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Re:publica : Hauptsache Internet

Großer Andrang bei der Internet-Konferenz Re:publica in Berlin Bild: dapd

Gleich zu Anfang der Digitalkonferenz Re:publica ging es gegen die Riesen im Internet. Der New Yorker Professor Eben Moglen kritisierte Facebook und Google scharf dafür, dass sie ihre Nutzer beobachten und deren Daten sammeln.

          Wer im Vorfeld der Re:publica Tweets mit dem Hashtag „#rp12“ regelmäßig gelesen hatte, schätzte die Veranstaltung wahrscheinlich so ein: Vom 2. bis 4. Mai treffen sich in Berlin wieder die Computernerds der Republik in netter WG-Atmosphäre, die üblicherweise nur in virtuellen Räumen zusammenkommen. Vorfreude quoll aus jedem einzelnen Tweet. Die Re:publicaner suchten Mitfahrgelegenheiten und Übernachtungsmöglichkeiten. Es klang nach einem Woodstock der Generation Internet.

          Wer dann wenige Tage vor der Konferenz den offiziellen „Service-Newsletter zur #rp12“ bekommen hatte, änderte schnell sein Bild und stellte fest, dass ihn eine hochprofessionelle Veranstaltung erwartet: Alles ist perfekt geregelt: 4000 Teilnehmer verteilen sich auf 160 Stunden Programm, um 270 Rednern aus über 30 Ländern zuzuhören. Sie wird von den Veranstaltern wohl zu Recht als die „größte Konferenz Deutschlands über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft“ bezeichnet. Die Adelung kam letzte Woche von Jeff Jarvis persönlich. Der amerikanische Professor für Alles-was-mit-Internet-zu-tun-hat lobte die Re:publica als seine Lieblingskonferenz.

          Schwerer Sprung von der Online- in die Offline-Welt

          Gleich zu Anfang holt Eben Moglen auf der Hauptbühne mit seiner sehr emotional geformten Keule aus und schlägt auf Apple, Facebook und Google ein. Der New Yorker Professor greift all jene an, die es sich – meist ohne Wissen des Nutzers - erlauben, diesen zu beobachten, seine Daten zu sammeln und geschlossene Systeme anzubieten. Moglen plädiert für freie Software, denn nur sie garantiere eine freie demokratische Gesellschaft. Solche pathetischen Worte hätten der Veranstaltung „Creative Internet Business. Made in Germany?“ gut getan. Doch die Podiumsteilnehmer der Diskussionsrunde haben nicht viel mehr zu sagen, als dass Berlin eine echt coole Stadt für Internet-Startups sei und Mitarbeiter aus der ganzen Welt gerne hierher kämen. Man hätte sich gerade von einer Veranstaltung mit dem Schwerpunkt Internetwirtschaft konkrete Aussagen gewünscht.

          Das offene Konzept, Vorträge vorzeitig verlassen und in bereits begonnene einsteigen zu können, lässt sich somit gleich gewinnbringend nutzen. Denn nebenan zeigen Marco Vollmer und Paula Hannemann vom WWF konkret an einem Beispiel, wie sich eine Social-Media-Kampagne als Luftnummer entwickeln kann. Selbstkritisch stellen die beiden fest, dass die Online-Aktivitäten des WWF, ein neues Waldgesetz in Brasilien mit Druck tausender Internetnutzer zu stoppen, gescheitert ist. Trotz hoher Beteiligung an Mail-, Twitter- und Facebook-Aktionen schaffte der Protest nie den Sprung in die „Offline-Welt“. Und die zählt immer noch. Das Waldgesetz wurde letzte Woche verabschiedet.

          Action - das Motto der Re:publica 2012

          Eine Anekdote zwischendurch: Während und zwischen den Veranstaltungen hat sich auch schon ein Konferenz-Thema etabliert. Es ist nicht das böse Google, das gierige Facebook oder die Rechtsgrundlage beim Bloggen. Es ist das Wlan der Re:publica. Denn das funktioniert meistens nicht. Und das auf Deutschlands größter Internet-Konferenz.

          Ähnlich wie auf großen Musikfestivals haben die Veranstalter die vermeintlichen Höhepunkte als letzten Bühnenauftritt angesetzt. Zeitgleich werden am Abend auf Bühne 1 der wohl populärste Internet-Bescheidwisser Sascha Lobo (auch bekannt außerhalb des Internets) und auf Bühne 2 Populär-Pirat Christopher Lauer (mittlerweile auch den anderen 87 Prozent der deutschen Wähler bekannt) mit seinen Komplizen Eva Horn und Alf Frommer auftreten. Wie schon auf den vorherigen Re:publicas überrascht Lobo die Besucher mit einem Überraschungsvortrag. Über den Inhalt des Eies konnten die Besucher auf seiner Webseite selbst abstimmen, drei Themen standen zur Auswahl. Christopher Lauer ist bei seiner Ankündigung nur scheinbar konkreter. In einem „Raumexperiment“ sollen die „Grenzen zwischen Informationsvermittlung und Performance“ ausgelotet werden. In dieser „ultimativen Talkshow“ stoßen „ein Politiker und eine selbst ernannte ‚Politiknutte’“ aufeinander. Nun ja.

          Bereits am ersten von drei Tagen erkennt man schnell die Problematik solcher Konferenzen. Weil die Re:publica in den letzten sechs Jahren derart gewachsen und „offen für alle und in der Themenwahl stets dem Zeitgeist voraus“ ist, gibt es mittlerweile „vierzehn Themenstränge“. Daher stolpert man am ersten Tag etwas hilflos zwischen den acht Bühnen hin- und her, weil man sich nicht entscheiden kann, was man über „das Internet“ lernen will. Andererseits wird das vielfältige Angebot an Sessions dem Thema Internet auch gerecht, weil dieser Begriff eben nicht eng definiert ist. So wird es vermutlich an den nächsten beiden Tagen ein kurzer Weg werden zwischen langweiligen Monologen und emotionsgeladenen Vorträgen, inhaltslosen Podiumsdiskussionen und spannenden Fallbeispielen.

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