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Promille : Trinken für die Erkenntnis

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Ab und zu gibt es erfreuliche Termine. Aber es sagt ja niemand, dass Arbeit keinen Spaß machen darf: Essen und Trinken im Dienste der Verkehrssicherheit.

          Ab und zu gibt es erfreuliche Termine. Aber es sagt ja niemand, dass Arbeit keinen Spaß machen darf: Essen und Trinken im Dienste der Verkehrssicherheit. Das Ganze auf Einladung des TÜV und des Anwaltvereins Südhessen und zusammen mit zwei Dutzend gutgelaunten Rechtsanwälten, denen auf diese Weise vorgeführt werden soll, welche Auswirkung die Metabolisierung von Ethanol auf den menschlichen Körper haben kann, der Suff also.

          Dazu gibt es jede Menge Geschichten. Alle, die als Ausrede dienen können, habe sie schon gehört, erzählt Ingeborg Blume, die seit einer kleinen Ewigkeit einschlägig aufgefallene Verkehrsteilnehmer psychologisch begutachtet hat und sie nun betreut. Für uns ist aber das neu, was sie selbst erzählt - etwa von Menschen, die mit mehr als drei Promille noch laufen können und dann meinen, Lastwagen fahren zu müssen. Das ist die Botschaft: Einer, der Alkohol genüsslich trinkt, erreicht mangels Übung ohne Ausfallerscheinungen die 1,6 Promille erst gar nicht, mit denen er zum Idiotentest geschickt wird, der offiziell MPU heißt.

          Also frisch ans Werk. Zu Schnitzel und Kartoffelsalat Getränke nach Wunsch, warten und blasen. Die erste Übung sind vier Weißwein zu 0,2. Sieh an, uns wird so wunderlich. So leicht und doch absunderlich. Die Messung ergibt aber nur 0,5 Promille. Das ist dem ordentlichen Gewicht des Testers geschuldet, offenbar baut er den Alkohol auch etwas schneller ab als der Durchschnitt von 0,1 Promille je Stunde. Die alte Grenze zur Ordnungswidrigkeit von 0,8 lässt sich nur mit Überwindung und reichlich Schnäpsen erreichen. Ein Promille schafft an diesem Abend keiner. Wenn also der Klient schwört, er habe nur drei Bierchen getrunken, der Entzug der Fahrerlaubnis sei ein Mysterium - dann glaubt ihm der Anwalt fürderhin kein Wort.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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