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Regionalversorger : Smart elektrifiziert Auto, Rad und Roller

Das Pedelec gehört zum Stromverbund Bild: Smart

Seit mehr als einem Jahrzehnt sucht Smart seinen Platz, hat alle möglichen Kooperationen versucht und Ideen ausprobiert. Nun hat Smart einen neuen Verbündeten ausgemacht: den Strom.

          Seit mehr als einem Jahrzehnt sucht Smart seinen Platz, hat alle möglichen Kooperationen versucht und Ideen ausprobiert. Doch im Kern ist der Smart ein zweisitziger Winzling geblieben, der nahezu ohne Kofferraum und mit ruckelndem Getriebe quer in der Nische parkt. Jetzt soll all das zum Vorteil gereichen, denn Smart hat einen neuen Verbündeten ausgemacht: den Strom. Urbane Mobilität, zumal elektrisch motivierte, soll den kleinsten Spross aus dem Daimler-Reich in eine prosperierende Zukunft katapultieren. Dafür rollt nun die jüngste Generation von Coupé und Cabriolet (jeweils in Tat und Wahrheit nur ein halbes Coupé und ein halbes Cabriolet) mit frischer Elektromaschine heran, und es ist die erste Generation, die von jedermann erworben werden kann.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          E-Smart, der Dritte, kann alles besser als der Vorgänger, der in begrenzter Auflage von 2000 Stück an eine zahlungsbereite Kundschaft zwecks Einsammlung von Erfahrungswerten ausgereicht worden war. Und weil ein Smart nicht gern allein durch die Stadt stromert, stellen ihm seine Eltern noch gleich ein Pedelec zur Seite, 2014 soll ein elektrisierter Scooter die Familie komplettieren.

          Urbane Mobilität, zumal elektrisch motivierte, soll den kleinsten Spross aus dem Daimler-Reich in eine prosperierende Zukunft katapultieren

          Auf einer ersten Probefahrt fiel vor allem auf, dass nichts auffällt. Der elektrische Smart, Jahrgang 2012, unterdrückt fast vollständig den unschönen „Straßenbahn-Klang“, und außerdem fallen die Schaltrucke weg, mit denen die automatisiert getriebenen Verbrennungsmotoren die Passagiere nerven. Im Stammland des Zweisitzers, also in der Stadt und der Region drumherum, ist der elektrische Smart bestens aufgehoben. Die Antriebsart erscheint als konsequente Lösung für die avisierte Zielgruppe, Pflegedienste, Pizzaservice, Essen auf Rädern; Eilige Arzneimittel oder Werkverkehre dürften ihre Freude daran finden. Die Macher sind so zuversichtlich, dass sie sich ehrgeizige Ziele gesetzt haben. Offiziell ist nichts zu hören, aber dem Vernehmen nach stehen in der Planung 20 000 bis 25 000 Stück, bis die nächste Generation dann in ganz neuem Gewand anrückt, also bis zum Jahr 2014.

          Freilich fordert jedes Elektroauto Zugeständnisse, auch dieses. Zuerst ist da der Preis. Smart bietet zwei Modelle der Anschaffung an, in einem wird die Batterie (Sale&Care) gemietet, im anderen das Auto samt Batterie gekauft. Im Sale&Care-Modell kostet das Coupé 18 910 Euro, das Cabriolet 22 000 Euro. Hinzu kommen 65 Euro Miete je Monat für die Batterie. Dafür bietet Smart eine Leistungsgarantie über zehn Jahre und sorgt auch für notwendige Wartungsarbeiten, etwa den regelmäßigen Austausch der Trockenkartusche in der Batterie. Wer lieber alles kaufen will, der muss für das Coupé 23 680 Euro und für das Cabriolet 26 770 Euro überweisen. Als überschlägiger Rechenhinweis sei hier noch erwähnt: Die Stromkosten liegen in Deutschland bei 3,30 bis 3,50 Euro je 100 Kilometer, der Nachlass auf die Kraftfahrzeugsteuer macht 20 Euro im Jahr aus.

          Auf einer ersten Probefahrt fiel vor allem auf, dass nichts auffällt

          Im täglichen Umgang muss man sich mit einem voluminösen Schutzschalter am Kabel herumschlagen (oder Mennekes-Stecker nehmen), dafür passt es an die Haushaltssteckdose. In 6 bis 7 Stunden ist der Smart voll. Mit einer Ladung kommt er 145 Kilometer weit, und mit schönem Spurtvermögen erreicht er 60 km/h nach 4,8 Sekunden und 100 km/h nach 11,5 Sekunden. Bei 125 km/h ist Schluss. Wer nur mal um die Ecke will, nimmt das elektrisch unterstützte Fahrrad, dessen Akku rund 100 Kilometer weit reicht, für das allerdings weitere 2849 Euro anzulegen sind. Und wehe, man muss alleine treten oder das Rad auf den Träger wuchten: 26 Kilogramm sind ein stolzes Gewicht.

          Wem das alles zu viel ist, der Smart aber trotzdem gefällt, dem sei versichert: Die Konzentration allein auf das Elektroauto ist nicht vorgesehen. „Ja, natürlich“, sagt Smart-Chefin Annette Winkler, „wir werden auch weiterhin Verbrennungsmotoren einbauen“.

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