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Autonomes Fahren : Schranke im Kopf

  • -Aktualisiert am

Die Möglichkeit autonomen Fahrens übt auf manche offenbar eine ähnliche Faszination aus wie die Elektromobilität, sie folgt aber auch den gleichen Realitäten. Alle reden davon, keiner fährt damit.

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          Kaum hatten wir hier über den neuen Audi A8 berichtet, überschlugen sich die Anfragen. „Der kann ganz allein fahren?,“ wollten die einen wissen. „Ist das das intelligenteste Auto der Welt?“, die anderen. Die Möglichkeit autonomen Fahrens übt auf manche offenbar eine ähnliche Faszination aus wie die Elektromobilität, sie folgt aber auch den gleichen Realitäten. Alle reden davon, keiner fährt damit. Der A8 kann technisch in der Tat bis 60 km/h im zähfließenden Verkehr so dem Vordermann folgen, dass der Fahrer dauerhaft die Hände vom Steuer nehmen kann. Nur, gesetzlich erlaubt ist das noch nicht. Und selbst dann ist dieses Auto weit entfernt vom Roboter. Nicht mal selbsttätig überholen kann der Audi. Auf dem Weg zum vollautomatischen Auto tauchen jede Menge Fragen auf, die mit Freude am Fahren zu tun haben, mit moralischen Dilemmata und eben auch mit Technik.

          Wie, zum Beispiel, kommt ein Wagen durch eine Mautstation? Citroën hat das gerade in Saint-Arnoult-en-Yvelins ausprobiert, erfolgreich. Der Aufwand war enorm, denn an französischen Mautstationen geht es drunter und drüber, Fahrzeuge wechseln unvermittelt die Spur, es fehlen Fahrbahnmarkierungen, womöglich klemmt die Schranke. Citroën und der Betreiber Vinci Autoroutes haben ein Kommunikationssystem zwischen Fahrzeug und Station aufgebaut, das 500 Meter vor der Zahlstelle die Kontrolle übernimmt und den Wagen auf einer zuvor digital aufgezeichneten Linie leitet. Sowohl ein Funksystem am Straßenrand mit ITS-G5-Protokoll als auch eines in der Mautstation kommunizieren miteinander und senden an Sensoren im Fahrzeug, welche Spur bereit ist und ob sich die Schranke öffnet.

          Das zeigt: Es geht. Das zeigt auch: Das ist der falsche Ansatz. Wer Fortschritt will, muss weiterdenken. Hier trifft moderne Technik auf jahrzehntealte Infrastruktur. Die Erfolgsmeldung müsste vielmehr lauten: Frankreich reißt seine Mautstationen ab und errichtet Funkbrücken, die während der Durchfahrt automatisch abbuchen. Der künstlich erzeugte Stau, ganz nebenbei, wäre damit auch gleich erledigt.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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