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Wo bleibt die Fahrradkultur? : Überfordert

  • -Aktualisiert am

Ist es wirklich so gut, wenn plötzlich alle aufs Rad kommen? Eine Nachmittagstour auf dem Sattel lässt daran zumindest Zweifel aufkommen. Wenigstens so lange unser Radverkehrsnetz seinen Namen nicht verdient.

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          Das Gejammer um knapp werdende Fahrräder schwillt weiter an. Tatsächlich aber scheint sich die Lage zu entspannen: Die Händler haben ihre Kunden, die keineswegs irgendein Fahrrad haben wollen, sondern ein ganz bestimmtes, über Wochen und Monate vertröstet. Mit den raren Ersatzteilen haben sie sich zu helfen versucht, es entstand ein reger Tauschhandel. Man hörte davon, dass Ladenhüter zum Ersatzteillager wurden, schwer verkäufliche Kompletträder wurden zerlegt, wegen der Ritzel zum Beispiel. Jetzt, wo endlich das Wetter besser geworden und die lang ausstehende Bestellung – gekürzt! – beim Händler eingetroffen ist, stellt sich eine ganz andere Frage: Ist es wirklich nur gut, wenn jede und jeder ein Fahrrad bekommt? Wochenende und Sonnenschein auf einer der Magistralen des touristischen Radverkehrs: Die Situation erscheint leicht beängstigend.

          Die Massenbewegung der Radfahrenden ist ein buntes Gemisch aus Rücksichtslosigkeit, Überforderung und Ignoranz auf viel zu wenig Verkehrsfläche. Wir haben einfach längst noch nicht die nötige Infrastruktur für mehr und noch mehr Radverkehr. Und wo es ein Radverkehrsnetz gibt, das diesen Namen verdient, ist der Zustand der Wege an vielen Stellen schlicht erbärmlich. Vom jungen Karbonrad-Rambo im Tour-de-France-Kostüm bis zu den Elektro-Senioren, die mit 20 km/h ungebremst in den Ausflug der Hundeschule rauschen – eine Nachmittagstour genügt, und man hat ein Dutzend Situationen erlebt, die mindestens das Prädikat „kitzlig“ verdienen. Für die so heftig geforderte Verkehrswende weg vom Auto täte viel mehr Fahrradkultur not.

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