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CO2 pressen und einlagern : CCS-Technologie wird die Klimakrise nicht lösen

CO2 pressen und wieder unter die Erde wandern lassen? So plant es Ölgigant Exxon Mobil. Bild: ZB

Um die Klimakrise zu meistern, ist Technologieoffenheit wichtig. Doch noch entscheidender ist Schnelligkeit. Die Versprechen von Ölkonzernen, CO2 unter die Erde zu pressen, entpuppen sich da rasch als grün verpackte Verzögerungstaktik.

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          Der Ölgigant Exxon Mobil will kräftig aufräumen. Weg mit dem bösen CO2 und zurück in die Erde, wo es hergekommen ist. Die zündende Idee kommunizierte der Konzern just in der Woche, da Joe Biden den Neuanfang im Klimaschutz wagen will. Sie lautet: Carbon Capture and Storage, kurz CCS und lang der technisch hochkomplexe Weg, CO2 abzutrennen oder zu filtern, um es dann zu lagern oder zu verwerten. Exxon will so die Emissionen der fünfzig schmutzigsten Anlagen am Industriekanal in Houston reinemachen, was vor allem Ölraffinerien und petrochemische Anlagen sind. Das verpresste CO2 soll via Pipeline in den Grund des Golfs von Mexiko wandern, wofür das Unternehmen freilich aus den amerikanischen Fördertöpfen entlohnt werden will.

          Wenn Unternehmen Wege finden, um CO2 abzuscheiden, das schon in der Luft ist, um es als Rohstoff für die Industrie nutzbar zu machen, ist dagegen nichts einzuwenden. Aber eine Technik als Klimalösung zu camouflieren, von der aktuell weder klar ist, wie effizient sie funktioniert noch ob sie jemals wirtschaftlich ist, weil Verpressung, Transport und Einlagerung selbst immense Energiemengen verschlingen, das ist Irrsinn. All das zudem nur, damit die fossile Industrie immer mehr CO2 in die Atmosphäre pusten kann.

          CCS ist eine Konjunktiv-Technologie, erneuerbare Energien funktionieren schon jetzt. Sie produzieren, global gesehen, für weniger Geld viel sauberere Energie. Sie noch besser und günstiger zu machen sollte das Gebot der Stunde sein. Exxons Vorschlag ist nichts als eine grün verpackte Verzögerungstaktik. Wenn das Waschbecken überzulaufen droht, sind Lappen und Feudel nicht die besten Problemlöser. Wer keine nassen Füße will, muss versuchen, den Hahn zuzudrehen.

          Anna-Lena Niemann
          Redakteurin im Ressort „Technik und Motor“.

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