit seiner klassisch-modern anmutenden Quant 23 ein Stück weit. Geradezu spielend bewegt sich die flache Flunder je nach Windstärke und Foilposition mit Amateurcrews zunächst auf dem Wasser, dann halb heraus und bald darüber.

Foils kommen auf dem Massenmarkt an

Ohne begrenzendes Regelwerk genoss Designer Hugh Welbourn für die Quant 23 konstruktiv freie Hand. Deshalb zeigten die ausfahrbaren Tragflächen des dynamischen Stabilitätssystems DSS selbstverständlich wie bei den Open 60 nach außen. Alles andere sei eh technisch unausgegoren und verschenkt, meint Aeppli, und sein Konzept „macht genau genommen Katamarane völlig überflüssig“.


Welche Bedeutung Foils auf dem Massenmarkt der Fahrtenboote für Freizeitsegler wirklich erlangen können, werden vor allem die Großwerften mitbestimmen. Der französische Branchenprimus Bénéteau hat Ende 2016 mit dem Figaro 3 schon ein Zeichen gesetzt. Die dritte Generation der zuvor mehr als hundertmal gebauten hochseetauglichen Zehn-Meter-Yacht hat im Standard nach innen gebogene Tragflächen, die sich für Anlegemanöver im Hafen ganz einziehen lassen.

Sind Foils nur eine Nische für Experten?

Für Aufsehen sorgte auch das fliegende Gunboat G4, ein zwölf Meter langer Cruiser-Racer-Katamaran mit Kajüte und Wohnkomfort. Doch das Abheben muss sich der Eigner nicht nur zutrauen, sondern auch können. Deshalb winkt Jens Quorning, Chef der überaus erfolgreichen dänischen Werft Dragonfly, ab, obwohl seine Trimarane prädestiniert scheinen: „Foils sind nichts für die Allgemeinheit, das bleibt eine Nische für Experten.“

Die wahren Artisten der Foilingszene sind dagegen nur auf einem einzigen Flügel unterwegs. Die internationale Moth-Klasse, in Deutschland Motten genannt, fordert waghalsige Flugkünstler besonders heraus. Unter einer kargen, dreieckigen Dingischale ragt mittig ein Schwert ins Wasser, das unten T-förmig wie die Ruder der Katamarane für genug Auftrieb sorgt – eine äußerst labile Angelegenheit, die zu spektakulären Abflügen führt.

Längst haben auch die Kitesurfer die Vorteile von Foils entdeckt. Bis dahin schon gehörten sie zu den schnellsten Wasserfahrzeugen überhaupt, fliegen sie nun bereits bei wenig Wind auf einem Mini-Bein. Das wiederum haben sich die Stand-up-Paddler neidvoll an- und gleich abgeschaut. Sie bauten ihrerseits T-Foils unter die Bretter. Ein paar kräftige Schläge mit dem Stechpaddel die Welle hinunter, und schon steht der Aktive überm Wasser – bis der Schwung nachlässt oder ein Kopfsprung die Landung abrupt einleitet.

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