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Schlusslicht : Wer rausgeht

  • -Aktualisiert am

Der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck verlässt die sozialen Medien. Bild: dpa

Wenn substantiell nichts geschieht, sondern Altes wieder und wieder durchgekaut wird, wenn die Figur der Zeit die Rolle rückwärts ist und Herbert Wehner im Traum erscheint.

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          Er nahm die Pfeife aus dem Mund, aber sein Mund blieb schief wie zuvor, als er krächzte: „Ich sehe keinerlei Handlungsbedarf, ich war noch nie ein Zwitscherer!“ Nun gut, dass einem in den luziden Träumen des Erwachens Herbert Wehner erscheint, ist eindeutig eine Altersfrage: Das von der Leine gelassene Halbbewusste fragt sich, wie viele Kommentare heute wieder weggedrückt, wie viele Seiten überblättert werden müssen, weil substantiell nichts geschieht, sondern irgendein Vogelschiss wieder und wieder durchgekaut wird.

          Ohne alle Traumdeutung erschließt sich: Das Jahr ist noch so jung, aber die Figur der Zeit ist die Rolle rückwärts. Quasi symbolisch lässt LG in Las Vegas ein Fernsehgerät von stattlichen Dimensionen sich ent-, vor allem aber auch wieder einrollen. Was für ein Fortschritt! Früher musste man den Fernseher aus dem Fenster werfen, was bei den Hartz-IV-Glotzen immer schwieriger wurde. Jetzt also nur noch ein Knopfdruck, und die bislang lahmste Folge von „The Big Bang Theory“ verschwindet einfach im Gehäuse.

          Geradezu klassisch für diese Tage: Robert Habeck verlässt die sozialen Medien – kann er ja auch mit genug PraktikantInnen im Rücken, die für ihn twittern. Aber da wurden (und werden tagtäglich) mehr oder weniger kriminell motiviert Konten, Profile, Zugänge, Daten privater Art gehackt. Wenn es nicht gleich Millionen Opfer auf einen Streich gibt, wird daraus nicht mal eine kleine Meldung. Der Ärger für die, die es gerade trifft, mag so schauerlich sein, wie er will. Doch wenn es um Politiker und ihre Telefonnummern geht, haben wir plötzlich eine gesellschaftliche Krise von Verfassungsrang? Nun ja, selbst das Dümmste hat noch sein Gutes. Statt dieses unsäglichen „Ich bin dann mal weg“ kann man nach dem letzten Glas im Stehen jetzt sagen: „Leute, ich mach dann mal den Habeck.“ Heute morgen im Traum grunzte Herbert Wehner übrigens einen seiner Klassiker: „Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen.“

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