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Schlepper im Hamburger Hafen : Den Frachter an die Pier genagelt

  • -Aktualisiert am

Die kleine Flotte der Schlepper hat inzwischen den Treffpunkt querab der Flugzeugwerft erreicht. Nach 20 Minuten kommt der Erzfrachter auf, das Lotsenboot geht längsseits, der Stromlotse geht von Bord, der Hafenlotse steigt zu. Er teilt die Schlepper ein: „Bugsier 5“ und „Peter“ sollen am Bug anspannen, „Fairplay X“ achtern.

Schlepper bringen den „Draht“ zum Schleppen selbst mit, sicher ist sicher. Ein „Draht“ besteht aus unzähligen Drähten, ist sechs Zentimeter stark und wiegt viele Tonnen. Das Ende mit der Schlinge muss nun hoch aufs Schiff. Dazu nähert sich „Bugsier 5“ bis auf wenige Meter dem Vorschiff, ein Decksmann auf der „Cape Trust“ wirft eine Schmeißleine herunter. Die greift sich Schiffsmechaniker Olaf Ruge, macht die Jagerleine daran fest, ein ziemlich kräftiges Tau. Der Decksmann oben holt die Wurfleine samt Jagerleine ein. Die wird auf eine Winde gelegt, die nun den „Draht“ durch eine Klüse aufs Vorschiff zieht. Auf der „Bugsier 5“ bedient Michael Gelhaar, der Schiffsbetriebsingenieur, die Schleppwinde, die langsam den schweren Draht ausgibt. Oben auf dem Vorschiff des Bulkers wird der „Draht“ zunächst mit einem Stopper gesichert, dann wuchten drei oder vier Decksleute die Schlinge über einen Poller. Dann das Handzeichen: Die Schleppverbindung steht. „Bugsier 5“ hat „angespannt“.

Moderne Schlepper fahren vorwärts wie rückwärts gleich gut. Kapitän Michael Wasmuth steuert seine „Bugsier 5“ zwar vorwärts, sitzt aber mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Seinen Anhang lässt er nicht aus den Augen, ab und zu ein Blick über die Schulter nach vorn oder auf die elektronische Seekarte, das muss reichen. Seine Hände liegen die ganze Zeit auf den Schalthebeln der beiden vorderen Ruderpropeller, um schnell reagieren zu können. „Es gibt viele Gefahrenbereiche“, sagt er. „Beim Anspannen achtern muss man auf den Schraubenstrom des Anhangs achten, die Jagerleine kann in den Propeller geraten. Vorn muss man ein bis drei Meter an den Wulstbug heran, da schiebt die Bugwelle, der Schlepper wandert aus.“

“Schlepperfahren ist grundsätzlich etwas anderes als normale Seefahrt“, sagt Peter Meyer. „In der Seefahrt lernt jeder angehende Nautiker, sein Schiff auf Abstand zu anderen Schiffen zu halten. Doch mit einem Schlepper muss man möglichst nah an den anderen ran, bis auf ein paar Meter.“ Deshalb reicht das „Befähigungszeugnis zum nautischen Wachoffizier“ nicht aus, die Schleppreedereien fordern von ihren zukünftigen Kapitänen Erfahrung im Führen eines Schleppers. Kapitäne, die jederzeit ein Seeschiff führen dürfen, fahren daher zunächst als Steuermann auf einem Schlepper mit, unter Aufsicht eines erfahrenen Kapitäns. „Der Schlepperkapitän verrät ihnen dann alle Tricks“, erläutert Wasmuth. Wer sich als Steuermann bewährt, kann nach etwa zwei Jahren als Kapitän einen Schlepper fahren.

Die „Cape Trust“ hat den Hansaport erreicht, wo „Bugsier 9“ schon wartet, die beim Annageln helfen wird. Doch zunächst gibt der Lotse auf der Brücke des Bulkers seine Anweisungen. „Peter halbe“, bellt das Kommando des Lotsen aus dem Lautsprecher, „Peter“ bestätigt: „Peter halbe“ und gibt halbe Kraft voraus. „Die Fünf halbe Backbord“, ordnet der Lotse an, und „Bugsier 5“ gibt halbe Kraft Richtung Backbord des Anhangs. Damit Steuerbord (rechte Schiffsseite) und Backbord (linke Schiffsseite) beim Vorwärts- und Rückwärtsfahren nicht verwechselbar sind, werden alle Kommandos aus der Sicht des geschleppten Schiffs gegeben. Zum Abschluss nageln „Peter“ und „Bugsier 9“ den Frachter an die Pier, das heißt, sie drücken das Schiff an die Kaimauer. Die Windangriffsfläche ist groß, eine Bö könnte das Schiff wegtreiben. Erst wenn alle Leinen festgemacht sind, entlässt der Lotse die Schlepper.

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